ESG: Environmental Social Governance
Die Social Taxonomy der EU bildet die Basis für die neue Studie des ICG. (Quelle: iStockphoto)

Nachhaltigkeit & ESG 8. May 2023 Das "S" wird messbar

ICG und REMI stellen eine neue Studie zur Messbarkeit des Faktors "S" in der Immobilienbranche vor. Stakeholder- statt Shareholder-Value ist dabei das große Ziel.

Das Institute für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft (ICG) ist gemeinsam mit dem EBS Real Estate Management Institute (REMI) einen großen Schritt in Sachen ESG (Environmental Social Governance) vorangekommen. Das SI Scoring Modell 2.0 zeigt, wie der Faktor „S“ auf verschiedene Assetklassen anwendbar ist.

"E" ist ein alter Hut. "S" hingegen war in der Vergangenheit bestenfalls eine selbst auferlegte Aufgabe. Das wird sich künftig ändern, denn durch die Social Taxonomy der EU werden menschenwürdige Arbeit, angemessener Lebensstandard und Wohlergehen sowie integrative und nachhaltige Gemeinschaft und Gesellschaft zur Verpflichtung. Eben diese Social Taxonomy bildet die Basis für die neue Studie des ICG.

„Unser Ziel ist, eine neue Art des Wirtschaftens in der Immobilienbranche zu verankern“, argumentiert Werner Knips, Gründer und stellvertretender Vorsitzender des ICG. „Wir brauchen ein neues Selbstverständnis.“

Soziale Auswirkungen differenzierter messen

Bereits im Frühjahr 2021 hatte das ICG gemeinsam mit dem REMI den Praxisleitfaden Social Impact Investing herausgebracht, der wirkungsorientierte Ansätze für die "Gestaltungskraft nicht-finanzieller Belange von Investments" aufzeigte. Seitdem arbeiten beide Parteien unentwegt an einem umfassenden Scoring Modell, um den Faktor "S" nachhaltig messbar zu machen. Nachdem im letzten Jahr das SI Scoring Modell 1.0 erschien, hat das ICG nun die Weiterentwicklung des Modells präsentieren können. Die Anforderungen der Social Taxonomy sowie die Anwendbarkeit auf verschiedene Assetklassen stand dabei im Vordergrund.

Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Vorstandsvorsitzende des ICG: „Wir haben bereits mit den SI Scoring Modell 1.0 einen wichtigen Schritt zur Definition von S-Kriterien gemacht, um die Nachweisführung zu fördern, Benchmarks zu entwickeln und die Glaubwürdigkeit der Branche zu erhöhen. Mit der Ausweitung auf Assetklassen ist es jetzt gelungen, noch differenzierter die sozialen Auswirkungen von Immobilien zu messen.“

"Wesentliches Element der Praxistauglichkeit"

Stand im ersten Anlauf noch das Quartier im Zentrum der Betrachtung, kamen nun mit Wohnimmobilien, Senior Living, Büro- und Verwaltungsimmobilien, Logistik-, Handels-, Hotel- und Gesundheitsimmobilien und Bildung acht weitere Assetklassen mit hinzu.

Eingang gefunden haben auch Umfrage-Ergebnisse von rund 240 führenden Immobilienexperten der einzelnen Assetklassen. „Diese Einbindung stellt ein wesentliches Element der Praxistauglichkeit dar“, erklärt Knips. „Die Experten haben nicht nur geholfen weitere Impact Cluster und Indikatoren zu identifizieren und zu formulieren, sondern haben auch die Besonderheiten der einzelnen Assetklassen herausgearbeitet.“

Außerdem wurden neue Impact Cluster definiert: Nutzer-Mix und Arbeitnehmer. Zusätzlich wurden alle Indikatoren der Impact Cluster im Detail analysiert und mit bestehenden, etablierten Messmodellen unterlegt. Hier hat sich insbesondere die DGNB-Zertifizierung angeboten, da diese als eine der ersten Zertifikate S-Kritierien integriert hat. Die Gewichtung der Indikatoren erfolgt nach Zuordnung zu den Ebenen der Bedürfnishierarchie nach Maslow. Prof. Dr. Kerstin H. Hennig, Professorin für Real Estate an der EBS Universität, Head of EBS Real Estate Management Institute: „Das Modell 2.0 umfasst Impact Cluster und Indikatoren, die für alle Assetklassen anwendbar sind und somit grundsätzlich den Immobiliensektor unter dem Aspekt des Social Impacts analysieren und bewerten können. In einem weiteren Schritt kann jetzt aber auch die Differenzierung nach den einzelnen Immobilien-Assetklassen vorgenommen werden.“

Scoring Modell muss sich mit der Zeit weiterentwickeln

ICG-Geschäftsführerin Karin Barthelmes-Wehr führt aus: „Die Anwendung in der Praxis wird jetzt der nächste Schritt sein. Als erstes wird zeitnah eine Erstanwendung des SI Scoring Modells 2.0 für das Kreativ Quartier Potsdam, dem Gewinner des Real Estate Social Impact Investing Award 2022 im Bereich Projekt in Planung, durch den Entwickler Assiduus durchgeführt.“

Neben der kontinuierlichen Aktualisierung von Messmodellen ist in Zukunft insbesondere die Entwicklung der Sozialtaxonomie zu beachten. Das SI Scoring Modell 2.0 muss sich demnach – genau wie die Immobilienbranche – mit der Zeit weiterentwickeln.

„Unser Wunsch für die Zukunft: Das Ziel für die Immobilienbranche sollte eine Kombination der S-Kriterien mit 'E' und 'G' Scoring Modellen sein, damit eine Bewertung von Immobilien in Bezug auf ESG einheitlich, vergleichbar, transparent, wissenschaftlich, aber auch praxisnah vorgenommen werden kann“, so Eickermann-Riepe abschließend.

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zuletzt editiert am 08.05.2023