Immobilienvorstände sind weiß und männlich. Frauen? Schwule? Farbige? Meist Fehlanzeige. Die neue RICS-Präsidentin Amanda Clack will das ändern und hat sich die Themen Diversität und Inklusion für auf die Fahnen geschrieben.
Die Diversitäts- und Inklusionskampagne ist eines der drei Punkte, die Sie als Ihre „Präsidentschaftsthemen“ bekannt gegeben haben. Warum?
Amanda Clack: In unserem Beruf ist die Notwendigkeit, sich der Diversität und Inklusion zu öffnen, nie größer gewesen als heute. Im Jahr 2016 sind nur 13 Prozent unserer Berufskollegen Frauen, nur 1,2 Prozent sind Farbige, Asiaten oder Angehörige ethnischer Minderheiten, weniger als ein Prozent sind Behinderte, und für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender liegen uns gar keine Daten vor.
Es gibt viele klare ethische und gesellschaftliche Gründe, aus denen wir uns um eine größere Diversität unter unseren Kollegen bemühen sollten. Für mich ist das aber auch aus handfesten geschäftlichen Gründen sinnvoll. Unsere Branche muss für die besten Talente attraktiv sein. Wenn wir aber keine volle Inklusion bieten, entgeht uns ein Teil der potenziellen Arbeitskräfte, die sehr wichtig für uns sind. Außerdem würden wir durch echte Inklusion die Kunden und gesellschaftlichen Gruppen widerspiegeln, für die wir unsere Dienstleistungen erbringen. Wenn wir der Welt und unseren Kunden gleichen, vermitteln wir ihnen Vertrauen in unsere Fähigkeiten. So können wir ihre Probleme wirklich verstehen und lösen. Deshalb mache ich mich für eine größere Diversität und Inklusion unseres Berufsstandes stark – mit Hilfe der RICS-Kampagne „Surveying the Future“ – durch die Talente gewonnen, gehalten und entwickelt werden und durch die es den Kollegen ermöglicht wird, auf dem aktuellen Stand zu bleiben.
Der übliche Vorstand heutzutage ist weiß und männlich, oder nicht?
Amanda Clack: Vor kurzem haben wir einen Bericht „Inklusion schaffen: Fundamente für die Zukunft legen“ veröffentlicht, der auf den Ergebnissen unseres ersten Jahres mit dem Gütesiegel „RICS Inclusive Employer Quality Mark (IEQM)“ in Großbritannien basiert. Dieses Gütesiegel ist ein Weg, mit dem wir eine Kultur der Veränderung in der Branche voranbringen wollen. Nach dem Erfolg in UK wird es 2017 in ganz Europa eingeführt.

Welche Ergebnisse hat IEQM zu Tage gefördert?
Amanda Clack: Durch die Daten aus dem IEQM-Projekt haben wir erstmals einen besseren Einblick in den aktuellen Stand der Branche in Sachen Diversität gewonnen. In Bezug auf die Führung sehen wir aber leider, dass sich die Vorstände beziehungsweise Geschäftsführungen üblicherweise aus weißen männlichen Universitätsabsolventen der Mittelschicht zusammensetzen. Bei den Unternehmen, die ihre Daten für das IEQM-Projekt offengelegt haben, sind weniger als 30 Prozent der Führungskräfte weiblich und 57 Prozent der Befragten haben sogar angegeben, dass ihre Führung zu 100 Prozent aus Weißen besteht.
Eines der Ziele der Kampagnen ist, die Immobilienbranche für Frauen attraktiv zu machen. Welches ist die nächstgrößere Gruppe, die angesprochen werden soll?
Amanda Clack: Der bisherige Schwerpunkt der Kampagne war, Frauen für die Branche zu gewinnen, was aber nicht bedeutet, dass Frauen in unserem Beruf wichtiger sind als andere Minderheiten. Allerdings machen sie 50 Prozent der arbeitenden Bevölkerung aus. Aktuell sind nur 13 Prozent unserer Kollegen weiblich. Immerhin finden sich unter den neuen Studenten der RICS-akkreditierten Studiengänge mittlerweile 24 Prozent Frauen. Trotzdem haben wir noch einen langen Weg vor uns. Bei dem Gütesiegel geht es um alle Arten der Diversität und Inklusion, von Geschlecht und sexueller Orientierung über ethnische Zugehörigkeit sowie körperliche und geistige Behinderung bis hin zum Bildungshintergrund.
Wie steht die Branche in Sachen Nachwuchsrekrutierung generell dar?
Amanda Clack: Wir müssen unsere
Personalrekrutierung dringend auf Bereiche jenseits der üblichen „Jagdreviere“ ausdehnen
, damit unser Beruf auch künftig dem sich rasch ändernden Umfeld entspricht. Für mich geht es einfach darum, Spitzentalente für den Beruf zu gewinnen, damit die Branche auf dem globalen Markt zeitgemäß und wettbewerbsfähig bleibt.
Zeigt sich die Branche beim Thema Diversität und Inklusion aufgeschlossen oder eher konservativ?
Amanda Clack: Unsere Recherchen haben gezeigt, dass die Unternehmen zwar eine Änderung ihres Diversitätsprofils befürworten, aber auf dem Weg dorthin sehr unterschiedlich weit gekommen sind. Das traditionelle Image des Immobilien- und Bausektors ist bekanntlich nicht gerade durch große Personaldiversität geprägt. Jedoch wissen wir, dass sich die Arbeitgeber durchaus des Kampfes um talentierte Mitarbeiter bewusst sind. Die ausreichende Rekrutierung talentierten Personals ist aber nur möglich, wenn wir auf Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zugehen.
Interview: Christof Hardebusch