Ein Athlet springt über eine Hürde bei Sonnenuntergang auf einer Laufbahn.
KI-Anwendungen treffen auf hohe Akzeptanz, doch Hürden wie mangelnde Datenqualität, fehlende Systemintegration und Datenschutz bremsen das Potenzial. (Quelle: Pixabay)

Digitalisierung 2025-05-19T09:25:23.947Z KI trifft auf Akzeptanz – und strukturelle Hürden

Viele Immobilienunternehmen verfolgen Digitalisierungsstrategien – doch es hapert an Ressourcen, Datenstrukturen und Systemintegration.

Die digitale Transformation der Immobilienwirtschaft schreitet voran, verläuft jedoch vielfach uneinheitlich. Zwar haben laut einer aktuellen Umfrage 79 Prozent der Unternehmen eine Digitalisierungsstrategie, jedoch stellen nur gut die Hälfte (51 Prozent) personelle Ressourcen zu deren Umsetzung bereit. Das wurde auf einer Pressekonferenz deutlich, zu der Cloudbrixx gemeinsam mit Rueckerconsult eingeladen hatte.

Porträt Marc Mockwitz
Marc Mockwitz (Quelle: Cloudbrixx)

„Das zeigt eine gefährliche Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, so Marc Mockwitz, Geschäftsführer von Cloudbrixx. „In vielen Unternehmen fehlt es schlicht an strukturellen Voraussetzungen – sei es durch mangelnde Prozessanalyse, unzureichenden Datenbestand oder fehlende Schnittstellen. Und gerade bei kleineren und mittlelgroßen Unternehmen sehen wir oft, dass Digitalisierung ‚nebenher‘ mitgemacht wird – ohne klare Zuständigkeiten.“ Gleichzeitig sei der Druck hoch: „Der Fachkräftemangel, steigende Kundenerwartungen und zunehmende ESG-Anforderungen machen Digitalisierung alternativlos.“

Digitalisierung als Führungsaufgabe

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Digitalisierung liefert die Strategis AG. Das Unternehmen hat über fünf Jahre hinweg alle Kernprozesse dokumentiert, standardisiert und darauf aufbauend digitale Tools implementiert. Der Nutzen zeigt sich in der Praxis: 75 Prozent der Unternehmensprozesse laufen automatisiert, Medienbrüche wurden weitgehend beseitigt.

Porträt Sascha Nöske
Sascha Nöske (Quelle: STRATEGIS AG)

„Wir haben verstanden: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, unsere Dienstleistungsqualität langfristig hoch zu halten“, sagt Vorstandsvorsitzender Sascha Nöske. Er betont: „Digitalisierung ist eine klassische Managementaufgabe.“

Die Folge: Mehr Zeit für direkte Kundenkontakte und effizientere Abläufe – etwa durch automatisierte Betriebskostenabrechnungen oder digitale Dokumentenflüsse. Für Partner, die weiterhin Papierunterlagen einreichen, zeigt Nöske wenig Verständnis: „Wer mit Ordnern auf der Ladefläche ankommt, wie es früher der Fall war, ist bei uns an der falschen Adresse.“

Beratungsblick: Tools kommen zu früh

Auch aus Beratungsperspektive gibt es Kritik an gängigen Digitalisierungsansätzen. Marko Broschinski, Head of Sales bei Intreal Solutions, beobachtet: „In vielen Fällen wird zu schnell auf einzelne Tools gesetzt, ohne die strategische Einbettung zu klären.“

Ohne systematische Prozessanalyse und strategische Zielsetzung führten Einzellösungen oft zu Insellösungen ohne Mehrwert. „Digitalisierung ist keine IT-Frage, sondern eine Führungsentscheidung“, so Broschinski.

KI in der Praxis: hohe Erwartungen, strukturelle Defizite

Künstliche Intelligenz (KI) ist bereits in vielen Unternehmen angekommen: 48 Prozent der Befragten setzen laut Umfrage Tools wie ChatGPT oder Copilot ein. Doch der flächendeckende Einsatz wird durch unstrukturierte Daten, fehlende Integration und Datenschutzfragen erschwert.

„KI wird erst dann produktiv, wenn sie tief in Workflows integriert ist, also wenn der User nicht prompten muss, sondern automatisiert Empfehlungen erhält“, betont Mockwitz. Auch Nöske fordert praxistaugliche Lösungen: „20.000 Rechnungen im Jahr kann ich nicht manuell vorprüfen. Hier müssen ERP-Systeme die Übergabe von Daten an KI-Module ermöglichen – und wieder zurück.“

Auch Datenschutz bleibt ein zentrales Thema. Mockwitz: „Wir arbeiten intensiv an EU-konformen Lösungen, um KI in der Immobilienwirtschaft sicher und wirksam zu machen. Erst wenn wir hier Standards schaffen, wird der Durchbruch gelingen.“

Ausblick: Digitale Reife wird zum Wettbewerbsfaktor

Die Marktdiskussion zeigt: Die aktuelle wirtschaftliche Lage zwingt Unternehmen, Digitalisierung ernsthaft voranzutreiben. „Die einen professionalisieren sich, die anderen drohen abgehängt zu werden“, meint Mockwitz.

Porträt Marko Broschinski
Marko Broschinski (Quelle: INTREAL Solutions)

Broschinski sieht darin einen Wendepunkt: „Wer heute nicht investiert, riskiert morgen den Marktzugang. Die Digitalisierung entscheidet künftig über Mandate, über Renditen und über die Resilienz der Geschäftsmodelle. Wer unzureichend digitalisiert ist, wird die Dienstleistungen in der richtigen und der geforderten Qualität für interessante und größere Mandate nicht mehr erbringen können und diese Aufträge nicht mehr erhalten.“ Auch in puncto Fachkräftemangel könne sie entlastend wirken: „Das Personal wird durch digitale Prozesse entlastet und kann sich um die wichtigen Dinge kümmern wie die Mandantenbetreuung, statt um sinnentleerte zeitintensive Tätigkeiten wie Daten händisch übertragen zu müssen.“

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zuletzt editiert am 26. Mai 2025