Mehrfamilienhaus im Rohbau auf einer städtischen Baustelle mit sichtbarer Backstein-Fassade und großen Fensteröffnungen. Ein gelber Turmdrehkran und Gerüste umgeben das mehrstöckige Gebäude, im Vordergrund liegen Baumaterialien und ein Betonmischer. Neben dem entstehenden Wohngebäude ist eine Baugrube und Nachbarbebauung erkennbar, der Himmel ist teils bewölkt.
Die Baugenehmigungen verzeichnen seit einem Jahr in Folge ein Plus. „Wir sehen Bewegung auf dem Papier, aber Wohnraum entsteht auf der Baustelle“, heißt es dazu von Seiten des ZIA. (Quelle: Pixabay)

Standorte & Märkte 2026-07-17T09:20:19.749Z Baugenehmigungen steigen – Branche bleibt skeptisch

Die Zahl der Baugenehmigungen legt weiter zu. Verbände sehen darin zwar ein positives Signal, warnen aber vor voreiligen Schlüssen.

Der Aufwärtstrend bei den Baugenehmigungen setzt sich fort. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Mai 2026 bundesweit 21.000 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Plus von 24,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Von Januar bis Mai summierte sich die Zahl der Genehmigungen auf 104.700 Wohnungen und lag damit 15,4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich fiel der Zuwachs im Neubau aus. Dort wurden 86.000 Wohnungen genehmigt – ein Anstieg von 16,6 Prozent. Die stärksten Zuwächse verzeichneten Mehrfamilienhäuser mit 56.100 genehmigten Wohnungen (+18,9 Prozent).

Verbände sehen noch keine Trendwende

Trotz der positiven Entwicklung warnen Branchenverbände davor, die Zahlen als Ende der Wohnungsbaukrise zu interpretieren. Einigkeit besteht darüber, dass zwischen Genehmigung und Fertigstellung weiterhin eine große Lücke klafft.

„Wir sehen Bewegung auf dem Papier, aber Wohnraum entsteht auf der Baustelle“, sagt ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan. Jetzt müsse die Politik unter anderem für verlässliche Finanzierungsbedingungen, den Gebäudetyp E und Planungssicherheit sorgen.

Auch der GdW bewertet die Entwicklung zwar als positives Signal, sieht aber noch keine Trendwende. Viele bereits genehmigte Projekte seien aufgrund hoher Bau- und Finanzierungskosten wirtschaftlich nicht umsetzbar. Der Verband rechnet für 2026 weiterhin mit lediglich rund 200.000 fertiggestellten Wohnungen – bei einem jährlichen Bedarf von etwa 320.000.

In eine ähnliche Richtung argumentieren der Immobilienverband Deutschland (IVD) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Beide verweisen darauf, dass sich die bessere Genehmigungslage bislang nicht in einer spürbaren Belebung der Bautätigkeit niederschlage. Investitionsentscheidungen würden weiterhin durch hohe Kosten, unsichere Förderbedingungen und fehlende Planungssicherheit gebremst.

Forderungen an die Politik

Bei den Lösungsansätzen setzen die Verbände unterschiedliche Akzente. Der ZIA fordert unter anderem eigenkapitalersetzende Finanzierungsinstrumente, den zügigen Start des Gebäudetyps E sowie Rechtssicherheit für Investoren. Der GdW plädiert für langfristig verlässliche Förderprogramme und niedrigere Bau- und Finanzierungskosten.

Der IVD sieht im angekündigten „Pakt fürs Eigentum“ der Bundesregierung eine Chance, den Wohnungsbau zu beleben, und fordert steuerliche Entlastungen beim Erwerb selbstgenutzter Immobilien. Die Bauindustrie mahnt neben einer verlässlichen Förderkulisse insbesondere strukturelle Reformen an. Dazu zählen serielle und modulare Bauweisen, eine stärkere Digitalisierung sowie kostenreduzierte Baustandards.

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zuletzt editiert am 17. Juli 2026
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