Eine beeindruckende Aufnahme der Frankfurter Skyline bei Nacht, die die beleuchteten Wolkenkratzer und die Spiegelung der Lichter im Main sowie die markante Brücke im Vordergrund zeigt.
Die Mainmetropole Frankfurt bleibt mit 970 MW der größte Rechenzentrumsmarkt in Kontinentaleuropa. (Quelle: Unsplash)

Standorte & Märkte 2026-08-24T08:45:48.289Z KI-Boom verschiebt Europas Rechenzentrumsstandorte

KI treibt den Ausbau von Rechenzentren. Stromengpässe verändern die Standortwahl. Frankfurt bleibt größter Markt Kontinentaleuropas.

Der Ausbau von KI-Infrastruktur verändert die Standortwahl für neue Rechenzentren in Europa. Während die Nachfrage nach zusätzlichen Kapazitäten steigt, rückt die Verfügbarkeit von Strom gegenüber der Nähe zu etablierten Rechenzentrumsclustern zunehmend in den Vordergrund. Das zeigt der aktuelle EMEA Data Center Report von JLL.

Besonders deutlich wird die Verschiebung bei geplanten Hyperscalern: Projekte, die zwischen 2026 und 2028 entstehen sollen, liegen im Durchschnitt 175 Kilometer von den großen europäischen Rechenzentrumshubs entfernt. Bei den zwischen 2022 und 2025 fertiggestellten Projekten waren es lediglich 46 Kilometer.

„Historisch gesehen haben Betreiber so nah wie möglich an großen Bevölkerungszentren gebaut. Bei der wachsenden KI-Trainingsinfrastruktur folgt man heute einer anderen Logik: Der entscheidende Faktor ist zunehmend, wo ausreichend Strom gesichert werden kann – nicht einfach, wo die Nachfrage besteht“, sagt Martina Williams, Head of Work Dynamics EMEA bei JLL.

Mehr Rechenzentren entstehen auf der grünen Wiese

Mit der Standortverlagerung verändert sich auch die Art der Entwicklungsflächen. Zwischen 2022 und 2025 entstanden knapp 80 Prozent der neuen Kapazitäten auf etablierten Industrieflächen oder am Stadtrand. Bei den für 2026 bis 2028 geplanten Projekten entfallen bereits 39 Prozent auf Greenfield-Standorte.

Ein gestapeltes Säulendiagramm zeigt die neu installierte Rechenleistung in Megawatt (MW) in den FLAP-D-Städten (Frankfurt, London, Amsterdam, Paris, Dublin) von 2020 bis zur Prognose für 2026, wobei für 2026 ein historischer Höchstwert erwartet wird.
2026 dürfte so viel Rechenleistung hinzukommen wie nie zuvor. (Quelle: JLL Research)

Getrieben wird der Ausbau insbesondere durch den steigenden Bedarf an Rechenleistung für KI-Anwendungen. Gleichzeitig begrenzen verfügbare Netzkapazitäten die Entwicklung in den etablierten europäischen Rechenzentrumsstandorten.

Frankfurt hat Europas größte Pipeline

Frankfurt bleibt mit 970 Megawatt installierter Leistung der größte Rechenzentrumsmarkt Kontinentaleuropas. Paris kommt auf 614 Megawatt, Amsterdam auf 611 Megawatt und Mailand auf 230 Megawatt. Europaweit liegt London mit 1.277 Megawatt an der Spitze.

Frankfurt verfügt zugleich über die größte Entwicklungspipeline Europas. 311 Megawatt befinden sich laut JLL im Bau, weitere 687 Megawatt sind geplant. Die Realisierung neuer Projekte wird allerdings durch lange Wartezeiten beim Netzanschluss erschwert. Nach Angaben von Netzbetreibern sollen Kapazitäten für aktuelle Anschlussanträge teilweise erst ab Mitte der 2030er-Jahre zur Verfügung stehen.

Die Leerstandsquote im Frankfurter Rechenzentrumsmarkt liegt bei 3,1 Prozent und damit bei weniger als der Hälfte des Durchschnitts der fünf größten europäischen Märkte. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 36 Megawatt neue Kapazität hinzu. Im Gesamtjahr 2025 waren es 128 Megawatt.

Berlin wächst als Alternative zu Frankfurt

Auch Berlin gewinnt als Rechenzentrumsstandort an Bedeutung. Die installierte Kapazität beträgt inzwischen 148 Megawatt. Bei einer Leerstandsquote von 0,9 Prozent ist das vorhandene Angebot nahezu vollständig ausgelastet.

Gleichzeitig wächst die Pipeline: 143 Megawatt befinden sich im Bau, weitere 379 Megawatt sind geplant. Dazu gehören auch größere Campusentwicklungen im Berliner Umland.

JLL sieht vor allem in Nord- und Ostdeutschland weiteres Potenzial. Dort könnte die Verfügbarkeit erneuerbarer Energie gegenüber den überlasteten etablierten Standorten zum Wettbewerbsvorteil werden.

„Während sich die Branche auf überlastete Metropolen fixiert, produziert beispielsweise Nord- und Ostdeutschland massive Stromüberschüsse. Windparks erzeugen mehr grüne Energie, als die Region verbrauchen kann. Überschüsse verpuffen ungenutzt, weil Netzkapazitäten fehlen. Das ist eine immense Chance für die Rechenzentrumsbranche“, sagt Frank Weber, Senior Director Client Solutions Datacenter & New Energies bei JLL Germany.

Neben der Energieversorgung nennt JLL die lokale Akzeptanz als entscheidenden Faktor für die Realisierung neuer Projekte. Damit dürfte sich die Standortkonkurrenz im deutschen Rechenzentrumsmarkt zunehmend von den etablierten Clustern auf Regionen mit verfügbaren Stromkapazitäten verlagern.

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zuletzt editiert am 24. August 2026
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