Eine moderne Logistikhalle mit mehreren Laderampen und einem großen Parkplatz davor.
Norddeutschlands erste Logistikimmobilie mit einem vollständigen Tragwerk aus Holz steht in Neu Wulmstorf bei Hamburg. (Quelle: SEGRO)

Projekte 2025-07-09T13:27:30.171Z Holzbau in der Logistik: Was wirklich zählt

Holz ist nicht gleich Holz: Carsten Lümkemann erläutert die Unterschiede zwischen Hybrid- und Vollholzbau bei Logistikimmobilien und deren CO₂-Bilanz.

Der nachwachsende Rohstoff aus dem Wald hat im Gewerbe- und Logistikimmobilienbau bereits seit den 2000er-Jahren seinen festen Platz. Die genauen Einsatzgebiete haben sich jedoch seither stark verändert. Was ursprünglich als gestalterisches Fassadenelement begann und über den Einsatz von Holzbindern ging, gipfelt inzwischen darin, dass ganze Dachtragwerke und Stützenraster in Vollholzbauweise errichtet werden – sowohl für kleinere Logistik- und Light-Industrial-Einheiten innerhalb gemischt genutzter Gewerbeparks als auch für Big-Box-Logistikimmobilien in der Nähe der wichtigen Verkehrsknotenpunkte. Verglichen mit einem konventionellen Stahlbetonbau liegen die Kosten um etwa fünf Prozent höher – die klimatischen Einsparungspotenziale sind jedoch enorm.

Nachhaltigkeitsvorteil gegenüber Holzhybridbau

Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen Holzhybridbau und Vollholzbau. Während bei ersterem die Materialien Holz, Beton und Stahl miteinander kombiniert werden, verzichtet der Vollholzbau zugunsten einer besseren Ökobilanz weitgehend auf diese Verbindung. Bei diesen Immobilien kommen Stahl und Beton oft nur in sehr geringem Umfang vor. Beispielsweise können Dächer und Fassaden aus Stahl gefertigt werden, während Beton für die Bodenplatte und als Anprallschutz im Stützenfuß verwendet werden kann. Sämtliche Stützen, Dachträger und Mezzanindeckenplatten sind hingegen komplett aus Holz gefertigt.

Der Hauptgrund für den Fokus auf den Vollholzbau ist die Reduzierung der sogenannten Grauen Energie ((oder: Embodied Carbon) – also der CO₂-Emissionen aus Produktion, Transport und Einbau der Materialien. Dementsprechend steht oftmals auch der nationale Bezug der Hölzer im Fokus der Entwickler. Durch diese Vorgehensweise erreichen die Immobilien deutliche Vorteile bei verschiedenen Regelwerken wie beispielsweise der EU-Taxonomie – vor allem dann, wenn sie mit weiteren nachhaltigen Komponenten für einen emissionsarmen Betrieb kombiniert werden.

Dazu zählt beispielsweise der Einsatz von Wärmepumpen oder Fußbodenheizungen sowie eine leistungsstarke Photovoltaikanlage, die die Energiebilanz der Immobilien zusätzlich aufwertet. Hinzu kommt, dass immer mehr Mieter beziehungsweise Kunden ihre eigene Nachhaltigkeits-Agenda erfüllen oder modernen Reporting-Standards entsprechen müssen und somit gezielt ökologisch nachhaltige Flächen anmieten. Vollholz- und Holzhybridimmobilien werden dementsprechend von Mietern immer stärker nachgefragt – unter anderem aus dem skandinavischen Raum, wo der Holzbau kulturell noch etwas stärker verwurzelt ist als in Deutschland. Bei den Kommunen ist das Thema hingegen noch nicht vollständig präsent.

15 Millionen Autokilometer Einsparpotenzial

Verglichen mit einer konventionellen Stahlbetonkonstruktion kann mit der Holzalternative unseren Erhebungen zufolge bei einer Big-Box-Logistikimmobilie eine Emissionsreduktion von circa 66 Kilogramm CO₂-Äquivalenten pro Quadratmeter realisiert werden. Wenn zudem noch die Bodenplatte nicht aus konventionellem, sondern aus CO₂-reduziertem Beton gegossen wird, sind weitere Einsparungen von circa 20 Kilogramm realistisch. Im direkten Vergleich ist es also deutlich effektiver, den Beton wo immer möglich zu ersetzen – anstatt ihn zu verbessern.

Eine große, leere Lagerhalle mit sichtbaren Holzsäulen und einem Betonboden.
Logistikhalle in Holzbauweise: Das Tragwerk dieses Gebäudes und das  Zwischengeschoss sind komplett aus Holz gebaut. (Quelle: SEGRO)

Beim Beispiel einer von Segro realisierten 21.500 Quadratmeter umfassenden Halle entspricht die Kombination aus beiden Vorgehensweisen einem eingesparten Gesamtwert von etwa 1.850 Tonnen CO₂. Diese Größenordnung entspricht in etwa der von 15 Millionen gefahrenen Autokilometern. Um die gleiche Menge an CO₂ zu kompensieren, müssten rund 740 Bäume gepflanzt werden. Darüber hinaus ist es möglich, für die Fassaden so genannten Grünstahl zu verwenden – der mit Wasserstoff anstatt Kohlenstoff hergestellt wird.

Herausforderungen: Marktabhängigkeit und Expertise

Die bauphysikalischen Einschränkungen von Vollholzkonstruktionen gegenüber dem Stahlbetonbau sind sehr gering. Während die Installation eines Gründachs aufgrund der vergleichsweise hohen Gewichtsbelastung dafür sorgen würde, dass das gesamte Tragwerk deutlich stärker und voluminöser konstruiert werden müsste, besteht hingegen keinerlei Nachteil bei der Installation von PV-Aufdachanlagen, die mit weniger Zusatzlast verbunden sind.

Dennoch ist der Vollholzbau nicht frei von Hürden. Ein zentraler Aspekt ist die regionale Verfügbarkeit des Baustoffs. In der Praxis sind nicht nur nicht nur die Produktionskapazitäten, sondern auch die Transportwege entscheidend. Hinzu kommt, dass die Erzeugerpreise schwankungsanfällig sind und somit der richtige Kaufzeitpunkt wichtig ist. Darüber hinaus ist die Holzbau-Expertise bei den deutschen Generalunternehmern unterschiedlich stark ausgeprägt – wobei sich viele Marktakteure hier ausdrücklich dem Fortschritt öffnen. Je häufiger Projekte in Vollholz-Bauweise realisiert werden und je größer die Produktionsmengen des Baustoffs ausfallen, desto kostengünstiger könnten die entsprechenden Projekte perspektivisch werden. Wir gehen davon aus, dass sich die eingangs erwähnten Mehrkosten reduzieren werden.

Wie viel Holzanteil ist realistisch?

Logistik- und Gewerbeimmobilien aus Vollholz sind längst keine Nische mehr – sondern fest in der Zukunft der Projektentwicklung verankert. Gerade angesichts der regulatorischen Verschärfungen, steigender Nachhaltigkeits-Anforderungen und des wachsenden Mieter- beziehungsweise Kundeninteresses wird die Bedeutung ressourcenschonender Bauweisen in Deutschland und ganz Europa weiter zunehmen.

Der Holzbau bietet hier nicht nur einen ökologischen Vorteil, sondern auch wirtschaftliches Potenzial – insbesondere, wenn man ihn von Beginn an strategisch plant und mit weiteren nachhaltigen Technologien kombiniert. Konservativ geschätzt, könnten unserer Ansicht nach im Jahr 2030 mehr als 50 Prozent aller Logistikimmobilien überwiegend oder (fast) vollständig in Holzbauweise entstehen.

Carsten Lümkemann, Director, Technical Development, SEGRO Germany GmbH

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zuletzt editiert am 09. Juli 2025
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