Die Berlin Hyp legt ihre Zahlen vor. Die Bank zeigt sich robust gegenüber den Marktverwerfungen. Eine Bankenkrise wie 2008 sei nicht zu erwarten.
Die Bank, die im letzten Jahr von der LBBW übernommen wurde, zeigt sich robust im letzten Geschäftsjahr. Gestiegener Zinsüberschuss (+48,4 Millionen Euro auf 479,8 Millionen Euro) ergeben am Ende ein Ergebnis vor Steuern von knapp 100 Millionen Euro (Vorjahr: 50,4 Millionen Euro). Maßgeblich beeinflusst wurden diese Zahlen durch die Kosten der Übernahme durch die Schwaben. Durch das starke Kerngeschäft und den Ausbau der Hypothekenbestände sieht Sascha Klaus, Vorstandsvorsitzender, die Bank gut aufgestellt für die kommende Zeit.
Gerade diese Zeit wird für viele Marktakteure herausfordernd werden. Krieg in der Ukraine, starker, sprunghafter Zinsanstieg, hohe Kerninflation, Energiekrise, Lieferkettenproblematik und die Nachwirkungen der Corona-Pandemie werden die Branche nachhaltig verändern. Bei den jüngsten Verwerfungen am Bankensektor beruhigt Klaus die Lage. „Es wurde sehr schnell gehandelt. Das beruhigt die Märkte. Wir haben in Deutschland und auch der EU eine sehr strenge Regulierung mit hohen Standards. Ich sehe daher den deutschen Bankensektor gut aufgestellt“, resümiert Klaus.
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Die Berliner haben 2022 ein Neugeschäft von rund sieben Milliarden Euro verbuchen können. Der Großteil davon (76 Prozent) wurde an Investoren vergeben. 21 Prozent entfallen auf Entwickler und drei Prozent an Wohnungsbauunternehmen. Für das kommende Jahr rechnet Klaus mit weniger Neugeschäft. Die Hälfte des Neugeschäfts wird in Büroimmobilien investiert. 26 Prozent in Wohnobjekte, elf Prozent in Einzelhandel, acht Prozent in Logistik und vier Prozent in sogenannte Managementimmobilien, welche bei der Berlin Hyp vor allem Hotelobjekte sind. Gerade bei Logistik sieht Klaus noch weiteres Wachstumspotenzial. Die deutschen A-Städte kommen auf einen Marktanteil von 46 Prozent gefolgt von 33 Prozent im Ausland, elf Prozent in B- und 9 Prozent in D-Städten.
Auch, wenn die Bilanzsumme gesunken ist, konnten zwei Milliarden Euro mehr Hypothekendarlehen in die Bücher genommen werden. „Auch bei weniger Neugeschäft, haben wir gerade durch den starken Anstieg im Bestand bei den Hypothekendarlehen, Rückendeckung für das kommende Jahr“, so Klaus.
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Bank ein eher verhaltenes Neugeschäftsvolumen. Allerdings werden auch keine Wertberichtigungen oder Kreditausfälle erwartet. Die Zusammenarbeit mit der LBBW schlägt unterdessen erste Früchte, so Klaus. Die LBBW profitiere von der Produktpalette der Berlin Hyp im Verbundgeschäft, deren Kunden wiederrum profitieren vom Zugang zum Kapitalmarkt der LBBW zum Beispiel bei der Emission von Anleihen.
Aus Büro mach Wohnen
Bei den Berliner geht man in Sachen Assetklassen zukünftig weiterhin von einer klassischen Verteilung aus, erwartet aber gleichzeitig einen negativen langfristigen Trend bei Büroobjekten. Die Nachfrage nach Büroflächen vor allem in der Peripherie werde zurückhaltend bleiben. „Aber was hinzukommen könnte ist eine zunehmende Transformation von Büros zum Beispiel in Wohnobjekte“, so Klaus.
Wohnen werde die Branche allgemein viel stärker beschäftigen. „Wohnen wird ein gesellschaftliches Problem, das alle Stakeholder dringend gemeinsam angehen müssen. Der Druck auf die Mieten wird weiter zunehmen“, glaubt Klaus. „Vor allem die Geschwindigkeit bei Genehmigungsverfahren sollte dringend zunehmen und auch die Senkung der Grunderwerbssteuer sollte ernsthaft in Erwägung gezogen werden.“
Hinzu kommt, dass durch die sich ändernden Parameter einige Immobilienakteure gezwungen sein werden, sich von gewissen Immobilien zu trennen. Nicht mehr ESG-konforme Objekte, deren Revitalisierung nicht rechenbar ist, werden zunehmend zum Verkauf stehen. Ob Opportunisten sich allerdings diesmal auch an solche Objekte trauen, bleibt fraglich. „Vor allem auch institutionelle Investoren rekalibrieren derzeit ihre Portfolien, da Wertpapiere derzeit an Wert verlieren und sie somit gezwungen sind ihr Immobilienengagement im Verhältnis anzupassen“, meint Klaus.
