Mobilität und Immobilie waren schon immer untrennbar miteinander verbunden. Die Bedeutung von Mobilität steigt jedoch im gesellschaftlichen Wandel deutlich. Von André Eberhard
Ich bin passionierter E-Rollerfahrer. Ich mag die kleinen elektrischen Gefährte, die mir vor allem in Großstädten das Vorankommen wesentlich erleichtern. Solange man kein Gepäck dabei hat, sind die kleinen Vehikel ideale Fortbewegungsmittel, um den Blechlawinen und überfüllten U- und S-Bahnen zu entgehen. Egal ob auf Dienstreisen oder privat, die Alltagsgefährte sorgen nicht nur für ein gefühlt ökologisches Vorwärtskommen, sondern haben den Nebeneffekt, dass man als Immobilienmensch einen guten Eindruck der jeweiligen Städte bekommt.

Allerdings haben die zweirädrigen Scooter auch einen entscheidenden Nachteil. Sie stehen gefühlt überall. Sie vermüllen Innenstädte und ihre Nachhaltigkeit ist noch zweifelhaft. Das soll sich zwar in diesem Jahr durch eine Verschärfung der eKFV (Elektrokleinstfahrzeuge) ändern, dennoch ist das Thema Mobilität in Innenstädten damit sicherlich noch nicht am Ende. Nicht umsonst haben sich die Franzosen gegen die kleinen Gefährte entschieden.
Umstieg mit Mobility-Hubs
Spätestens seit der Entwicklung der „15-Minuten-Stadt“ ist auch das Thema Mobilität zentraler Baustein der Städte von morgen geworden. Städte wandeln sich von auto- zu menschenzentrierten Räumen, mit einem Fokus auf Radwege, Fußgängerzonen und verbesserten öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Zukunft dürfte beispielsweise in Mobility-Hubs liegen, die einen Umstieg auf die verschiedensten Verkehrsmittel deutlich erleichtern.
„In städtischen Gebieten und Quartieren hat sich allerdings die Gewichtung einzelner Verkehrsträger geändert und im Zuge einer nachhaltigen Stadtentwicklung gewinnt die Fußgängerfreundlichkeit, die Erreichbarkeit mit dem Fahrrad oder auch die Verfügbarkeit von Ladesäulen oder Carsharing-Angeboten im direkten Umfeld oder an/in der Immobilie selbst zunehmend an Bedeutung gegenüber dem alleinigen Fokus auf den motorisierten Individualverkehr. Ein immobiles Asset wie die Immobilie benötigt eine hervorragende Mobilität seiner Gäste, Nutzer oder Kunden“, meint Helge Scheunemann, Head of Research bei JLL Germany.
So bieten heute zahlreiche Quartiere bereits integrierte Sharing-Modelle mit E-Fahrzeugen, Fahrrädern und Rollern. Auch die oftmals umstrittene Stellplatzverordnung wurde in den vergangenen Jahren in vielen Städten überarbeitet.
Auch in München sind innovative Konzepte auf dem Vormarsch. So bietet beispielsweise das „kupa – Quartier Kuvertfabrik“ seinen 350 Bewohnern eine Fahrradwerkstatt, Car-, E-Bike-, E-Lastenrad- und E-Scooter-Sharing an. Zugegeben, mit 27,20 Euro pro Quadratmeter auch nicht ganz günstig für München-Pasing.
Doch nicht nur rein praktisch betrachtet, kann Immobilie heute ohne Mobilität kaum noch gedacht werden. Auch der Wert einer Immobilie hängt maßgeblich von seiner Mobilitätsanbindung ab. Birger Ehrenberg, geschäftsführender Gesellschafter der ENA Experts, schätzt, dass suboptimal angebundene Büroobjekte einen Mietabschlag von zehn bis 30 Prozent hinnehmen müssen. Auch Helge Scheunemann bestätigt, dass die Belegungsquoten bei Objekten mit guter Erreichbarkeit und kürzeren täglichen Wegen zur Arbeit im Vergleich höher sind.
Auch die vergangene Mipim zeigte, dass Mobilität ein wesentlicher Baustein der Immobilienwirtschaft sind, dessen Bedeutung spätestens seit Corona deutlich zugenommen hat. Gesellschaftlicher Wandel und dessen Bewertung ist für die zukünftigen Entscheidungen immobilienwirtschaftlicher Akteure maßgeblich.
Ein Beitrag von Chefredakteur André Eberhard aus der aktuellen immobilienmanager-Ausgabe .