Normung spielt bei der Umsetzung von ESG eine wichtige Rolle. Jürgen Utz, Leiter Nachhaltigkeitsentwicklung bei der List AG, erklärt die neue DIN SPEC ESG.
Für die Sicherung unserer zukünftigen Handlungsfähigkeit und zur Bewältigung der anstehenden ökologischen Herausforderungen braucht es klare und verlässliche Daten. Das betrifft Themen wie die Treibhausgas-Emissionen, Schadstoffe, Rezyklierbarkeit und mehr. Das E in ESG ist schlicht die überfällige Evolution hin zu einer zukunftstauglichen Immobilienbetrachtung. Um die Potenziale für den Klimaschutz und die Nachhaltigkeit im Immobiliensektor auszuschöpfen, braucht es die systematische Erfassung von Daten. Damit werden die nun notwendigen Ziele operationalisierbar und können über den Lebenszyklus einer Immobilie hinweg gemanagt werden.
Hier kommt die neue DIN SPEC 91475, auch DIN SPEC ESG genannt, ins Spiel, die von einer unternehmensübergreifenden Brancheninitiative entwickelt und voraussichtlich im Frühjahr 2023 veröffentlicht und kostenlos verfügbar sein wird: Sie wird die Basis für einheitliche digitale Datenmodelle schaffen und so Transparenz und Vergleichbarkeit ermöglichen.
Aufbau und Anwendung der DIN SPEC ESG
Die DIN SPEC ESG wird hierzu mögliche Datenpunkte für Aspekte der ökologischen Nachhaltigkeit beschreiben. Das sind zum Beispiel das Klimarisiko eines Standorts, die Ressourcenverbräuche verwendeter Materialien oder die CO2-Intensität des Betriebs. Aus der Kombination von Datenpunkten lässt sich eine individuelle Informationsbasis erstellen. Die DIN SPEC ESG gibt nicht vor, was das E in ESG umfassen muss oder wie die Datenpunkte nachzuweisen sind. Sie wird auch keine Bewertung der Datenpunkte vorgeben. Vielmehr schafft sie eine Grundlage, für welche Themen des E strukturiert Daten erhoben werden können.
„Mit der DIN SPEC ESG entsteht eine praxistaugliche Lösung für die Auseinandersetzung mit den umfangreichen Daten, mittels derer sich eine Immobilie beschreiben lässt. Wir freuen uns, auf diese Weise die Transformation in der Branche zu unterstützen.“
Johannes Kreißig, Geschäftsführender Vorstand der Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB)
Welche Daten schlussendlich erfasst, gewichtet und bewertet werden, hängt vom Anwender und dessen Zielsystem ab. Somit ist die DIN SPEC ESG kompatibel mit den unterschiedlichen Anforderungen an das E, sei es nun in der Logik der EU-Taxonomie, der DGNB oder eines anderen Schemas zur Bewertung von Nachhaltigkeit.
Die DIN SPEC ESG wird als Struktur- und Arbeitshilfe zum Umgang mit den Anforderungen hinter dem E von ESG in der Praxis dienen. Sie ersetzt dabei nicht die Auseinandersetzung mit dem Themenfeld und dessen Inhalten. Anspruch der DIN SPEC ist es, für die heutige Praxis wichtige und mögliche Datenerfordernisse abzubilden sowie zusätzlich auch solche Datenpunkte zu beschreiben, die für eine vollständige ökologische Betrachtung wünschenswert sind. Im Gesamtbild wird sie es so ermöglichen, für heutige und zukünftige Immobilien das E aus ESG über alle Phasen des Lebenszyklus hinweg abzubilden.
