Die Branche wird sich nächstes Jahr in München wiedertreffen.

Unternehmen & Köpfe

6. October 2022 | Teilen auf:

Expo Real als wichtige Orientierungsplattform

Expo Real 2022 Nachbericht: Die Messe hat dieses Jahr fast wieder Vor-Corona-Niveau erreicht und bewährt sich als wichtige Plattform in Zeiten des Umbruchs.

„Die Expo Real bestätigt in einer Zeit des Umbruchs, wie wertvoll sie als Austausch- und Informations-Plattform für die Immobilienwirtschaft ist“, erklärt Stefan Rummel, für die Expo Real verantwortlicher Geschäftsführer der Messe München. „Sieben Hallen, 1.887 Aussteller und knapp 40.000 Teilnehmer – die Messe hat mit dieser Beteiligung nahezu das Niveau aus dem Jahr 2019 erreicht.“ Die Ausstellung ist gegenüber dem Vorjahr um fast 60 Prozent gewachsen. Der Bedarf, sich angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in den drei Messetagen vom 4. bis zum 6. Oktober auszutauschen, war groß. "Die diesjährige Messe war vor dem Hintergrund der derzeit herrschenden Unsicherheiten eine der spannendsten der vergangenen Jahre", stellt etwa Dr. Kevin Meyer, Mitglied der Unternehmensleitung, Horn Grundbesitz, fest. Und Alexander Heinzmann, Geschäftsführer (Sprecher), BPD Immobilienentwicklung, betont: "Die Expo Real hat bewiesen, wie wichtig der persönliche Austausch für unsere Branche ist."

Alle Ausstellungsbereiche sind wieder deutlich gewachsen: die Assetklassen Wohn- und Büroimmobilien, Hotel, Logistik und Handel, die internationalen Gemeinschaftsstände sowie die der Regionen und Städte sowie die Startups und Technologieanbieter. Zudem war die Ukraine mit einem Forum vertreten, um Möglichkeiten für den Wiederaufbau zu evaluieren. Zentrale Themen auf der Messe waren Teuerungen und Inflation, Zinspolitik, ESG-Anforderungen, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die wirtschaftliche Gesamtsituation. "Die Orientierung der Branche stand im Fokus. Dabei tauschten sich die Akteure vor dem Hintergrund einer möglichen Rezession intensiv zu den verschiedenen Szenarien hinsichtlich ihrer individuellen Interessenlage aus", beschreibt Dr. Wulff Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter von Aengevelt Immobilien. "Damit ist die Expo Real einmal mehr wichtigster Stimmungsmesser und wertvolle Orientierungsplattform der gesamten Immobilienwirtschaft."

Politik und Branche im engen Austausch

Bundesbauministerin Klara Geywitz suchte auf der Expo Real den Schulterschluss mit der Immobilienwirtschaft und stellte sich auf zwei Podien der Diskussion zu bezahlbarem Wohnen. Die Herausforderungen beim Wohnungsbau sind vielfältig: steigende Baukosten, Bürokratie, Fachkräftemangel, Klimaschutz, demografischer Wandel. Es gehe darum, „die Rahmenbedingungen zu schaffen, um in Deutschland rentabel bauen zu können und gleichzeitig die Kapazitäten auszuweiten“, so Geywitz. „Dazu müssen wir die Produktivität steigern, mehr in die Vorfertigung gehen, die gesamte Kette von Bauplanung, -antrag und -ausführung digitalisieren und den sozialen Wohnungsbau fördern“.

Zukunftsszenarien im Fokus

Mit welchen Rahmenbedingungen wird sich die Immobilienwirtschaft auseinandersetzen müssen? Dazu gab der Chefvolkswirt der Commerzbank, Dr. Jörg Krämer, seine Einschätzung ab: Er erwartet auf viele Jahre eine Inflation von weit über zwei Prozent, einen Leitzinsanstieg auf historisch betrachtet moderate drei Prozent, eine Rezession – aber keinen Einbruch beim Arbeitsmarkt angesichts des Arbeitskräftemangels und des demografischen Wandels, so dass die Nachfrage zum Beispiel bei Wohnimmobilien bleiben wird. Fabian Hellbusch, Leiter Marketing Kommunikation von Union Investment, erklärt: „Vor der Kulisse der vielfältigen Umbrüche hat die Expo Real 2022 wichtige Orientierungshilfe und ein gutes Sentiment geliefert, wo in den nächsten sechs bis neun Monaten Abwarten oder doch eher das sehr gezielte Ausnutzen von Marktchancen die klügere Strategie sein wird.“ Gerade jetzt sei die Messe wichtig, „um aktuelle Herausforderungen zu diskutieren, um sie zu bewältigen und gemeinsam attraktive Wachstumschancen zu identifizieren", so Frank Pörschke, CEO von P3 Logistic Parks. Und Ingo Hartlief, CEO, Demire AG, merkt an: "Angesichts des unruhigen und unsicheren Umfelds steckt der Immobilienmarkt aktuell noch in einer eher ernüchternden Orientierungsphase. Dieser Eindruck wird durch fast jedes Gespräch auf der Expo Real 2022 bestärkt. Während Finanzinstitute besonders kritische Töne anschlagen, sind die Vermieter noch vergleichsweise positiv gestimmt. Wir hatten es schon fast vergessen, aber: Der Zyklus lebt.“

Die Expo Real 2022 in Zahlen

Vergleich mit 2019, da 2021 ein Pandemie-bedingtes Ausnahmejahr war: Knapp 40.000 Teilnehmer aus 73 Ländern (2019: 46.747 / 76) kamen zur Expo Real nach München. Die Gesamtteilnehmerzahl unterteilte sich in rund 19.500 Fachbesucher (2019: 22.065) und 20.456 Unternehmensrepräsentanten (2019: 24.682). Die Top Ten-Besucherländer waren nach Deutschland: Großbritannien und Nordirland, Niederlande, Österreich, Polen, Schweiz, Frankreich, Tschechien, Luxemburg, USA und Spanien. Die 1.887 Aussteller kamen aus 33 Ländern (2019: 2.189 / 44). Die Top Ten-Ausstellerländer waren neben Deutschland: Österreich, Niederlande, Schweiz, Polen, Großbritannien und Nordirland, Frankreich, Portugal, USA und Tschechien gleichauf, Rumänien. Internationale Gemeinschaftsstände kamen aus Österreich („Austria“, „Europa Mitte“), der Schweiz („Swiss Circle“), den Niederlanden („Holland Property Plaza“, „Holland Metropole“) und ein USA-Pavillon. Am CareerDay nahmen 45 Aussteller teil, um Nachwuchskräfte für sich zu gewinnen.

Sascha Becker, Managing Director & Country Head Germany, Barings, beschreibt die Atmosphäre unter all diesen Teilnehmern so: "Die Stimmung bei der Expo Real war positiver als erwartet, auch wenn es weniger um Transaktionen ging als üblich. Bei allen Schwierigkeiten schauen die meisten positiv nach vorne." Und Curth-C. Flatow, Managing Partner, FAP Group, ergänzt: "Wie erwartet war die Gesamtstimmung der Expo Real 2022 - geprägt von den aktuellen Marktunsicherheiten – zurückhaltend, abwartend, aber noch vorsichtig optimistisch."

Aber es gab auch negativere Stimmen wie etwa die von Sebastian A. Lüdke, Founding Partner und Geschäftsführer, Surplus Equity Partners: "Die diesjährige Expo Real war – zum Teil – geprägt von einer Lustlosigkeit der Branche, sich mit der offensichtlich herausfordernden Zukunft auseinanderzusetzen. Nach dem Motto: Augen zu und durch." Auch Götz U. Hufenbach, geschäftsführender Gesellschafter, Benchmark. Real Estate, bemerkte ähnliches: "Unter dem Einfluss einer sich stark veränderten gesamtwirtschaftlichen Situation konnten wir auf der diesjährigen Expo Real eine sehr verhaltene Stimmung beobachten. Selten war die Unsicherheit unter den Marktteilnehmern und Besuchern so groß." Mit Kritik in Richtung der Organisatoren der Expo Real, der Messe München, hält Ludwig von Busse, Co-Gründer und Geschäftsführer, Simplifa, nicht zurück: "Die Expo Real ist einer der größten weltweiten Treffpunkte der Bau- und Immobilienbranche und ein wichtiger Ort fürs Networken und den persönlichen Austausch. Gerade in Zeiten, in denen wir durch die Pandemie starke Einschränkungen erlebt haben. Schade ist es allerdings, dass technologische Lösungen für die Organisatoren keinen großen Stellenwert zu haben scheinen.  Obwohl der Bedarf der Branche an technologischen Innovationen groß ist, haben Proptechs hier keinen richtigen Raum. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändert. Denn die Expo Real ist noch immer ein wichtiger Treffpunkt für die gesamte Branche, wo auch unser Segment der Proptechs angemessen repräsentiert sein sollte."

Die nächste Expo Real findet vom 4. bis 6. Oktober 2023 statt.

zuletzt editiert am 06.10.2022