Rüdiger Hornung
Rüdiger Hornung (Quelle: Wüest Partner)

Nachhaltigkeit & ESG 2022-03-07T10:14:13.049Z Interview: „Auch ohne Förderung wirtschaftlich"

Das Hin und Her bei der Förderung von effizientem Bauen hat viele Fragen aufgeworfen. Rüdiger Hornung, Partner und Geschäftsführer Wüest Partner Deutschland, spricht über einige zentrale Aspekte.

Der Standard KFW 55 wird nicht mehr gefördert. Welche Förderlinien gibt es jetzt noch für Neubauten und Sanierungen?

Rüdiger Hornung: Im Neubau nur noch Effizienzhaus 40, im Bereich Sanierung werden wie bisher Einzelmaßnahmen über die BAFA gefördert.

Der Fördertopf für KFW 40 ist auf eine Milliarde Euro gedeckelt. Was müssen Bauherren nun beachten?

Rüdiger Hornung: Die Fördermittel sollen nach dem „First Come, First Serve“-Prinzip vergeben werden. Wenn die Fördersumme erreicht ist, soll auch dieses Programm eingestellt werden. Sicher ist das alles aber noch nicht.

Kann man als Ausländer einen Förderantrag stellen?

Rüdiger Hornung: Ja, solange die Immobilie in Deutschland steht und der wirtschaftlich Berechtigte des Antragstellers nachgewiesen werden kann.

Wie lässt sich energieeffizientes Bauen und Sanieren auch ohne staatliche Förderung wirtschaftlich sinnvoll darstellen?

Rüdiger Hornung: Die Wirtschaftlichkeit jeder Sanierungsmaßnahme steht und fällt mit dem Zustand, den wir vor der Sanierung vorfinden. Die Sanierung von aktuell energetisch sehr schlecht performenden Gebäuden ist in der Regel auch ohne Förderung wirtschaftlich. Ein Einsparpotenzial von bis zu 25 Prozent lässt sich bei den Energiekosten allein durch Einsatz modernen Mess- und Regeltechnik und der konsequenten Nutzung eine kontinuierlichen Energiemonitorings erreichen. 
Grundsätzlich kann jedoch über die Einsparpotenziale und die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten und damit auch Reduktion der CO2-Emissionen folgendes gesagt werden:

Einsparquote Maßnahmen

Gering: Einsparquote bis zu fünf Prozent in den ersten drei Jahren. Danach 0,5 Prozent jährlich. Kein zusätzlicher Investitionsbedarf.

Beseitigung von groben technischen und organisatorischen Mängeln, Benchmarking mittels Energiekennwerten, Bedarfsoptimierung (Nutzung betriebsorganisatorischer Einsparpotenziale, insbesondere: Reduzierung der Warmwasserversorgung, Anpassung von Betriebszeiten an den Bedarf, Schulung des Betriebspersonals, Minimierung des Stand-By-Betriebs, energiesparende Betriebsführung, regelmäßige Wartung, sparsame Energieanwendung auf Seiten der Gebäudenutzer (insbesondere durch richtiges Heizen und Lüften, kontinuierliche Information und Kommunikation).

Mittel: bis ca. 15 Prozent in den ersten drei Jahren. Danach 0,5 Prozent jährlich. Geringer Investitionsbedarf.

Maßnahmen zur Herstellung einer energieeffizienten Beheizung, Lüftung und Klimatisierung (insbesondere: hydraulischer Abgleich, Modernisierung von Energieerzeugern, Prüfung des Bedarfs an Lüftungs- und Klima-Anlagen, Einsatz moderner Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik).

Hoch: bis zu 25 Prozent in den ersten drei Jahren. Danach 0,5 Prozent jährlich. Hoher Investitionsbedarf.

Maßnahmen zur Beseitigung energetischer Schwachstellen im Bereich der Gebäudehülle (durch verbesserte Wärmedämmung, Fenstersanierung und Optimierung der Gebäudedichtheit). Einsatz energieeffizienter Querschnittstechnologien (Heizungspumpen, Beleuchtung, Elektromotoren, Ventilatoren).

Haben Sie Verständnis für das Auslaufen der Förderung von KFW 55?

Rüdiger Hornung: Ja. Nicht jedoch für das plötzliche Vorziehen des Termins um eine Woche. Das hat viel Vertrauen in die Förderprogramme verspielt.

Das Gespräch führte Roswitha Loibl.

Auch interessant:

zuletzt editiert am 16. März 2022
Newsletter