Bei 14 offenen Immobilienfonds liegen die Börsenkurse laut Finanztip im Schnitt 19,3 Prozent unter den Rücknahmepreisen – deutlich mehr als im Juni.
Die Börsenkurse offener Immobilienfonds entfernen sich zunehmend von den offiziellen Rücknahmepreisen der Fondsgesellschaften. Nach einer aktuellen Untersuchung von Finanztip beträgt der volumengewichtete Abschlag bei 14 untersuchten Fonds inzwischen durchschnittlich 19,3 Prozent. Im Juni hatte die Differenz noch bei 11,2 Prozent gelegen, Anfang 2026 bei 10,2 Prozent und Anfang 2025 bei rund acht Prozent. Damit erreicht der Abschlag den höchsten Wert seit Beginn der detaillierten Auswertung Anfang 2025.
Finanztip vergleicht nahezu monatlich die Börsenkurse und Rücknahmepreise von 19 großen offenen Immobilienfonds. In die aktuelle Berechnung flossen 14 Fonds ein, bei denen eine Rückgabe von Anteilen an die Fondsgesellschaft grundsätzlich noch möglich ist. Stichtag der Erhebung war der 27. Oktober 2026.
DWS beschränkt Rücknahme beim Grundbesitz Europa
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung beim offenen Immobilienfonds „grundbesitz europa“ der DWS. Dessen Börsenkurs lag am 27. Oktober mehr als 50 Prozent unter dem offiziellen Rücknahmepreis. Eine Woche zuvor hatte der Abschlag noch rund 47 Prozent betragen.
Die Deutsche-Bank-Tochter hatte am 26. Oktober angekündigt, die Rücknahme von Fondsanteilen vorübergehend zu beschränken. Seit dem 28. Oktober werden fällige Rücknahmeaufträge zunächst nur noch zu zehn Prozent ausgeführt.
„Die immer größeren Abschläge zeigen, wie skeptisch Anleger inzwischen auf die offiziellen Bewertungen der Immobilienfonds blicken“, sagt Timo Halbe, Geldanlage-Experte bei Finanztip. Anleger befürchteten offenbar weitere Abwertungen oder zusätzliche Einschränkungen bei der Rücknahme von Fondsanteilen.
Auch große Immobilienfonds betroffen
Die wachsenden Abschläge betreffen inzwischen sämtliche 14 untersuchten Fonds. Besonders deutlich hat sich die Differenz zwischen Börsenkurs und Rücknahmepreis auch bei zwei der größten deutschen Immobilienfonds ausgeweitet.
Beim rund 18 Milliarden Euro schweren „Deka-ImmobilienEuropa“ stieg der Abschlag seit Jahresbeginn von 5,3 auf 16,1 Prozent. Beim „hausInvest“ der Commerz Real mit einem Fondsvolumen von 14,5 Milliarden Euro erhöhte sich die Differenz im selben Zeitraum von 7,8 auf 17,2 Prozent.
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Die Börsenabschläge spiegeln die Preise wider, zu denen Fondsanteile am Markt gehandelt werden. Sie sind nicht mit entsprechenden Wertverlusten der Immobilienportfolios gleichzusetzen. Allerdings können sie auf Zweifel der Anleger an den offiziellen Bewertungen und an der künftigen Verfügbarkeit ihrer Investitionen hinweisen.
Für Anleger ergeben sich daraus unterschiedliche Risiken. Während ein Verkauf über die Börse kurzfristig möglich ist, müssen dabei die aktuellen Kursabschläge akzeptiert werden. Bei einer Rückgabe an die Fondsgesellschaft gelten dagegen Kündigungsfristen und gegebenenfalls Rücknahmebeschränkungen. Während der Wartezeit können weitere Veränderungen der Immobilienbewertungen den späteren Auszahlungsbetrag beeinflussen.
