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Keine Lust auf Immobilien - die große Studentenumfrage

Findet die Branche morgen noch genug Nachwuchskräfte? immobilienmanager hat Bachelor-Studenten der Betriebswirtschaftslehre gefragt: Was wisst ihr über die Immobilienwirtschaft und welche Jobs wollt ihr?

Umfrage unter BWL-Studenten zu ihrem Wissen über die Immobilienwirtschaft
Die Immobilienbranche muss sich bei potenziellen Nachwuchskräften bekannter machen (Foto: iStockphoto.com)

Die Folgen der demografischen Entwicklung für den Arbeitsmarkt sind mittlerweile zur Binsenweisheit geronnen: junge, gut gebildete Menschen werden immer mehr zum knappen Gut – auch in der Immobilienwirtschaft. Die Ergebnisse einer Befragung unter BWL-Studenten sollten die Unternehmen der Branche wachrütteln. Denn als potenzielle Arbeitgeber haben sie nur wenige Nachwuchskräfte auf dem Zettel.

Großunternehmen bevorzugt
Wo möchten die Bachelor-Kandidaten künftig am liebsten arbeiten? Zwei Fragen der Umfrage unter BWL-Studenten zielten auf die gewünschte Unternehmensgröße und den präferierten Arbeitgebertyp. Für die stark vom Mittelstand geprägte Immobilienwirtschaft sind die Antworten alles andere als trivial. Insgesamt entfällt rund die Hälfte der Nennungen auf Großunternehmen. Bei den EBS-BWLern sind es sogar 64 Prozent. Aggregiert betrachtet ziehen kleine und mittelständische Unternehmen rund 30 Prozent der Nennungen auf sich.

Bei der Frage nach den bevorzugten Unternehmenstypen durften die Studierenden zwischen folgenden Optionen wählen: Familienunternehmen, anderweitig inhabergeführte Unternehmen, Aktiengesellschaften, Arbeitgeber der öffentlichen Hand sowie selbstständige Tätigkeiten als Freiberufler oder als Unternehmensgründer (Start-up). Spitzenreiter sind mit 26 Prozent aller Nennungen die Aktiengesellschaften. Aber auch Familienunternehmen und inhabergeführte Unternehmen erscheinen mit 18,1 beziehungsweise 19,7 Prozent recht beliebt zu sein – eine gute Nachricht für die Immobilienwirtschaft, die den zuvor konstatierten Hang zu großen Unternehmen relativiert.

Eine Beschäftigung bei Arbeitgebern der öffentlichen Hand hingegen ist offensichtlich für die befragten EBSler unvorstellbar – null Nennungen. Ganz anders an der Hochschule Bonn- Rhein-Sieg: Hier können sich 13 Prozent der Befragten auch für die Öffentliche Hand erwärmen. Daran wird besonders deutlich, wie verschieden die Zielgruppen beider Institutionen sind.

Viele Studenten kennen kein einziges Immobilienunternehmen
Eine Gretchenfrage – auch und gerade aus Sicht der sich wenig beachtet fühlenden Immobilienwirtschaft – ist die nach den favorisierten Branchen. Für die Immobilienbranche gestaltet sich das Ergebnis niederschmetternd. In Bonn-Sieg sind es 8,3 Prozent, in Wiesbaden elf. Zum Vergleich: Die Industrie kommt auf 24,3 Prozent, die Finanzwirtschaft auf 16,3 Prozent der Nennungen.

Die Immobilienwirtschaft hat bei den Bachelor-Kandidaten der Betriebswirtschaftslehre also einen schweren Stand. Lässt sich das auf ihren geringen Bekanntheitsgrad zurückführen? Wir fragten, welche Immobilienunternehmen den Studenten bekannt sind. In Bonn-Rhein-Sieg nannten sie vor allem lokal und regional tätige Akteure – besonders häufig die in Köln ansässigen KSK Immobilien und Corpus Sireo. Dazu kommen als überregional tätige Makler Engel & Völkers sowie Dahler & Company.

78 Studenten der Hochschule und damit mehr als die Hälfte aller dort Antwortenden nennt kein einziges Immobilienunternehmen. An der EBS beträgt die entsprechende Quote nur ein Fünftel. Alle der dort insgesamt 25 genannten Unternehmen operieren überregional oder sogar international.

Video: Bewerbungsgespräch mit dem Immobilien-Nachwuchs

Auch den Studierenden in Bonn- Rhein-Sieg fällt auf die Frage nach den Immobilienberufen der Makler am häufigsten ein. Danach wird es recht dünn, nur vereinzelt tauchen in den Fragebögen die Begriffe Portfoliomanager, Sachverständiger, Hausverwalter und Notar auf.

Die Frage nach den bekannten Berufsbildern zeitigt an der EBS eine differenzierte Antwort-Palette. Am häufigsten angeführt wird der Makler, gefolgt vom Asset Manager, vom Projektentwickler, vom Fondsmanager und vom Investor. In Wiesbaden hat man also schon einen relativ umfassenden Begriff davon, welche Jobs die Immobilienwirtschaft bietet. Dies mag an der eigenen Immobilienakademie EBS REMI liegen, die Studierende vermutlich frühzeitig auf sich aufmerksam macht. Das Interesse an einer Laufbahn in dieser Branche ist, wie wir oben gesehen haben, unter den Bachelor-Studierenden mit unter zehn Prozent trotzdem sehr gering.

Klare Aufgabe: Für Bekanntheit sorgen
Die Immobilienwirtschaft ist den BWL-Studenten der Bachelor-Studiengänge zwar nicht unbekannt. Von der Vielfalt ihrer Berufsbilder wissen die Studierenden an nicht spezialisierten Ausbildungseinrichtungen allerdings sehr wenig. Das Interesse an der Branche ist so oder so gering. Sie hat also nicht nur ein Bekanntheitsproblem, sondern auch ein Attraktivitätsdefizit. Mögliche Gegenmaßnahmen lassen sich ebenfalls aus der Studie ableiten. Die angebotenen Berufsbilder sollten klar formuliert und breiter als bislang kommuniziert werden – eine Aufgabe insbesondere der Verbände.

Die Unternehmen selbst sollten Karrieremessen als Plattformen nutzen: Nicht nur die Messen, die sich ohnehin auf das Thema Real Estate fokussieren, sondern auch und vor allem die allgemein an angehende Betriebswirte gerichteten Messen.

Die Umfrage
Nur wer weiß, wo junge Studierende stehen und was sie erwarten, kann ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken. Im Rahmen des multimedialen Projekts Megatrends „Human Resources“ hat immobilienmanager Studenten befragt, die keine Immobilienspezialisierung aufweisen, vom Qualifikationsprofil her aber für die Branche interessant sind. Die Befragung richtete sich zunächst an Bachelor-Studenten der Betriebswirtschaftslehre der Hochschule Bonn- Rhein-Sieg und der European Business School EBS – wohlgemerkt nicht an deren Immobilieninstitut, sondern in der allgemeinen BWL. Im zweiten Schritt an angehende Bauingenieure/Projektmanager und Architekten der Hochschulen Biberach und Wuppertal.

30.05.2016

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