Welche Fördermittel gibt es? Was ist sinnvoll? Was ist möglich? Dr. Manuel Schrapers von Metroplan gibt Einblicke in die Förderlandschaft.
In Deutschland und Europa gibt es zahlreiche Förderprogramme, die den Weg zu einem nachhaltigen Bestand an Gewerbeimmobilien ebnen sollen. Meist handelt es sich dabei um Zuschüsse oder zinsvergünstigte Kredite mit Tilgungszuschüssen, vereinzelt auch um Bürgschaften. Die Förderarten sind also relativ überschaubar. Deutlich schwieriger ist die Frage zu beantworten, welche Programme in der eher unübersichtlichen Förderlandschaft zur Verfügung stehen und für welche Projekte es möglich und sinnvoll ist, diese in Anspruch zu nehmen.
Nachhaltigkeit zählt in allen Programmen zu den wichtigsten Förderzielen. Das gilt auch für allgemeine Standortförderungen, die eine positive wirtschaftliche und gesellschaftliche Breitenwirkung erzielen sollen. Ein Beispiel sind die Förderungen von Wirtschaftsstandorten durch die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Diese gründen auf dem im Grundgesetz und in der Regional- und Strukturpolitik verankerten Prinzip der Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen im gesamten Bundesgebiet. Als gleichrangiges Hauptziel verfolgen sie die Transformation zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft. Ein nachhaltiger Gebäudebestand ist zwar nicht ausdrücklich in den Förderkriterien benannt, er ist aber hierfür unverzichtbar.
Die Kreise und Gemeinden mit den höchsten GRW-Investitionszuschüssen für große Unternehmen liegen in Ostdeutschland. Dort werden meist 15 Prozent gewährt. Die Grenzkreise zu Polen und Tschechien bis Tirschenreuth werden mit 25 Prozent als besonders förderungswürdig eingestuft. In Westdeutschland sind in der Südpfalz, in Birkenfeld, Friesland, Cuxhaven und Dithmarschen bis zu 15 Prozent möglich.
Förderungen von Energieeffizienzmaßnahmen und Beratungsleistungen
Die Förderprogramme für Energieeffizienz von Nichtwohngebäuden der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gelten dagegen bundesweit. Relevant für den Bereich der Gewerbeimmobilien beziehungsweise Nichtwohngebäude sind die Förderung des klimafreundlichen Neubaus, der energieeffizienten Sanierung sowie von energieeffizienten Einzelmaßnahmen. Die Förderungen bestehen je nach Fördergegenstand aus zinsvergünstigten Krediten, Tilgungszuschüssen und/oder Zuschüssen. Zu beachten sind je die Förderfähigkeit der Maßnahmen, die Energieeffizienzstandards, die unterschiedlichen Förderhöhen und Fördergrenzen sowie Mindestnutzungsdauern und andere Förderungsvoraussetzungen.
Zur Förderung von Maßnahmen mit indirektem Bezug zur Immobilie stellt die KfW bundes- und EU-weit zinsvergünstigte Kredite zur Verfügung. Diese berücksichtigen unter anderem transformative Maßnahmen, die sich an den technischen Kriterien der EU-Taxonomie orientieren (KfW 291), energieeffiziente Produktionsanlagen und -prozesse (KfW 291), erneuerbare Energien (KfW 270) und Umweltschutzinnovationen (KfW 230, Kredite und Zuschüsse).
Bezuschusst werden zudem vom BAFA mit der „Bundesförderung für Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme“ Beratungsleistungen zu den Themen Energieaudits, Energieeffizienz und erneuerbare Energien sowie Energie-Contracting. Ebenfalls durch das BAFA werden im Rahmen der „Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ eine Reihe von technischen Maßnahmen zur Minimierung von Ressourcenverbrauch und Optimierung der Energieeffizienz mit Zuschüssen und zinsgünstigen Krediten gefördert.
Förderungen aus Landesmitteln
Je nach Projekt werden auch auf Ebene der Bundesländer teils erhebliche Zuschüsse und zinsgünstige Kredite gewährt. In strukturschwächeren Regionen Bayerns wird beispielsweise mit regionalen Förderprogrammen des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie die Errichtung neuer Betriebsstätten und die Erweiterung oder Übernahme von bestehenden Betriebsstätten unterstützt.
In Berlin bezuschusst die Investitionsbank Berlin (IBB) auch bei Nichtwohngebäuden mit ihrem Förderprogramm „Effiziente GebäudePLUS“ etwa den Austausch älterer Heizungsanlagen und die Installation moderner Raumlufttechnik.
In Mecklenburg-Vorpommern fördert das Wirtschaftsministerium nach der Infrastrukturrichtlinie unter anderem die Erschließung, den Ausbau und die Revitalisierung von Industrie- und Gewerbegelände. Zuschüsse gibt es auch im Rahmen des Programms „Energie.IN.NRW“ des Wirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen, explizit auch für Innovationen im Bereich klimaneutraler Gebäude.
Ist der Schritt ins europäische Ausland eine Option, lohnt sich ein Blick in osteuropäische Länder wie Polen und Tschechien. Dort werden in Regionen, die an Unternehmensansiedlungen interessiert sind, um die regionale Wirtschaft zu stärken, mit Zuschüssen von bis 40% deutlich höhere Mittel zur Verfügung gestellt als in Deutschland. In der Praxis läuft es dort meist auf Neubauprojekte nach modernstem Stand der Technik hinaus, in denen auch alle Nachhaltigkeitsstandards berücksichtigt sind.
Vorhaben sollten sich förderungsunabhängig rechnen
Bei Förderungen kleinerer Einzelmaßnahmen bietet es sich an, diese im Zuge anstehender Aus- und Umbauten, Modernisierungen und Sanierungen zu nutzen. Die Förderfähigkeit kann dann mit geringem Mehraufwand hergestellt werden, beispielsweise durch Baustoffe mit besseren Dämmwerten oder technische Anlagen mit geringeren Energieverbräuchen beziehungsweise besserer CO2-Bilanz. Die Bewilligung umfangreicherer Standortförderungen hängt dagegen stärker davon ab, ob das Vorhaben dazu in der Lage ist, in der Region positive wirtschaftliche und gesellschaftliche Impulswirkungen zu entfalten.
Unabhängig von Art, Gegenstand und Umfang der Förderung gilt: Auch ohne finanzielle Unterstützung muss sich das Vorhaben langfristig rechnen. Fördermittel sollen Investitionsanreize durch Verkürzung der Amortisationszeiten setzen. Sie sind nicht dazu da, den Ausschlag für die Investitionsentscheidung zu geben oder gar unwirtschaftliche Projekte zu „heilen“.
Ein Beitrag von Manuel Schrapers, Geschäftsführer der Metroplan Eastern Europe.
