Künftig sollten nur noch Sanierungen und Neubauten mit dem Standard EH 40 gefördert werden, so Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Dienstag. (Bild: Pixabay)

Finanzierung

02. February 2022 | Teilen auf:

KFW-Förderung: Verbände begrüßen ersten Schritt

Die Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, dass alle bis zum Förderstopp am 24. Januar gestellten Anträge für Energiesparhäuser weiterbearbeitet werden sollen. Wir haben erste Stimmen der Verbände gesammelt.

„Es ist eine ehrliche und lösungsorientierte Entscheidung. Für die Anträge bis Ende Januar gab es überhaupt keine Alternative“, sagt Dr. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschuss ZIA. „Für die Fälle danach müssen jetzt alle Beteiligten zeitnah schauen, dass eine Umstellung auf eine gangbare Förderung funktioniert. Nur so kann man das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr erreichen.“

Mattner erklärt weiter, dass verlässliche Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau essenziell seien: „Nur so kann ein Vertrauensschaden bei der Wohnungswirtschaft verhindert werden, die mit einem Vorlauf von oft bis zu zwei Jahren pro Projekt und vor einem Förderantrag hohe Entwicklungskosten investiert hat. Neue Standards dürfen aber auch nicht zu einem übertriebenen Materialeinsatz und höheren Kosten führen. Gebäude immer stärker zu dämmen, treibt die Kosten nach oben und nutzt dem Klima wenig. Innovative und technologieoffene Konzepte müssen berücksichtigt und nicht nur eine einzelne Technologie gefördert werden.“

Völlig klar sei, dass die Bundesregierung ihre klimapolitischen Ambitionen nur mit einer vernünftig ausgestatteten Förderkulisse erreichen kann, gerade im Wohnungsbau. Dabei erscheine eine Mittelausstattung von mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr bis 2025 als angemessen, um der umfassenden Nachfrage und der Bedeutung des Themas Klimaschutz langfristig gerecht zu werden.

GDW: Umfassende Lösung weiterhin notwendig

Auch Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs-und Immobilienunternehmen GDW, hält die Entscheidung der Bundesregierung für eine „gute Botschaft“. Für die betroffenen Wohnungsunternehmen werde damit eine Selbstverständlichkeit wiederhergestellt: „Die Rechtssicherheit für fristgerecht eingereichte Anträge.“

Viele weitere Fragen und notwendige Schritte seien für die Zeit nach vorne aber noch offen. „Insbesondere für den sozialen Wohnungsbau muss eine kurzfristige Lösung gefunden werden. Hier ist ein Förderungsausgleich mindestens auf dem Niveau des EH-55-Programms zwingend notwendig. Zudem dürfen die Konditionen für das EH-40-Programm und die Sanierungsförderung keinesfalls verschlechtert werden, wenn sie die gewollte Wirkung für einen klimaschonenden Neubau und Bestand erzielen sollen“, so Gedaschko weiter.

VNW zeigt sich enttäuscht von der Bundesregierung

Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen VNW, kommentiert: „Insgesamt ist das Handeln der Bundesregierung in den letzten Tagen enttäuschend. Insbesondere für den Bundesminister Robert Habeck sollten zukünftig Panik und Drama nicht zur Handlungsmaxime werden.“

Die wiederhergestellte Rechtssicherheit begrüßt auch Breitner, dies ändere aber nichts an der aktuellen Planungsunsicherheit. „Für Unternehmen, die niedrige Mieten nehmen, rechnet sich eigentlich nur der KFW-55-Standard. Wenn künftig nur noch KFW 40 gefördert wird, dann bedeutet das zeitintensive Umplanungen. Wenn dann auch noch die Bedingungen für die KFW-40-Förderung verschärft werden, macht das den Wohnungsbau noch teurer“, so Breitner.

BFW: Um Vertrauen wieder herzustellen, braucht es mehr

Ebenfalls enttäuscht zeigt sich der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen BFW. Dass bis zum 24. Januar gestellte Anträge noch bearbeitet werden, sei eine Selbstverständlichkeit. „Warum die ursprünglich kommunizierte Frist willkürlich verkürzt wird, bleibt ein großes Problem“, so BFW-Präsident Andreas Ibel. „Das halbherzige Weiterführen von einzelnen Förderprogrammen ist und bleibt ein Desaster. Eine ganze Branche wird im Regen stehengelassen. Und gleichzeitig sollen mehr klimaschonende Wohnungen gebaut werden. Das geht nicht!“

Das Vertrauen der Immobilienwirtschaft in die neue Bundesregierung sei schon in den ersten 100 Tagen schwer erschüttert. Es brauche mehr als „ein bisschen Förderkosmetik“, um das Vertrauen wieder herzustellen, so Ibel. „Wo ist die Strategie der Bundesregierung, wie Klimaschutz im Gebäudebereich funktionieren soll? Wo ist die Strategie, durch die 400.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden? Wir können nicht warten, bis neue Ideen entwickelt und neue Systeme erarbeitet worden sind. Bis dahin stehen die Baukräne still.“

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zuletzt editiert am 02.02.2022