Ein Instrument zur Messung der Kreditvergabebereitschaft, das Restriktionen und Progressivität der Kreditvergabe darstellt.
Der Sentiment-Index für Immobilienfinanzierer steigt von -15,30 auf -13,79 Zähler. (Quelle: BF.direkt AG)

Finanzierung 2024-09-09T07:33:42.910Z Bessere Stimmung trotz schlechterer Finanzierungsbedingungen

Weitere Stimmungsaufhellung beim BF-Quartalsbarometer: Der Sentiment-Index für Immobilienfinanzierer steigt zum vierten Mal in Folge.

Das BF-Quartalsbarometer steigt zum vierten Mal in Folge leicht an. Der Sentiment-Index der Immobilienfinanzierer erreicht im dritten Quartal 2024 -13,79 Zähler, nach -15,30 im Vorquartal. Im dritten Quartal 2023 wurde der Tiefststand von -20,22 erreicht; der bisherige Höchstwert lag bei +8,11 im ersten Quartal 2015.

Grafik zeigt die Entwicklung der Kreditvergabe von 2021 bis 2024.
Die Entwicklung des Sentiment-Index von Q3/21 bis Q3/24. (Quelle: BF.direkt AG)

„Auch wenn der Barometerwert noch immer deutlich im Minus ist, lässt sich nun klar ein Aufwärtstrend erkennen“, kommentiert Fabio Carrozza, Geschäftsführer der BF Real Estate Finance. „Das wieder anziehende Neugeschäft, größere Kreditvolumina und nicht mehr weiter steigende Liquiditätskosten sorgen für bessere Stimmung. Auch die sinkenden Margen setzen einen positiven Impuls, weil sie ein Indikator für sinkendes Risiko sind.“

Schlechtere Finanzierungsbedingungen als im Vorquartal

Professor Dr. Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der Irebs und wissenschaftlicher Berater des BF-Quartalsbarometers, stellt fest: „Bemerkenswert ist, dass der Barometerwert gestiegen ist, obwohl die Panelteilnehmer die Finanzierungsbedingungen insgesamt als schlechter wahrnehmen als im Vorquartal. Insgesamt würde ich von einem stagnierenden Markt mit leichten Aufwärtstendenzen sprechen. Für die Finanzierer bleibt das Umfeld zwar weiter schwierig, aber sie kommen damit immer besser zurecht.“

Die aktuelle Lage am Finanzierungsmarkt betrachten 72,7 Prozent der befragten Experten als noch restriktiver, 5,3 Prozentpunkte (pp) mehr als noch im zweiten Quartal. Der Rest des Panels berichtet von unveränderten Bedingungen, niemand meldete progressivere Bedingungen. Als Gründe für diese Einschätzung werden die weiterhin schwierige Marktlage mit verhaltener Transaktionstätigkeit, das anspruchsvolle Zinsumfeld und die hohen Baukosten genannt. Auch die Risikoaversion der Finanzierungsbranche und die hohen Ansprüche an Kreditnehmer werden erwähnt.

Positiv auf den Barometerwert wirkt sich aus, dass etwas mehr Umfrageteilnehmer von unverändert oder neuerdings ansteigendem Neugeschäft (inklusive Prolongationen) berichten (21,2 Prozent der Teilnehmer, +3,8 pp). Insgesamt registrieren 36,3 Prozent der Experten (-2,7 pp) unverändert oder neuerdings abnehmendes Neugeschäft, eine Stagnation sehen 42,4 Prozent (-1,1 pp). Hinzu kommt, dass die Kreditvolumina wieder etwas größer werden. Das durchschnittliche Einzelgeschäft erreicht bei 18,8 Prozent der Befragten wieder eine Spanne zwischen 50 und 100 Millionen Euro (+7,6 pp). Dafür nahm die Spanne unter zehn Millionen Euro um 8,3 Prozentpunkte auf 40,6 Prozent ab.

Die Durchschnittsmargen sind deutlich gesunken. In der Bestandsfinanzierung betragen sie über alle Nutzungsarten hinweg aktuell 217 Basispunkte (bp; Q2 2024: 246 bp), in der Projektentwicklungsfinanzierung 312 Basispunkte (Q2 2024: 336 bp). Uneinheitlich entwickeln sich die Beleihungsausläufe im Quartalsvergleich: Die Loan-to-Values der Bestandsfinanzierungen sind um drei Prozentpunkte auf 58 Prozent gefallen, die Loan-to-Costs der Entwicklungsfinanzierungen leicht um 1,1 Prozentpunkte auf 67,3 Prozent gestiegen.

Für positive Impulse auf den Barometerwert sorgte, dass die Refinanzierungsaufschläge nicht weiter gestiegen sind. Bei den zusätzlichen Liquiditätskosten beobachten 72,4 Prozent (+16 pp) der Befragten eine Stagnation und je 13,8 Prozent steigende (-17 pp) bzw. sinkende Liquiditätskosten (+1 pp).

Bei der Frage, welche Nutzungsart das jeweilige Institut derzeit finanziert, liegen Wohnimmobilien im Bestand mit 84,8 Prozent der Nennungen weiterhin klar vorn. Deutliche Abweichungen zeigen sich im Zweijahresvergleich: Gaben im dritten Quartal 2022 noch 92,3 Prozent der Experten an, Büroimmobilienbestand zu finanzieren, waren es im dritten Quartal 2024 nurmehr 63,6 Prozent. Bei Büroprojektentwicklungen ging die Finanzierungsbereitschaft noch weiter zurück, von 81,8 auf 39,4 Prozent. Im Gegensatz dazu gewähren wieder mehr Institute Kredite für Hotels: 48,5 Prozent finanzieren Bestände (Q3 2022: 19,2 Prozent), 42,4 Prozent begleiten Projektentwicklungen (Q3 2022: 22,7 Prozent).

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zuletzt editiert am 09. September 2024
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