Förderprogramme und steuerliche Anreize verbessern laut CBRE die Perspektiven für Investitionen in bezahlbaren Wohnraum.
Investitionen in bezahlbaren Wohnraum gewinnen aus Sicht von CBRE wieder an Attraktivität. Öffentliche Förderprogramme und steuerliche Anreize hätten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spürbar verbessert und eröffneten insbesondere langfristig orientierten Investoren neue Möglichkeiten, attraktive risikoadjustierte Renditen zu erzielen.
„Bei der Frage nach Bezahlbarkeit geht es heute vor allem um die Frage, ob überhaupt Zugang zu entsprechendem Mietangebot besteht“, sagt Dr. Jan Linsin, Head of Research Germany bei CBRE. „Der starke Rückgang verfügbarer Wohnungen verstärkt die strukturelle Asymmetrie zwischen Bestands- und Neuvertragsmieten auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Da die rückläufige Neubauaktivität jedoch alle Segmente betrifft, ist selbst in regulierten und preisgedämpften Segmenten zunehmend kaum noch frei verfügbares Angebot vorhanden.“
Laut CBRE verschärft sich die Belastung insbesondere für Haushalte, die eine neue Wohnung suchen. Während Bestandsmieter aufgrund des Mieterschutzes häufig von moderateren Mietentwicklungen profitieren, sehen sich Neumieter mit deutlich höheren Marktmieten konfrontiert. Das erhöhe die Eintrittsbarrieren in angespannten Wohnungsmärkten und schränke die Umzugsmobilität ein.
Regional zeigen sich dabei deutliche Unterschiede: In Metropolen wie Berlin und Hamburg müssen für Neuverträge in Neubauten teilweise mehr als 40 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für die Miete aufgewendet werden. In Städten wie Leipzig, Dresden oder Dortmund liegt die Belastung bei Bestandsmietern dagegen teilweise unter 25 Prozent.
Langfristige Strategien gewinnen an Bedeutung
Nach Einschätzung von CBRE profitieren Investoren inzwischen von einer breiten Palette an Förderinstrumenten, die öffentliche Finanzierungshilfen mit marktwirtschaftlichen Elementen verbinden. Dabei entstehen sogenannte Mixed-Approach-Modelle, in denen geförderte und frei finanzierte Wohnungen innerhalb eines Projekts kombiniert werden. Ergänzend verbesserten steuerliche Anreize wie die degressive Abschreibung die Wirtschaftlichkeit von Wohnungsneubauten.
Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus vieler Investoren. Statt auf einen späteren Verkauf nach einer vergleichsweise kurzen Haltedauer zu setzen, gewinnen Strategien mit langfristig stabilen Erträgen an Bedeutung.
„Für Investoren entsteht hier eine funktionale Schnittstelle zwischen Regulierung und Markt“, erklärt Jirka Stachen, Head of Research Consulting Continental Europe bei CBRE. „Preisgedämpfte und teilgebundene Wohnmodelle sind heute weniger ein klassisches Exit-Produkt als vielmehr ein langfristig orientiertes Cashflow-Investment. Sie ermöglichen stabile laufende Erträge, ein abgesichertes Rendite-Risiko-Profil und adressieren zugleich die strukturelle Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum.“
„Die aktuellen Herausforderungen am Wohnungsmarkt lassen sich nicht mehr allein durch die öffentliche Hand lösen“, so Dr. Steffen Heinig, Senior Analyst bei CBRE. „Resiliente Wohnungsstrukturen entstehen dort, wo öffentliche Förderung und privates Kapital zusammenwirken. Nur durch eine enge Zusammenarbeit von Staat und privaten Investoren lassen sich langfristig ausreichend bezahlbare und zugleich wirtschaftlich tragfähige Wohnangebote schaffen.“
