Investoren schätzen Klimarisiken geringer ein als kommunale Klimamanager. Gleichzeitig sehen 85 Prozent bereits Folgen für Preise und Bewertungen.
Institutionelle Immobilieninvestoren und kommunale Klimaverantwortliche bewerten die Risiken durch Extremwetter deutlich unterschiedlich. Während Investoren die Exponierung ihrer Portfolios im Durchschnitt mit 3,03 von fünf Punkten einschätzen, kommen die befragten Klimamanager für ihre Städte auf einen Wert von 4,2. Das zeigt eine Studie von JLL, für die 87 institutionelle Investoren und 20 Klimaverantwortliche aus 17 deutschen Großstädten befragt wurden.
Von den Investoren bewerten 26 Prozent die Risikoexposition ihrer Immobilien mit vier von fünf Punkten. Lediglich zwei Prozent vergeben die Höchststufe fünf. Unter den kommunalen Klimaverantwortlichen stufen dagegen 85 Prozent das Risiko für ihre Stadt als groß oder sehr groß ein.
„Diese Differenz von mehr als einem Skalenpunkt macht deutlich: Investoren unterschätzen die tatsächliche Risikoexposition ihrer eigenen Standorte systematisch“, sagt Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany.
Besonders große Unterschiede beim Hitzerisiko
Besonders deutlich fällt die unterschiedliche Wahrnehmung beim Thema Hitze aus. 43 Prozent der befragten Investoren nennen Hitze oder Dürre als relevantes Extremwetterrisiko für ihre Immobilien. Von dieser Gruppe setzt wiederum etwa ein Viertel Hitze auf den ersten Platz der Risikoliste. Bezogen auf alle befragten Investoren betrachtet damit nur etwa jeder Zehnte Hitze als wichtigstes einzelnes Klimarisiko.
Bei den kommunalen Klimaverantwortlichen nennen dagegen alle Befragten Hitze neben Starkregen als zentrale Bedrohung für ihre Stadt.
Die unterschiedliche Wahrnehmung bedeutet allerdings nicht, dass Klimarisiken für Investoren wirtschaftlich keine Rolle spielen. Rund 40 Prozent zeigen sich laut Studie besorgt oder sehr besorgt über mögliche klimabedingte Wertverluste ihrer Immobilien. Rund 85 Prozent beobachten bereits Auswirkungen von Klimarisiken auf Transaktionspreise und Bewertungen am deutschen Immobilienmarkt.
Zusammenarbeit wird ebenfalls unterschiedlich bewertet
Differenzen gibt es auch bei der Bewertung der Zusammenarbeit zwischen Immobilienwirtschaft und Kommunen. Klimamanager bewerten deren Qualität im Durchschnitt mit 2,65 von fünf Punkten, Investoren mit 3,55 Punkten.
Auch bei den Ursachen für Schwierigkeiten unterscheiden sich die Einschätzungen. 78 Prozent der Investoren nennen lange Genehmigungszeiten als Hindernis, 67 Prozent eine mangelnde Flexibilität der Behörden. Auf kommunaler Seite sehen 85 Prozent der Befragten fehlende Finanzierung und 75 Prozent Personalmangel als wesentliche Hemmnisse.
Gleichzeitig halten 14 der 17 untersuchten Städte eine engere Kooperation mit der Immobilienwirtschaft für wichtig, um Klimaanpassungsmaßnahmen umzusetzen. Rund die Hälfte der befragten Investoren setzt solche Maßnahmen nach eigenen Angaben bereits in wesentlichen Teilen oder portfolioweit um.
„Es fehlt nicht an technischen Lösungen für Klimaanpassungsmaßnahmen in Städten und Kommunen, sondern an einer ausreichenden Kooperation zwischen Kommunen und Immobilieninvestoren. Das ist kein Wissensdefizit, sondern ein Governance-Defizit“, sagt Scheunemann.
JLL schlägt „Klima Improvement Districts“ vor
Als möglichen Ansatz für eine stärkere Zusammenarbeit schlägt JLL sogenannte „Klima Improvement Districts“ vor. Das Modell orientiert sich an bestehenden Business Improvement Districts. Eigentümer, Kommunen und Länder könnten demnach gemeinsam quartiersbezogene Klimaanpassungsmaßnahmen finanzieren.
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Dazu könnten etwa Fassadenbegrünungen, Retentionsflächen und Maßnahmen zum Regenwassermanagement gehören. Nach Angaben von JLL sind Business Improvement Districts bereits in elf Bundesländern rechtlich möglich.
Allein der Büroflächenbestand in den für die Studie untersuchten Städten beläuft sich laut JLL auf mehr als 120 Millionen Quadratmeter. Aus Sicht des Immobiliendienstleisters bietet die Zusammenarbeit mit institutionellen Eigentümern deshalb einen wichtigen Hebel für die Klimaanpassung auf Quartiers- und Stadtebene.
