Der Anteil der Miet- und Wohnkosten am verfügbaren Haushaltseinkommen nimmt weiter zu. Vor allem in den Urlaubsregionen an der Nordsee und den Metropolen der Republik steigt die Quote auf bis zu 50 Prozent.
Laut einer Studie von Wüest Partner zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede in Deutschland bei den Miet- und Wohnausgaben. Deutschlandweit beträgt die Quote demnach rund 27 Prozent. Am höchsten ist die Belastung auf Sylt von über 40 Prozent, in einigen Gemeinden der Nordseeinsel sogar über 50 Prozent.
Die Gründe hierfür liegen, laut Wüest Partner in der hohen Durchschnittsmiete von 20 Euro pro Quadratmeter und den niedrigen Einkommen auf den Ferieninseln, die geprägt sind von im Tourismus beschäftigten Dienstleistungsjobs.
In den Top Sieben Städten Deutschlands steht Berlin mit 36 Prozent Mietkostenbelastung an der Spitze des Rankings. In Düsseldorf belastet die Miete „nur“ mit 27 Prozent das Haushaltseinkommen. Köln notiert bei 30 Prozent.
Am günstigsten lässt sich im Osten Deutschlands wohnen. Die niedrigsten Mietbelastungen gibt es demnach in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Hier liegen die Medianmieten bei rund 6,20 Euro pro Quadratmeter und damit bei unter 20 Prozent. Ein hoher Anteil von Einfamilienhäusern am Wohnungsbestand und die Möglichkeit, Wohneigentum zu erwerben, entlasten den Mietwohnungsmarkt zusätzlich. Auch auf den Inseln Helgoland und Juist liegt die Mietbelastung dank höherer Haushaltseinkommen und moderater Mieten unter 20 Prozent.
Auch für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser erweisen sich die touristischen Regionen als Spitzenreiter bei der Wohnkostenbelastung. Sie lagen 2023 bei 27 Prozent. Neben den Nordfriesischen Inseln notieren auch der Landkreis München sowie die Region um den Tegernsee im Spitzenfeld. Dort liegt die Belastung bei teilweise über 50 Prozent. Vor allem die hohen Quadratmeterpreise von 10.000 Euro und mehr ist hier als Grund zu nennen.
Die niedrigsten Wohnkostenbelastungen finden sich dagegen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Hier liegen die Quadratmeterpreise für Wohneigentum teilweise unter 1.500 Euro, was die Gesamtbelastung der Haushalte deutlich reduziert. Zudem wird das Wohnungsangebot in diesen Gemeinden häufig von Einfamilienhäusern dominiert, die ähnlich niedrige Kaufpreise aufweisen. Dämpfend auf die Nachfrage wirkt sich zudem aus, dass viele Gemeinden einen Bevölkerungsrückgang oder nur ein sehr geringes Bevölkerungswachstum verzeichnen.
Seit des Zinsanstiegs 2022 hätten sich die Preise für Mieten und Wohneigentum entkoppelt, meint Sophie Nieder, Senior Research Analyst bei Wüest Partner. Während die Preise für Wohneigentum zum Teil deutlich rückläufig waren, steigen die Mieten aufgrund hoher Nachfrage und des knappen Angebots weiter. Nieder fordert vor allem adäquate Lösungen für die Förderung des Wohnungsbaus sowie Antworten auf den demografischen Wandel in weniger belasteten Regionen.
