Die Umstellung auf erneuerbare Stromquellen und der Umbau des Stromnetzes erfordert große Anstrengungen und viel Kapital. Auch für die Immobilienwirtschaft bieten sich hier neue Möglichkeiten. Von Bianca Diehl
Bis Mitte der 2030er Jahre soll das deutsche Stromsystem fast vollständig aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Dafür braucht es neben den Stromerzeugungskapazitäten auch steuerbare Kraftwerke und den Ausbau der Stromnetze.
Bei den Stromnetzen wird unterschieden zwischen Übertragungsnetz und Verteilnetz. Über das Übertragungsnetz funktioniert mit Höchstspannung der überregionale Transport des Stroms und die Verbindung ins benachbarte Ausland. Die Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze des Verteilnetzes sorgen für die regionale Auslieferung und Einsammlung des Stroms. Hier sind fast alle Verbraucher angeschlossen. Im vergangenen Jahr stellte die Bundesregierung geschätzte Kosten für die Verstärkung und den Ausbau des Übertragungsnetzes in Höhe von 150 Milliarden Euro bis 2037 für das Onshore-Netz fest, für die Anbindung von Offshore-Windanlagen kommen bis 2045 nochmal 100 Milliarden Euro hinzu.
Investitionen ins Verteilnetz
Auch die Verteilernetzbetreiber haben einen großen Ausbaudarf, um schwankende Nutzungen und steigende Einspeisungen zu handhaben. Kommunale Energieversorger werden dies allein nicht schultern können. Zur Lösung beitragen sollen Beteiligungs- und Finanzierungsstrukturen, welche die Einbindung von neuen Eigenkapitalgebern ermöglichen. Ein bereits bestehendes Konzept sind Projektfinanzierungen. Hierbei können Stadtwerke einzelne zu finanzierende Assets wie Kraftwerke, Energienetze oder Fernwärmeanlagen für Energiewendeprojekte sowie das zugehörige Fremdkapital in eine Projektgesellschaft einbringen. Investoren können sich hier beteiligen und bringen zusätzliches Eigenkapital mit.
Ein zweites Modell sind Energiewende-Fonds, bei denen ein oder mehrere kommunale Versorger einen Fonds aufsetzen, der Projektgesellschaften finanziert. Am Fonds beteiligen sich private und öffentliche Kapitalgeber. Die gründenden Stadtwerke können ebenfalls Eigenkapital einbringen und die Projektgesellschaften Fremdkapital aufnehmen. Selbst Privatpersonen ist es möglich, kleinere Anteile des Fonds zu zeichnen.
Weiteres Geschäftsfeld Energie-Erzeugung
Die Immobilienwirtschaft spielt als Energieerzeuger eine Rolle durch Photovoltaik auf Wohn-, aber auch auf Gewerbeobjekten. So produzierte zum Beispiel die GSG Berlin im vergangenen Jahr insgesamt rund 4.500 Megawattstunden Strom durch Photovoltaikanlagen auf den Dächern eigener Gewerbeimmobilien und ist damit einer der größten gewerblichen Produzenten von erneuerbarer Energie durch Photovoltaik in der Hauptstadt. Schon 2012 wurde die GSG Solar Berlin GmbH, eine 100-prozentige Tochter der GSG Berlin, gegründet. „Im Gewerbeimmobilienbereich immer noch selten ist das Thema Mieterstrom“, erläutert Sebastian Blecke, operativer Geschäftsführer der GSG Berlin. Aber das Interesse an sauberer, günstigerer und vor Ort produzierter Energie sei insbesondere bei Gewerbemietern mit hohem Strombedarf groß.
Mit dem Solarpaket I wurde im April beschlossen, den Zubau von Photovoltaik weiter zu beschleunigen und den Bau und Betrieb von Photovoltaikanlagen zu entbürokratisieren. ZIA-Geschäftsführer Dr. Joachim Lohse kommentierte die Maßnahme: „Damit werden viele Hemmnisse für den Ausbau der Photovoltaik aus dem Weg geräumt, wie beispielsweise die Lockerung der Anlagenverklammerung und die Neueinführung der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung.“
