Visualisierung des Wohnbauprojekts in Hannover-Kronsrode
Am Stadtrand von Hannover entstehen in Kronsrode auf 53 Hektar zwischen 3.500 und 4.000 Wohneinheiten. Anfang des Jahres verkaufte die PHI Kronsrode GmbH, ein Joint Venture von HIH Real Estate, Industria Wohnen und Pekrul Projekt Partner, 117 Wohnungen an den von Industria gemanagten offenen Fonds „Wohnen Deutschland VII“. (Quelle: loomn.de/architekturkommunikation)

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23. September 2022 | Teilen auf:

Höchste Preissteigerung bundesweit prognostiziert

Wie in den meisten Großstädten fehlen in Hannover Wohnungen. Zwar entsteht viel Neues, dennoch dürfte es erst einmal teurer werden. Marktteilnehmer erwarten ein Umdenken in einigen Bereichen.

Anders als am Büromarkt (siehe Seite 68) hat sich Corona am Hannoverschen Wohnungsmarkt bislang nicht bemerkbar gemacht. „Der Wohnimmobilienmarkt zeigt sich krisenfest und unbeeindruckt von den Auswirkungen der Pandemie“, konstatiert die Wirtschaftsförderung der Stadt. Insofern findet sich hier eine Situation, die der in vielen deutschen Großstädten entspricht: ein erheblicher Bedarf an neuem Wohnraum. Wanderungsbewegungen lasteten zusätzlich zu dem Defizit an Wohnungen auf dem Markt, fügt Björn Jeschina, Prokurist und Leiter der Niederlassung Hannover bei Die Wohnkompanie Nord, hinzu.

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Abzulesen ist dies auch an den Preisentwicklungen. So zogen im Spitzenpreissegment die Neubau-Mieten von 2020 bis 2021 von 15,90 Euro auf 16,50 Euro an, bei Wiedervermietung von 13,25 Euro auf 13,50 Euro. Die Durchschnittsmieten lagen bei 12,50 beziehungsweise 9,50 Euro. Ein deutlicherer Anstieg zeigte sich bei den Kaufpreisen für Eigentumswohnungen, im Neubau lagen diese zuletzt bei 6.300 Euro je Quadratmeter in der Spitze und bei 5.000 Euro durchschnittlich. Die Renditevervielfacher reichten 2021 von 27,0 für den Durchschnitt der Bestands-Mehrfamilien- beziehungsweise Zinshäuser bis 33,0 für deren Spitzengruppe. Die hohe Nachfrage der vergangenen zehn Jahre und die stetige Miet- und Kaufpreisentwicklung auf hohem Niveau habe den Markt auch für institutionelle Anleger noch stärker in den Fokus gerückt, so Jeschina.

Nach Ansicht von Marieke Mantel, Geschäftsführerin von Cube Life in Hannover, dürfte sich der Anstieg der Miet- und Kaufpreise fortsetzen. Bei den Kaufpreisen prognostiziert das Onlineportal Immowelt für das laufende Jahr sogar konkret eine Steigerung um drei Prozent auf dann 4.250 Euro über alle Bestandswohnungen hinweg. Damit rechnet Immowelt für Hannover mit dem höchsten prozentualen Preisanstieg bundesweit. Auch Jeschina geht davon aus, dass die Kosten bezogen auf die Quadratmeter-Wohnfläche weiter eine steigende Entwicklung zeigen werden. Allerdings sagt er ebenfalls: „Der absolute Preis für die Wohnungen wird in der Tendenz kurz- bis mittelfristig ins Stagnieren geraten. Grundlage dafür sind kleinteiliger geschnittene Wohnraumangebote.“ Nach 40 Jahren stetigen Wachstums der Pro-Kopf-Wohnfläche werde es erforderlich, in kleineren Einheiten zu entwickeln und den absoluten Preis im Auge zu behalten. Darüber hinaus werden seiner Ansicht nach die Bestände gewinnen, die mit mehr Personen bewohnt werden können.

Wohnbauoffensive verlängert

Die Stadt hat auf die steigende Nachfrage Mitte 2021 mit einer grundlegenden Anpassung ihres Wohnbauförderprogramms reagiert und ihre Wohnungsbauoffensive in Zusammenarbeit mit der lokalen Wohnbauwirtschaft um zwei Jahre verlängert. Und schon jetzt tut sich einiges. Mantel weist auf die Quartiere hin, die derzeit entstehen, wie beispielsweise die Wasserstadt Limmer. Auf dem Gelände des ehemaligen Continental-Werks sollen hier insgesamt 1.800 Wohnungen realisiert werden, davon 550 im ersten Bauabschnitt. Im Stadtteil Groß-Buchholz ist ein neues Wohnquartier mit circa 400 Wohnungen im Entstehen. „Hannover erlebt gerade einen wahrnehmbaren Boom an verschiedenen Stellen“, fasst Jeschina die aktuelle Lage zusammen. Dieser sei am stärksten sichtbar durch die große Stadterweiterung im Südosten der Stadt, in Kronsrode, wo auf Niedersachsens größter, zusammenhängender Entwicklungsfläche gerade mehr als 3.000 Wohnungen und ergänzende Angebote entstehen.

zuletzt editiert am 23.09.2022