Abenddämmerung mit Silhouette von Baukränen gegen den farbenfrohen Himmel des Sonnenuntergangs
Im ersten Halbjahr 2024 wurden nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 21,1 Prozent weniger Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum. (Quelle: Pexels, Pixabay)

Standorte & Märkte 2024-08-16T06:57:33.645Z Düstere Halbjahresbilanz im Wohnungsbau

Laut den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind die genehmigten Wohnungen im Juni 2024 weiter zweistellig zurückgegangen.

Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind da: Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Baugenehmigungen für Wohnungen im Juni 2024 um 19 Prozent zurückgegangen. 17.600 Wohnungen wurden genehmigt, das sind 4.100 Einheiten weniger als im Juni 2023. Der Blick auf das gesamte erste Halbjahr 2024 fällt nicht besser aus: Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten 106.700 Wohnungen genehmigt – das waren 21,1 Prozent oder 28 500 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum.

Schöberl: „The same procedure as every month“

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) hält einen Abschied vom Routine-Modus für zwingend: „Die Veröffentlichung der Statistik der Baugenehmigungen erinnert immer mehr an Dinner for One: The same procedure as every month“, sagt ZIA-Präsidentin Iris Schöberl. „Nur dürfen wir uns auf keinen Fall an diese traurigen Zahlen gewöhnen, weil Wohnungssuchende zunehmend verzweifeln.“ Die außergewöhnliche Lage erfordere „außergewöhnliche Antworten“, so Schöberl. „Es braucht den Abschied vom Routine-Modus, und zwar schnell.“ Es komme gerade einiges politisch in Bewegung, aber eben „noch nicht genug“.

„Das erste Halbjahr lieferte aus wohnungsbaupolitischer Sicht eine weitere große Enttäuschung“, kommentiert Tim Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. „Wir steuern auf das schwächste Genehmigungsniveau seit dem Jahr 2010 zu. Der Wohnungsmangel in Ballungsgebieten und ihrem Umland sowie in vielen Regionalzentren wird dadurch zementiert.“ Hoffnung auf eine Belebung sei weiterhin nicht in Sicht, mahnt er. Das wichtigste Segment für die Wohnungsversorgung der Bevölkerung sei der Bau von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, auf den zwei Drittel des Neubaus entfielen. Hier sei das Genehmigungsvolumen von Januar bis Juni um weitere 20,8 Prozent eingebrochen, nachdem bereits im Vorjahr ein Rückgang um ein Viertel verzeichnet wurde. Noch schlimmer sehe es im klassischen Eigenheimbau aus. Halte die aktuelle Genehmigungsflaute an, würde im Jahr 2024 mit rund 45.000 Wohnungen in Ein-und Zweifamilienhäusern der bisherige Tiefpunkt des Jahres 2008 um die Hälfte unterboten, so Müller. „Das führt in der Konsequenz auch dazu, dass potentielle Eigenheimbauer weiter in ihren Mietwohnungen bleiben, und diese somit nicht für andere Mieterinnen und Mieter frei werden.“

Der ZIA sieht im neuen Baugesetzbuch eine große Chance auf die Beseitigung wichtiger Hürden. Hier sind aber nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. „Die Neubaulücke beträgt etwa 600.000 Wohnungen – da können wir nicht starr an alten Regeln festhalten. Als 2015 Flüchtlinge nach Deutschland kamen, wurden Sonderregeln geschaffen. Genau die braucht es jetzt wieder“, sagt Schöberl. Konkret: Die Sonderregeln im Paragrafen 246, die bisher nur für Flüchtlingsunterkünfte gelten, sollen auf Mietwohnungsbau ausgeweitet werden. „Das ist ein ganz entscheidender Punkt, der unbedingt in die Novelle des Baugesetzbuchs aufgenommen werden muss“, so Schöberl. Es sei jetzt entscheidend, dass schneller Grundstücke für den Wohnungsbau genutzt werden können.

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zuletzt editiert am 16. August 2024