Ein renovierungsbedürftiges Haus mit verwitterter Fassade und Efeubewuchs an der Seite.
Rückläufige Insolvenzen, aber keine Entwarnung: Viele Bauvorhaben bleiben anfällig für Verzögerungen oder Abbrüche. (Quelle: Pixabay)

Standorte & Märkte 2026-01-19T08:37:15.654Z Insolvenzen in der Immobilienbranche rückläufig

Trotz sinkender Großinsolvenzen bleibt die Lage in der Immobilienwirtschaft angespannt. Falkensteg warnt vor Risiken im Bau- und Projektgeschäft.

Die Zahl der Großinsolvenzen in der deutschen Immobilienwirtschaft ist 2025 deutlich zurückgegangen. Laut einer aktuellen Analyse der Beratungsgesellschaft Falkensteg wurden 56 Insolvenzverfahren von Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz verzeichnet – 22 Prozent weniger als im Vorjahr.

Besonders stark fiel der Rückgang im Segment Bau und Projektentwicklung aus. Hier halbierte sich die Zahl der betroffenen Unternehmen von 29 auf 14. Dagegen blieb die Zahl der Insolvenzen im Bereich Innenausbau, Gebäudedienstleistungen und Bestandshaltung mit 42 Fällen nahezu konstant.

Über alle Unternehmensgrößen hinweg wurden 2025 rund 2.030 Verfahren in der Bau- und Immobilienwirtschaft gezählt – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr.

Marktbereinigung als Hauptursache

Als zentrale Ursache nennen die Analysten eine Marktbereinigung infolge der angespannten Vorjahre. „Viele wirtschaftlich schwächere Marktteilnehmer sind bereits 2024 ausgeschieden, die verbliebenen Unternehmen gehören zu den stabileren Akteuren“, erklärt Christian Alpers, Partner bei Falkensteg.

Trotz des Rückgangs mahnt Alpers zur Vorsicht: Die strukturellen Herausforderungen der Branche – darunter hohe Baukosten, Fachkräftemangel und regulatorische Unsicherheit – seien unverändert. Vor allem im Rohbau sei das Insolvenzrisiko weiter erhöht.

Als weiteres Problemfeld identifiziert Alpers die schwache vertriebliche Aufstellung vieler Unternehmen. In der aktuellen Marktphase sei ein aktiver Vertrieb entscheidend, um Projekte marktfähig zu gestalten. Unternehmen, die in diesen Bereich investieren, könnten sich besser behaupten.

Auch Sanierungen im formellen Insolvenzverfahren seien laut Alpers für viele Projektentwickler keine geeignete Option. Häufig führe ein Insolvenzantrag zum Baustopp – mit erheblichen Folgen für alle Beteiligten. Stattdessen setze die Branche zunehmend auf außergerichtliche Lösungen wie Standstill-Vereinbarungen oder alternative Finanzierungen auf Basis tragfähiger Sanierungskonzepte.

Umsatz ab 10 Mio. Euro 2020 2021 2022 2023 2024 2025

alle Branchen

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Immobilien

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Verhaltene Prognose für 2026

Für das laufende Jahr rechnet Falkensteg mit 30 bis 35 Großinsolvenzen – ein Niveau wie zuletzt 2022. Von einer nachhaltigen Erholung könne jedoch keine Rede sein. Die Branche brauche politische Impulse: niedrigere Zinsen, planbare Rahmenbedingungen und gezielte Förderprogramme. Bleiben diese aus, drohe eine anhaltende Stagnation.

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zuletzt editiert am 19. Januar 2026