Die Immobilienbranche bewertet laut einer Befragung von IW und ZIA sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen negativ.
Die Immobilienwirtschaft kann sich nicht länger von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln: Weite Teile der Branche rutschen nach Auffassung des IW in die Rezession. Dies zeigt die aktuelle Winterbefragung der Immobilienunternehmen im Rahmen des ZIA-IW-Immobilienstimmungsindexes (ISI). „Der Weg der Immobilienwirtschaft führt weiter ins Tal, dies aber eben nur dann, wenn diese dramatische Entwicklung achselzuckend zur Kenntnis genommen wird“, kommentiert ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner die Zahlen. „Die Tragweite dieser Entwicklung ist enorm. Denn die Branche spielt ökonomisch wie sozial eine Schlüsselrolle in diesem Land“, warnt Mattner.
Sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate sind beim ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) mit Werten von -5,7 und -12,5 negativ. Für die Geschäftslage ist das der schlechteste Wert seit Beginn der ISI-Befragung im Jahr 2014. Das Immobilienklima trübt sich gegenüber dem Vorquartal um -5,0 ein und erreicht mit einem Minus von 9,1 Punkten wieder den Negativrekord der Winterbefragung 2022.
Im Bürosektor wird die Geschäftslage mit einem Wert von 1,8 gerade noch positiv eingeschätzt. Die negativen Erwartungen von -5,4 lassen jedoch auch für den Bürosektor in 2024 ein Abrutschen in die Rezession erwarten. Das daraus berechnete Büroklima sinkt auf -1,8 und damit auf den schlechtesten Wert seit 2014.
Im Wohnsegment hat sich seit der massiven Verschlechterung der Rahmenbedingen im Jahr 2022 auch in diesem Jahr wenig zum Besseren gewendet. Das Wohnklima bleibt, wie seit der Frühjahrsbefragung 2022, mit -2,8 (-2,7) negativ, was dieses Mal auf eine Verschlechterung bei der Einschätzung der Geschäftslage zurückzuführen ist (12,7 und damit -8,3 gegenüber dem Vorjahresquartal).
Das Projektentwicklersegment steckt weiterhin in einer schweren Rezession. Etliche Unternehmen befinden sich in einer prekären Lage, vielen droht gar die Insolvenz, da sie keine neuen Aufträge mehr erhalten. Das Projektentwicklerklima wird mit -36,0 (-0,7) und einem dritten Rückgang in Folge so schlecht eingeschätzt wie noch nie.
Besser sieht es im Einzelhandel aus
Im Handelsimmobiliensektor bleibt die Stimmungslage auf niedrigem Niveau. Die Geschäftslage steigt leicht auf 7,7 (+4,1), während die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate auf 0 (-3,3) zurückgehen. „Umso erfreulicher ist es angesichts der Gesamtlage, dass einzelne Bereiche sich dem Trend entziehen und der Lage trotzen können“, erläutert Mattner. „Bei Shoppingcentern an Top-Standorten oder Supermärkten zeigen sich zum Beispiel aktuell Lichtblicke.“
Vor einem Jahr war das Immobilienklima, so die Analyse des IW, noch vom Blick nach vorn, von einer äußerst pessimistischen Erwartung geprägt. Heute sind es eine schlechte Geschäftslage plus konkret sichtbare Auswirkungen der Krise auf die Bilanzen und Auftragseingänge der Unternehmen, die den Gesamtwert nach unten ziehen. „Da die Erwartungen weiterhin von einer großen Unsicherheit auch aus der Politik geprägt sind, blickt die Branche mit großen Sorgenfalten in die Zukunft“, so Dr. Ralph Henger, Senior Economist für Wohnungspolitik und Immobilienökonomik beim IW, „Hoffnung für 2024 macht allein ein voraussichtlich stabileres Gesamtumfeld.“
