Mann steht auf einem Dach an einer Dachgaube.
Quelle: Gabi B./Pixelio

Finanzierung

24. January 2022 | Teilen auf:

Vollbremsung bei Bau- und Sanierungsförderung BEG

Immobilienverbände zeigen sich entsetzt über die Entscheidung, alle Programme der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sofort zu stoppen.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat einen Antrags- und Zusage-Stopp der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ausgesprochen. Die Frist für das Programm KFW Effizienzhaus 55 hätte noch bis Ende Januar laufen sollen, viele Branchenteilnehmer hatten sich sogar eine Verlängerung erhofft. Aber auch andere Förderlinien sind von der Entscheidung betroffen. Nach Ansicht von Immobilienverbänden und Unternehmen wird sich diese Entscheidung fatal auf die energetische Sanierung auswirken.

„Der Programmstopp der BEG ist ein Nackenschlag für die energetische Sanierung. Viele Unternehmen hatten darauf vertraut, die für die Gebäudeförderung bereitgestellten finanziellen Mittel für ihre aktuellen und bereits in Planung befindlichen Projekte nutzen zu können. So werden wir abermals um Jahre zurückgeworfen und wichtige Neubauprojekte werden verworfen, wenn die Förderung nun ausbleibt. Das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr rückt in weite Ferne.“ Mit diesen Worten kritisierte ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner die Entscheidung.

"Zwar war das Ende des KFW-55-Programms angekündigt, nicht jedoch aber der Stopp für die anderen Programme KFW 40 und des Programms für die energetische Sanierung", sagte Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG.  "Für Finanzierer heißt das, dass viele Finanzierungen von Projektentwicklungen oder von Refurbishments komplett neu berechnet werden müssen, da Investoren die KFW-Mittel in die Kalkulation mit einbezogen haben. Im Extremfall müssen Projekte vollständig umgeplant werden. Das führt natürlich zu Mehrkosten und Verzögerungen."   

Der Präsident des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Andreas Ibel erklärte: „Von heute auf morgen alle Förderprogramme zu stoppen, ist ein denkbar schlechter Start in der Baupolitik der neuen Bundesregierung. Der Vertrauensverlust in die Politik könnte größer nicht sein. Überall im Land werden nun innovative und klimafreundliche Bauprojekte gestoppt."

„Das Entsetzen in der Branche ist groß. Projektentwickler und Bauträger hatten sich darauf verlassen, dass die KfW-55-Förderung erst nächste Woche ausläuft. Und von einem Ende der anderen Förderprogramme war bisher gar nicht die Rede. Viele unserer Mitgliedsunternehmen halten ihre Projekte an. Finanzierungen brechen zusammen. Nicht nur für unsere Firmen, sondern gerade auch für kleine Häuslebauer, deren Traum vom Eigenheim jetzt platzt. Die Auswirkungen sind noch gar nicht abzusehen.“ So fasst der BFW-Präsident zusammen, was aufgeregte Anrufer aus der Mitgliedschaft seit Bekanntwerden des Förderstopps berichten.

Axel Gedaschko, Präsident des wohnungswirtschaftlichen Verbandes GdW, sprach von einer "Vollbremsung" und schrieb: „Der plötzliche Stopp der BEG-Förderung bedeutet eine Vollbremsung beim Klimaschutz im Gebäudebereich. Die Entscheidung ist eine Katastrophe für alle, die sich für günstigen und nachhaltigen Wohnraum engagieren. Nicht nur künftige, sondern auch bereits beantragte Bauvorhaben für Neubau und Bestandsmaßnahmen werden damit von heute auf morgen beendet."

„Der plötzliche Stopp der BEG-Förderung bedeutet eine Vollbremsung beim Klimaschutz im Gebäudebereich. Die Entscheidung ist eine Katastrophe für alle, die sich für günstigen und nachhaltigen Wohnraum engagieren. Nicht nur künftige, sondern auch bereits beantragte Bauvorhaben für Neubau und Bestandsmaßnahmen werden damit von heute auf morgen beendet. Was Bauherren vor allem brauchen, ist Planungssicherheit. Dieser Schritt ist genau das Gegenteil und Gift für das Entstehen und den Erhalt von bezahlbaren Wohnungen.

Aus der Sicht großer Wohnungsunternehmen meinte Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen VNW: "Vor allem die Ankündigung, dass künftig beim Neubau der Förderstandard 'Effizienzhaus 40' gelten soll, wird dazu führen, dass bezahlbare Wohnraum nicht mehr geschaffen werden kann. Bei der Sanierung bestehender Gebäude soll künftig der Effizienzhausstandard 70 Grundlage für eine Förderung sein. Das bedeutet trotz Förderung erheblich höhere Sanierungskosten und in der Folge einen deutlichen Anstieg der Mieten."

Der VNW ergänzt, dass gerade die sozialen Vermieter, "die nicht endlos an der Mietenschraube drehen wollen und können," bei Bau und Sanierung von Wohnungen mit derart hohen Effizienzstandards betriebswirtschaftlich ins Minus rutschen würden und damit ihr Unternehmen gefährden. Die kurzfristige Aussetzung alle Förderprogramme führt dazu, dass alle Wohnungsbauprojekte, die sich gerade in der Planung befinden, neu berechnet und geplant werden müssen. Das bedeute "eine massenhafte Vergeudung von Zeit und Ressourcen."

zuletzt editiert am 02.02.2022