Die Frankfurter Händler kränkeln und damit sinken auch die erzielbaren Mieten. Nur auf der Luxusmeile scheint noch alles gesund. Von Bianca Diehl
Gut vier Millionen Euro erhält die Stadt Frankfurt aus dem Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“, um die City als lebendigen und attraktiven Ort für Handel, Gewerbe, Bildung, Kultur, Wohnen und Freizeit weiterzuentwickeln. „Wir können diese Fördergelder im Zusammenhang mit dem Programm Post-Corona-Innenstadt Frankfurt nutzen und damit beispielsweise Beteiligungsprozesse und Standortinitiativen finanzieren“, erläutert Planungsdezernent Mike Josef, dessen Dezernat die Unterstützung beantragt hatte. „Das hilft uns sehr, um das Stadtzentrum wiederwiderstandsfähig und krisenfest für die Zukunft aufzustellen.“
Zur Stärkung der Innenstadt sollen unter anderem Standortgemeinschaften sowie eine genossenschaftliche Immobilienagentur und ein Gründungsfonds zur Unterstützung neuer wirtschaftlicher Aktivitäten eingerichtet werden. Damit dient die Bundesförderung als Ergänzung eines bereits geplanten Investitionsprogramms.
Und die Geldspritze ist dringend nötig: Viele Einzelhandelsmieter fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. „Rund 25 Prozent der Gesamtfläche sind derzeit verfügbar. Das heißt, dass für die Flächen Nachmieter gesucht werden, dass diese umgebaut werden oder realer Leerstand existiert. Das ist der höchste Wert in Deutschland. Gemessen an der Zahl der Ladenlokale sind 15 Prozent verfügbar", beobachtet Dirk Wichner, Head of Retail Leasing bei JLL. Dies lässt sich unter anderem durch die vergleichsweise hohe Abhängigkeit des Frankfurter Einzelhandels von einpendelnden Arbeitnehmern, Messebesuchern und Touristen erklären. Er macht aber auch Hoffnung: „Das muss aber nicht schlecht sein, sondern zeigt, dass die Innenstadt im Wandel ist und sich mittelfristig viele neue Angebote ansiedeln können.“
Luxus-Mieten bleiben stabil
Der ehemalige Vermietermarkt hat sich zu einem Mietermarkt gewandelt. Mit signifikantem Druck auf die Mieten – insbesondere bei großen Flächen ab etwa 1.000 Quadratmetern sowie vertikaler Geschossstruktur. Dazu kommt ein Trend zur Flexibilisierung der Mietverträge zum Beispiel durch kürzere Festlaufzeiten, Umsatzmieten, Sonderkündigungsrechte und Baukostenzuschüsse. Die Mietabschläge bewegen sich laut Comfort in einer Bandbreite von niedrigen einstelligen prozentualen Abschlägen bis hin zu rund 30 Prozent für mittelgroße Geschäfte.
Aber auch für diese Regel gibt es eine Ausnahme: die Luxuslage Goethestraße. Hier sind die Mieten stabil oder steigen sogar leicht. Grund ist die Knappheit an Ladenlokalen dort. Sogar in Corona-Hochphasen fanden Vermietungen statt. So vermeldeten im November, sechs Monate nach dem Erwerb der Liegenschaft Goethestraße 2, der Investor Medcap Real Estate und Operating Partner Luwin Real Estate die Unterzeichnung langfristiger Mietverträge mit der Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne und der Schmuckmarke Pomellato. Im Vorfeld hatte sich bereits der langjähre Bestandsmieter Salvatore Ferragamo für einen Verbleib im Objekt entschieden.
Auch die Kaufpreise bleiben für Objekte in diesen Lagen weiter auf einem sehr hohen Niveau. Hier werden laut Comfort Kaufpreisfaktoren von mehr als dem 32-Fachen der Jahresmiete erzielt. Savills errechnet eine Spitzenrendite für Geschäftshäuser in den Toplagen von 2,90 Prozent, plus 20 Basispunkte im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres. Insgesamt wechselten Frankfurter Handelsimmobilien im Wert von 124 Millionen Euro im vergangenen Jahr den Besitzer, beobachtete BNP Paribas Real Estate.
