Frankfurt-Immobilien-Skyline
Der Himmel über Frankfurts Projektentwicklermarkt ist momentan eher grau als blau. (Quelle: Markus Goetzke)

Projekte

05. August 2022 | Teilen auf:

Frankfurter Wohnungsentwickler steigen auf die Bremse

In Frankfurt bricht die Planungspipeline bei Wohnungen massiv ein, viel entsteht im Umland.

Der Projektentwicklungsmarkt Frankfurt am Main ist seit 2019 deutlich rückläufig. Das gesamte Projektvolumen ging um 16,6 Prozent zurück – von 6,1 Millionen Quadratmetern im Jahr 2019 auf 5,1 Millionen Quadratmeter 2022. Insgesamt gehen die Fertigstellungen leicht, die Planungen jedoch massiv zurück, besonders im Wohnsegment. Dort sind es im Vergleich zum Vorjahr rund 26 Prozent.

Eine Besonderheit der Mainmetropole ist, dass Entwicklungen stärker als in allen anderen sieben A-Städten im Umland stattfinden. Dies betrifft 49 Prozent des Volumens. Außer in Düsseldorf ist der Umlandanteil in allen anderen A-Märkten deutlich geringer. „Der hohe Umlandanteil liegt vor allem an zwei Segmenten: Logistikimmobilien werden naturgemäß nicht in den Zentren, sondern im Umland gebaut. Und im Wohnsegment sind es 66 Prozent aller gebauten und bis 2026 geplanten Quadratmeter, die im Frankfurter Umland entstehen. Immer mehr private Investoren ziehen sich aus den Großstädten zurück, während die kommunalen Bestandshalter das dortige Marktgeschehen prägen“, führt Sven Carstensen, Vorstand von Bulwiengesa, beim Frankfurter „Developer Talk“ aus, den das Analysehaus und die BF.direkt AG kürzlich veranstalteten.

Einwohnerzahl von Kelsterbach stark gestiegen

Der Trend zum Umland trägt dazu bei, dass Frankfurt in besonderem Maß eine Stadt der Pendler ist. Seit 2011 ist das Pendler-Aufkommen um 24,4 Prozent gestiegen. Dies ist eine Folge der zum Teil sehr stark gestiegenen Einwohnerzahl umliegender Gemeinden. Spitzenreiter ist Kelsterbach mit einem Anstieg um rund 22 Prozent im ersten Halbjahr 2021.

Wohnhochhäuser rechnen sich nicht mehr

Frankfurt ist außerdem bekannt als Stadt der Hochhäuser. Carstensen dazu: „Eine Besonderheit in Frankfurt ist der starke Rückgang bei den Planungen von Wohnhochhäusern. Viele Projekte, die wir vor zwei Jahren noch als Planungen in unserer Pipeline verzeichnet hatten, werden geschoben oder in Frage gestellt. Denn bei den steigenden Zinsen und ebenfalls stark gestiegenen Baukosten rechnet sich das für private und institutionelle Investoren nicht mehr.“

Die Finanzierungssituation am Projektentwicklermarkt kommentiert Manuel Köppel, CFO der BF.direkt AG: „Bei bestehenden Finanzierungen sehen wir verstärkt Prolongationen. Dies liegt unter anderem an Bauverzögerungen aufgrund von Materialknappheit, insbesondere aber weil bei vielen Projekten mit dem Bau noch gar nicht begonnen wird. Bei neuen Finanzierungsanfragen liegt der Fokus auf qualitativ hochwertigen Projekten mit stabilem Business-Case sowie auskömmlichen Reserven in der Kalkulation und in der Kapitalstruktur. Unter diesen Voraussetzungen sind Projektfinanzierungen auch weiterhin verfügbar.“

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zuletzt editiert am 05.08.2022