EY-ULI-Studie: Globale Geschäftszentren bleiben relevant, doch neue Anforderungen zwingen zum Wandel. Frankfurt überzeugt mit Nachhaltigkeit.
Die weltweit wichtigsten Geschäftszentren gewinnen nach der Pandemie wieder an Bedeutung. Das zeigt der „Global Business Districts Attractiveness Report 2025“, den EY gemeinsam mit dem Urban Land Institute (ULI) und dem GBD Innovation Club veröffentlicht hat. Die inzwischen dritte Ausgabe der Studie untersucht die Attraktivität von 30 international bedeutenden Bürostandorten in Europa, Nordamerika und Asien anhand von acht Indikatoren wie Immobilienmarkt, Innovation und Nachhaltigkeit.
New York liegt im Gesamtranking vorn, gefolgt von Tokio, Paris und London. Das Frankfurter Bankenviertel belegt den zehnten Platz und führt das Nachhaltigkeitsranking an. Insgesamt zeigt sich: Historisch etablierte Zentren bleiben führend, sehen sich jedoch zunehmenden Herausforderungen gegenüber.
„Frankfurt zählt mit seinem Bankenviertel, trotz aller Herausforderungen der vergangenen Jahre zu Recht zu den zehn wichtigsten globalen Wirtschaftszentren. Dies unterstreicht die Widerstandsfähigkeit solcher Viertel und ihre strategische Bedeutung für die Stadt“, betont Sabine Georgi, Geschäftsführerin des ULI Deutschland. „Gleichzeitig belegt die besonders starke ökologische Performance Frankfurts, dass Klimaverantwortung und wirtschaftlicher Erfolg heute untrennbar miteinander verbunden sind, und demonstriert damit, dass ein zukunftsorientiertes Gleichgewicht aus ökonomischer Stärke und ökologischer Verantwortung nicht nur möglich, sondern entscheidend ist, um als moderne Metropole attraktiv, resilient und wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Asien gewinnt an Gewicht
Die Ergebnisse unterstreichen einen globalen Strukturwandel: Während Nordamerika mit gemischter Performance auffällt, holen asiatische Zentren auf. Peking, Singapur und Seoul zählen inzwischen zu den zehn attraktivsten Geschäftsvierteln weltweit. Europäische Hubs hingegen verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. 2024 lagen die dortigen Investitionsvolumina um 60 Prozent unter denen Asiens.
Trotz Rückkehr der Nachfrage sehen sich die Geschäftszentren strukturellen Veränderungen gegenüber: Hybride Arbeitsmodelle, steigende Betriebskosten und neue Ansprüche an Flächenqualität definieren den Begriff „Prime“ neu. Unternehmen legen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit, Identität und Zugänglichkeit.
Marc Lhermitte, Partner bei EY, beschreibt die Folgen: „Flexibilität, Zugänglichkeit und ein ausgeprägtes Identitätsgefühl sind heute ebenso entscheidend wie die Miete.“
Vier Megatrends prägen die Entwicklung
Die Studienautoren identifizieren vier Megatrends, die den Wandel der globalen Geschäftszentren vorantreiben:
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Talent First: Attraktive Geschäftszentren müssen mehr bieten als nur Büros. Gefragt sind lebendige Stadtquartiere mit Nutzungsmischung, guter Erreichbarkeit und hoher Aufenthaltsqualität.
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Die „Soft und Hard Power“ von Immobilien: Moderne, nachhaltige und flexibel nutzbare Gebäude gewinnen. In Toplagen zahlen Unternehmen Aufpreise, sofern die Qualität stimmt.
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Die Doppelrolle von Technologie und das “Unicorn-Gap”: Technologie ist Treiber für Effizienz und Standortattraktivität. Derzeit fehlt es vielen Zentren jedoch an Anziehungskraft für junge Tech-Unternehmen – nur zwölf Prozent der globalen Unicorns (Start-ups > 1 Milliarde USD) haben ihren Hauptsitz in GBDs.
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Die Komplexität von Nachhaltigkeit: Besonders gefragt sind CO2-arme Mobilität, Gebäudesanierungen und grüne Infrastrukturen. Frankfurt führt hier vor San Francisco und London.
Die Studie empfiehlt, klassische Central Business Districts (CBDs) schrittweise zu sogenannten „Central Social Districts“ (CSDs) weiterzuentwickeln. Diese sollen Arbeiten, Wohnen, Kultur und Klimaschutz besser integrieren.
