Luftaufnahme des Projekts The Plus in Wolfsburg
Ende 2025 hatte der Fonds das Wohnprojekt „The Plus“ in Wolfsburg für den Bestand übernommen. (Quelle: Medienmensch_Kreativarbeit)

Investment 2026-02-27T07:13:50.368Z Industria schließt Fokus Wohnen Deutschland

Der offene Immobilienfonds Fokus Wohnen Deutschland setzt wegen Liquiditätsengpässen die Anteilsrücknahme aus.

Die Rücknahme und Ausgabe der Anteile des offenen Immobilien-Publikumsfonds „Fokus Wohnen Deutschland“ ist seit dem 26. Februar 2026, 12 Uhr, ausgesetzt.

Wie die Kapitalverwaltungsgesellschaft mitteilt, reichen die liquiden Mittel des Sondervermögens derzeit nicht aus beziehungsweise stehen nicht kurzfristig zur Verfügung, um sowohl fällige Anteilrückgaben zu bedienen als auch die laufende Bewirtschaftung sicherzustellen.

Anhaltende Nettomittelabflüsse

Als wesentlichen Auslöser nennt das Management die Zinswende im Jahr 2022 und die seither veränderten Kapitalmarktbedingungen. Steigende Finanzierungskosten, längere Transaktionsprozesse und rückläufige Marktumsätze hätten das Umfeld für Immobilieninvestments deutlich verändert.

Zudem seien alternative Anlageformen für Anleger wieder attraktiver geworden. Offene Immobilien-Publikumsfonds verzeichneten seit mehr als zwei Jahren hohe Nettomittelabflüsse. Eine Trendwende sei derzeit nicht absehbar.

Auch der Fonds Fokus Wohnen Deutschland sei von dieser Entwicklung betroffen. Seit Dezember 2025 habe sich der Abflusstrend nochmals verstärkt.

Die Verwaltungsgesellschaft Intreal habe daher nach eigener Darstellung „nach einer sorgfältigen Abwägung aller Argumente“ die Aussetzung beschlossen.

Verkäufe sollen Liquidität sichern

Seit 2024 wurden nach Angaben des Managements zehn Objekte mit einem Volumen von 163 Millionen Euro veräußert. Die Erlöse reichten bislang jedoch nicht aus, um die Mittelabflüsse vollständig zu kompensieren. Zudem sei der weitere Verkaufserfolg schwer planbar.

„Die Entscheidung über die Aussetzung wurde nach einer sorgfältigen Abwägung aller Argumente getroffen. Oberstes Ziel ist, die Interessen aller Anleger zu wahren – die Interessen der investierten Anleger und die Interessen derjenigen, die ihre Anteile zurückgegeben haben oder dies noch tun werden“, sagt Industria-Geschäftsführer Thomas Wirtz FRICS.

Jens Grathwol, Head of Fund Management bei Industria, ergänzt: „Unsere Kapitalverwaltungsgesellschaft ist bestrebt, die Rücknahme der Anteile so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Aktuell wurden zehn Immobilien für Verkäufe identifiziert, um weitere Liquidität für die Bedienung von Anteilrückgaben zu generieren. Diese Objekte werden aktuell am Markt angeboten.“

Der Fonds wurde 2015 von Intreal aufgelegt. Das Asset-Management übernimmt seit Auflage Industria Immobilien. Das Sondervermögen investiert überwiegend in deutsche Wohnimmobilien in Ballungsräumen. Aktuell umfasst das Portfolio 45 Objekte mit 2.743 Wohneinheiten sowie 163 Gewerbeeinheiten. Das Bruttofondsvermögen liegt bei rund 993 Millionen Euro.

Mit Blick auf die Marktperspektiven erklärt Thomas Wirtz: „Neben den generellen immobilienwirtschaftlichen Risiken, die auch im deutschen Wohnimmobilienmarkt vorhanden sind, bieten sich aufgrund der aktuellen Nachfrageüberhänge insbesondere in den Ballungsräumen Chancen, da die Fertigstellungszahlen seit Jahren den Bedarf nicht decken und somit gute Vermietungsquoten und weiteres Mietwachstum möglich werden.“

Auch interessant:

zuletzt editiert am 27. Februar 2026