Stadlbauer-Commerzreal
Florian Stadlbauer: "Wir agieren nicht aus der Defensive heraus, wir verstehen uns als Angreifer" (Foto: Stadlbauer)

Management 2016-09-30T00:00:00Z Digital-Werk: „Wir verstehen uns als Angreifer“

Die Commerz Real möchte der erste digitale Asset Manager werden. Christof Hardebusch sprach darüber mit Commerz-Real-CEO Dr. Andreas Muschter und dem neuen Head of Digitalization, Florian Stadlbauer.

Herr Dr. Muschter, was ist das Digital-Werk?
Andreas Muschter : Ein Team aus Mitarbeitern unterschiedlicher Unternehmensbereiche,  in dem wir unsere Digitalisierungsaktivitäten bündeln und forcieren. Als Head of Digitalization haben wir Florian Stadlbauer gewinnen können. Wir wollen uns zum digitalen Asset Manager entwickeln, der mit größtmöglicher Flexibilität agieren kann und Prozesse dort automatisiert, wo der Kunde es möchte.

Herr Stadlbauer, Sie haben als Mitgründer und Geschäftsgründer von „Deck 13“ zehn Jahre lang große Videospiel-Projekte realisiert. Zudem sind Sie Technologiebeauftragter im hessischen Wirtschaftsministerium. Wie kommt man da auf die Immobilienwirtschaft?
Florian Stadlbauer : So außergewöhnlich ist dieser Schritt aus meiner Sicht nicht. Neben den genannten Aufgaben habe ich auch Projekte für unterschiedliche Konzerne realisiert, immer unter dem Gesichtspunkt, wie man für Kunden ein begeisterndes Nutzer-Erlebnis schafft.

Andreas Muschter: Und das wünschen wir uns auch für unsere Kunden. Die Menschen, die über die Anmietung großer Flächen entscheiden, befinden sich oft weit weg vom betreffenden Standort. Beispielsweise entscheidet ein COO in New York über eine Anmietung in Frankfurt. Bislang erfolgen solche Entscheidungen vor allem auf Basis wirtschaftlicher Kennziffern. Wir wollen zusätzlich vermitteln, welche Qualitäten die betreffenden Gebäude haben und wie sich die Mitarbeiter des Mieters dort fühlen werden.

Herr Stadlbauer, welche Aufgaben haben Sie konkret?
Florian Stadlbauer: Wir wollen Potenziale für Innovationen entdecken und Prozesse agiler und flexibler gestalten, damit die Commerz Real kurzfristig auf neue Situationen  reagieren kann. Die Bedürfnisse der Kunden ändern sich mit der technischen Entwicklung, und die verläuft rasant. Die Automatisierung und Standardisierung von Prozessen hat Andreas Muschter ja schon angesprochen. Prozesse müssen zudem offen sein für externe Daten, wie sie beispielsweise in mit BIM geplanten Projekten generiert werden. Wenn Daten in ausreichendem Maß vorliegen, lässt sich die emotionale Komponente eines Gebäudes wirkungsvoller herausarbeiten.

Andreas Muschter: Beim Asset Management wollen wir automatisieren, was sich automatisieren lässt. Unsere Mitarbeiter können sich dann auf die Aufgaben konzentrieren, die besondere Lösungen verlangen.

Wird das zum Abbau von Stellen führen?
Andreas Muschter: Die Commerz Real erlebt gerade das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte. Als Commerz-Bank-Tochter würde es uns allerdings aktuell schwer fallen, einen  entsprechenden Personalaufbau zu begründen. Wir hoffen, mit der Digitalisierung Ressourcen für weiteres Wachstum freizuschaufeln.

Florian Stadlbauer : Wir agieren nicht aus der Defensive heraus, wir verstehen uns als Angreifer. Wir werden Daten nutzen, um die Wertschöpfung des Unternehmens zu erhöhen. Mitarbeiter benötigen wir für nicht standardisierbare Arbeiten, sondern für kundenspezifische Spezialfälle.

Andreas Muschter: Die Kombination von Immobilien und Daten ist extrem spannend. Das Bürogebäude The Edge in Amsterdam zeigt, welche großartigen Effekte die Digitalisierung und Vernetzung eines Gebäudes auf die Nebenkosten, das Facility Management und viele andere Aspekte haben kann. Wichtig ist uns, den digitalen Wandel freiwillig und aus einer Position der Stärke heraus anzugehen. Viele Unternehmen verändern sich ja erst, wenn die Not sie dazu zwingt.

Interview: Christof Hardebusch.

Eine lange Version des Interviews lesen Sie in der November-Ausgabe von immobilienmanager.

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
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