Baustelle Wohnungsbau
Von Januar bis November 2022 wurden 5,8 Prozent weniger Wohnungen genehmigt als noch im Vorjahr. Die Immobilienverbände warnen, dass dies nur der Anfang einer rasanten Talfahrt ist. (Quelle: Pixabay)

Standorte & Märkte 2023-01-19T08:40:44.272Z "Erst der Beginn einer rasanten Talfahrt"

Angesichts des erneuten Rückgangs der Baugenehmigungen sprechen die Immobilienverbände ZIA, BFW und GDW eindringliche Warnungen aus.

Von Januar bis November 2022 wurden laut Statistischen Bundesamt 276.474 Wohnungen genehmigt. Das waren 5,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei ging die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 15,9 Prozent zurück. Bei den Zweifamilienhäusern sank die Zahl genehmigter Wohnungen um 10,1 Prozent. Ein kleines Plus von 1,2 Prozent wurde bei Mehrfamilienhäusern erreicht.

Der bezahlbare Wohnungsbau bricht laut GDW um ein Drittel ein: von den ursprünglich geplanten 61.000 Wohnungen werden die Unternehmen im Verband knapp 20.000 weniger errichten können. Im sozialen Wohnungsbau seien die Aussichten ähnlich schlecht: Mehr als ein Fünftel der für 2023 und 2024 geplanten Sozialwohnungen (21 Prozent) werden die Wohnungsunternehmen nicht realisieren können. Statt 20.000 neuer Sozialwohnungen werden rund 4.200 weniger entstehen.

"Regierung muss sofort gegensteuern"

„Eine Verkettung von historisch schlechten Baubedingungen und eklatante Fehler der Regierung lassen den bezahlbaren Wohnungsbau aktuell dramatisch einbrechen“, kommentiert GDW-Präsident Axel Gedaschko. „Und das angesichts einer zu erwartenden – und notwendigen – hohen Zuwanderung nach Deutschland. Die Regierung muss beim Wohnungsbau sofort um- und gegensteuern, um ein Drama für die Wohnungssuchenden abzuwenden.“

„Gerade weil die Kurve nach unten sich zunehmend als bedrohlicher Trend erweist, wäre ein Gewöhnungseffekt fatal. (...) Jetzt ist der Kanzler gefragt: Das Thema muss ein Anliegen der gesamten Bundesregierung werden“, fordert ZIA-Hauptgeschäftsführer Oliver Wittke. Er verweist auf die Eröffnung der LNG-Terminals, die binnen wenige Monate gelang: „Es kommt jetzt auch auf das Tempo an. Wilhelmshaven und  Lubmin wären ein super Benchmark für politisches Veränderungstempo, um der Bau- und Immobilienwirtschaft den dringend nötigen Schub zu verpassen.“

"Die Projekte liegen alle auf Eis"

„Genehmigt heißt eben nicht gebaut“, unterstreicht BFW-Präsident Dirk Salewski. „Wir befinden uns erst am Beginn einer rasanten Talfahrt. Die erteilte Baugenehmigung ist der Blick in die Vergangenheit, die Anträge wurden viele Monate zuvor gestellt, weit vor der jetzigen Krise. Unsere aktuelle Umfrage unter den BFW-Mitgliedsunternehmen hat gezeigt: Die Projekte liegen alle auf Eis. Es werden keine Anträge mehr gestellt, weil niemand mehr bauen kann. Es rechnet sich schlicht nicht, der Kipppunkt ist erreicht. Auch bei den Mehrfamilienhäusern werden die Zahlen dramatisch sinken.“

Klimaziele in Gefahr

Eine ebenso dramatische Lage zeigt sich auch bei den eigentlich geplanten Modernisierungsvorhaben: Rund ein Fünftel der vorgesehenen Modernisierungsmaßnahmen (19 Prozent) werden die sozial orientierten Wohnungsunternehmen 2023 und 2024 laut GDW nicht umsetzen können. Von den ursprünglich vorgesehenen rund 272.000 Wohneinheiten werden 53.000 weniger erneuert werden können. Von den verbleibenden etwa 219.000 Wohnungen wird wiederum bei einem Fünftel (19 Prozent) der Umfang der Maßnahmen bei der Modernisierung deutlich reduziert werden müssen. Das betrifft insbesondere die energetische Modernisierung: Von den ursprünglich geplanten 200.000 Wohnungen wird in diesem und im kommenden Jahr mehr als ein Fünftel (21 Prozent) weniger energetisch modernisiert werden können. 43.000 Wohnungen werden also wegen der schlechten Rahmenbedingungen nicht in einen klimagerechten Zustand gebracht werden können.

„Nicht nur die Wohnungsbauziele, sondern auch die Klimaziele werden zunehmend unerreichbar. Die Bundesregierung kann und muss die teils nicht selbst verschuldeten, teils aber eindeutig staatlich verursachten Fehlentwicklungen dringend mit handfesten Maßnahmen angehen“, fordert Gedaschko.

Bauministerium zeigt sich optimistisch

Deutlich positiver legt das Bundesbauministerium die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in einem Beitrag auf der Social-Media-Plattform Twitter aus: "In den ersten elf Monaten 2022 wurden mehr Wohnungen genehmigt, als im ganzen Jahr 2021 gebaut. Der Bauüberhang wächst weiter und damit das Potenzial, das es mit mehr Produktivität künftig zu heben gilt. Der positive Trend bei Mehrfamilienhäusern spart Flächen und Ressourcen", heißt es in dem Tweet vom 18. Januar.

Auch interessant:

zuletzt editiert am 31. Januar 2023
Newsletter