Frau vor Serverschränken
In den Führungsetagen ist immer häufiger IT-Expertise gefragt. (Quelle: Christina@wocintechchat.com/Unsplash)

Unternehmen & Köpfe 2024-02-08T08:24:00.972Z Kandidaten im Wettbewerb

Die Immobilienwirtschaft ist mit zunehmender Komplexität und immer wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Das verändert auch den Arbeitsmarkt. Von Saskia Ellen Hoffmann

Die anhaltende Marktvolatilität hat tiefgreifende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Unternehmen, ob neu am Markt oder etablierte Größen, haben mit steigender Komplexität und Herausforderungen zu kämpfen, die bis hin zu massiven wirtschaftlichen Schieflagen führen oder in Insolvenzen münden. 

Diese Veränderungen haben den Arbeitsmarkt von einem langjährigen Kandidatenmarkt in einen kandidatenseitig umkämpften Wettbewerbsmarkt verwandelt. In den vergangenen Monaten konnten Executive-Search-Unternehmen zunehmend beobachten, dass mehr Kandidaten, sei es aus freien Stücken oder aufgrund unfreiwilliger Freisetzung und Arbeitslosigkeit, aktiv nach neuen Herausforderungen suchen. Dies hat zu einem erhöhten Angebot an Arbeitnehmern und zu einem Wettbewerb um begehrte Positionen geführt.  

Trotzdem können Unternehmen in dieser neuen Arbeitsmarktdynamik nicht ohne Weiteres nach Belieben auswählen, wen sie einstellen möchten. Sie sind einerseits nach wie vor mit komplexen Herausforderungen und Unsicherheiten konfrontiert. Auf der Agenda stehen Themen wie die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des eigenen Geschäftsmodells, finanzielle Herausforderungen und die Notwendigkeit, Transformation, Digitalisierung und strategische Neuausrichtung zu bewältigen. Andererseits ringen die Unternehmen in diesem intensiven Wettbewerbsumfeld nach wie vor um die besten Talente der Branche und über die Branche hinaus. 

Führungspositionen mit neuen Profilen 

Trotz der gegenwärtig angespannten Marktlage der Branche investieren ihre Unternehmen gezielt in die Gestaltung ihrer Zukunft. In diesem dynamischen Arbeitsumfeld kristallisieren sich derzeit positive Beispiele, Schlüsselbereiche und Positionen heraus, die als entscheidend für den Unternehmenserfolg erachtet werden. 

Auf oberster Geschäftsführungsebene werden vermehrt Positionen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Informationstechnologie (IT) mit IT-Affinität oder expliziter IT-Expertise nachgefragt. Unternehmen definieren Verantwortungsbereiche rund um digitale Transformation, Nachhaltigkeit und Innovation auf Geschäftsführungs- oder Vorstandsebene. Positionen wie Chief Sustainability Officer (CSO) im Bereich Nachhaltigkeit oder Chief Information Officer (CIO), Chief Technology Officer (CTO) und Chief Digital Officer (CDO) im Bereich der digitalen Transformation gewinnen an großer Bedeutung und werden immer häufiger in der obersten Führungsebene integriert, da diese Funktionen die strategischen Weichen für die zukünftige Ausrichtung eines Unternehmens stellen.  

Angesichts des wachsenden Stellenwerts des Humankapitals erweitern zudem immer mehr Unternehmen ihre Leitungsgremien um das Personalressort, beispielsweise durch die Schaffung der Position des Chief Human Resources Officer (CHRO). 

Darüber hinaus entstehen auch neue Berufsbilder im Bereich Digitalisierung und Datenmanagement, die in der heutigen Geschäftswelt unverzichtbar sind. Unternehmen investieren nicht nur auf oberster Führungsebene, sondern in vielfältigen Facetten auch auf mittlerer Führungsebene in diese Schlüsselbereiche. Hierbei entstehen neue Berufsbilder (zum Beispiel Data Scientist) und neue Aufgabenfelder in bestehenden Berufsbildern (zum Beispiel im Asset-Management oder Controlling), die aufgrund der wachsenden Bedeutung von Datentransparenz in der Unternehmensführung, im Immobilienportfolio- und Asset-Management und im Wissens-Management unverzichtbar sind. Zunehmend mehr Unternehmen erkennen, dass es nicht ausreicht, Daten nur zu sammeln – sondern diese in Zukunft aktiv gewinnbringend zu nutzen. 

Im Bereich Nachhaltigkeit und ESG (Environmental, Social and Governance) haben Unternehmen in den letzten Monaten weiter aktiv rekrutiert, neue Verantwortungsbereiche geschaffen und erste Fortschritte erzielt. Nun gilt es, für diese von der Strategie zur Umsetzung zu gelangen, sodass die Anforderungen an die ESG-Experten kontinuierlich steigen. Neben der externen Rekrutierung beobachten wir, dass Unternehmen vermehrt Mitarbeiter aus den eigenen Reihen weiterbilden, um ihnen neue Aufgaben im Bereich ESG zu übergeben und ihre Verantwortungsbereiche anzupassen. 

Unabhängig vom immobilienwirtschaftlichen Aufgabenbereich kommt es bei den Bewerbern stets auf das ideale Set an Softskills an. Es gewinnen diejenigen, die über empathische Qualitäten verfügen, Menschen begeistern und Change- und Transformationsprozesse verantworten können. Sie spielen die entscheidende Rolle in Transformationsprozessen und tragen wesentlich zum langfristigen Erfolg bei. 

Berufsbilder verändern sich 

Ein zentraler Aspekt auf dem heutigen Arbeitsmarkt ist die Neuausrichtung von diversen Berufsbildern, die sich im Wandel und unter großem Konkurrenzdruck befinden. Angesichts von Baustopps, Insolvenzen von Projektgesellschaften oder Projektentwicklungsunternehmen steht insbesondere die Berufsgruppe der Projektentwickler vor großen Unsicherheiten. In diesem Segment ist der Arbeitsmarkt aus Kandidatensicht um ein vielfaches wettbewerbsintensiver geworden als früher.  

Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass zum Beispiel die beruflichen Qualifikationen von klassischen Projektentwicklern in der Arbeitswelt zukünftig obsolet werden. Die Kernkompetenzen der Projektentwicklung sind insbesondere in der Bestandsentwicklung und allen Facetten des Immobilien-Managements sehr gefragt und gefordert. Hier eröffnen sich Chancen und Möglichkeiten, in Schieflage geratene Projekte weiterzuführen oder Bestandsportfolien zu optimieren. Die Aufgaben in diesen Bereichen werden immer umfangreicher und herausfordernder, und somit ist die Expertise von erfahrenen Projektentwicklern gefragt. 

Die Frage „Wer wird nicht mehr gesucht?“ lässt sich nicht mit spezifischen Berufsgruppen beantworten, sondern vielmehr mit Softskills. Das bezieht sich auf Mitarbeiter, die keine Bereitschaft zur Weiterentwicklung zeigen, unflexibel sind oder sich nicht an neue Anforderungen und sich wandelnde Marktsituationen und Unternehmenssituationen anpassen können oder wollen. 

Entscheidende Stichworte sind Transformation, Change-Management und Zukunftsfähigkeit. Die  

Fähigkeit zur Anpassung und das Streben nach kontinuierlicher, persönlicher Weiterentwicklung sind Schlüsselkompetenzen, um in dieser dynamischen Arbeitswelt erfolgreich zu bestehen. 

Autorin: Saskia Ellen Hoffmann ist Director bei Leaderslead Advisory in Düsseldorf.​​​​

zuletzt editiert am 08. Februar 2024