An Wohnungslose vermieten, ohne dabei auf finanzielle Sicherheit zu verzichten? Für viele Vermietende schwer vorstellbar. Das Projekt Housing First ZIK will in Berlin jedoch genau das möglich machen – und bietet Vermietenden zusätzliche Anreize. Von Tim Kirchner
Seit zehn Jahren steigt die Obdachlosenrate in Deutschland, fast eine halbe Million Menschen haben 2024 keine feste Bleibe. In Berlin ist die Lage mit 47.000 Wohnungslosen besonders prekär. Das Housing-First-Projekt der ZIK - zuhause im Kiez gGmbH zeigt jedoch, wie eine gezielte Kooperation zwischen Sozialprojekten und der Immobilienwirtschaft das Problem lösen kann.
Housing First ZIK setzt auf ein einfaches, aber effektives Prinzip: Wohnen ist ein Menschenrecht. Im Gegensatz zu traditionellen Ansätzen, die oft auf Übergangswohnheime oder Therapie vor Wohnungssuche setzen, hilft das Projekt obdachlosen Menschen, zuerst eine eigene Wohnung zu finden. Die Idee dahinter: Stabilität durch ein sicheres Zuhause. Begleitend erhalten die Betroffenen Unterstützung, um die Wohnung langfristig zu halten und ein eigenständiges Leben aufzubauen. Das ermöglicht Nutzenden eine Reintegration in die Gesellschaft.
Seit dem Start im Juni 2023 konnte Housing First ZIK in Berlin bereits 14 Mietverträge erfolgreich vermitteln. Die Zielgruppe des Projekts sind chronisch kranke Menschen – eine besonders vulnerable Gruppe, die bei anderen Hilfsprojekten oft durchs Raster fällt. Finanziert wird das Unterstützungsangebot vom Berliner Senat.
So sollen Vermietende profitieren
Bei der Kooperation mit Housing First ZIK erhalten Vermietende finanzielle Anreize und Sicherheiten, die sonst eher selten sind: Miete und Kaution werden verlässlich vom Transferleistungsträger (i.d.R. Jobcenter) überwiesen. Das Team von Housing First ZIK sorgt für einen reibungslosen Anmietungsprozess. Sollte es zu Schäden in der Wohnung kommen, ist eine Entschädigung aus dem Fonds von ZIK garantiert. Überschaubare Renovierungsarbeiten können auf Kosten von Housing First ZIK durch eine handwerkliche Fachkraft übernommen werden.

Jeder Vermietende hat außerdem eine direkte Ansprechperson im Housing First Team für alle Themen rund um das Mietverhältnis. Bei Schwierigkeiten werden die Mitarbeitenden unmittelbar aktiv, um das Anliegen zu lösen. Thomas Wesche, Regionalbereichsleiter von Vonovia in Berlin Mitte, sagt dazu: „Wir schätzen die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Housing-First-Projekten sehr und haben schon vielen Menschen in Berlin und deutschlandweit ein neues Zuhause geben können.“
Zudem können Vermietende mit Housing First ZIK einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Obdachlosigkeit in Berlin leisten und aktiv die Lebensqualität in der Stadt verbessern. Sie helfen Wohnungslosen, ein stabiles Leben aufzubauen – und das als langfristige Maßnahme mit einer nachhaltigen Wohnsituation. Auch Julia Kiebgis, Abteilungsleiterin Hausbewirtschaftung der HWS Berlin ist überzeugt: „Die Zusammenarbeit mit sozialen Trägern wie Housing First ZIK ist uns ein wichtiges Anliegen. Jeder Mensch verdient ein langfristig sicheres und stabiles Zuhause. Wir freuen uns, dass wir zusammen mit Housing First solche Chancen ermöglichen können.“
Ein Beitrag von Tim Kirchner.
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