Porträtfoto von Andre Kazmierski
André Kazmierski, Geschäftsführer der Stadtbau Aschaffenburg (Quelle: Stadtbau Aschaffenburg)

Nachhaltigkeit & ESG 2023-11-09T11:10:47.413Z Aus der Praxis - Nachhaltigkeitsberichterstattung

Vor der Mammutaufgabe Nachhaltigkeitsberichterstattung stehen derzeit viele Marktakteure. Dabei könnte es eine Chance für die Unternehmensentwicklung in der Zeitenwende sein!? 

Ein Kommentar von André Kazmierski, Geschäftsführer der Stadtbau Aschaffenburg.

Im Sommer 2020 rückte Klimaneutralität zunehmend in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung. Auch wir als Stadtbau Aschaffenburg GmbH begannen uns im Spätsommer 2020 die Frage zu stellen, wie wir uns in dem durchaus sehr komplexen Thema strategisch aufstellen.

Es wurde sehr schnell klar, dass das sehr wichtige strategische Ziel der Klimaneutralität nicht alleine und vor allem nicht isoliert betrachtet werden kann. Im größeren Kontext ist es erforderlich, diesen Aspekt unter der Überschrift der „Nachhaltigkeit | ESG“ zu betrachten.

Um die Bedeutung der Nachhaltigkeit hervorzuheben und Arbeitsschwerpunkte zu definieren, wurde im Jahr 2021 eine Stabsstelle etabliert, die sich ausschließlich diesem Themenkomplex widmet und diesen Bereich innovativ, unternehmensübergreifend, kontinuierlich und professionell vorantreibt.

CO2 – Bilanzierung

Abseits davon wollten wir in einem ersten Schritt unsere CO2-Bilanzierung vornehmen. Wir traten der Initiative Wohnen 2050 bei, einem Netzwerkbündnis von Wohnungsunternehmen. Durch den Wissenstransfer dieses Bündnisses und mit den zur Verfügung gestellten IT-Tools waren wir in der Lage, unsere erste CO2-Bilanz aufzustellen, die wir gemeinsam mit dem VdW-Bayern erarbeiteten. Auf der Basis dieser ersten CO2-Bilanz erarbeiteten wir 2021 und 2022 unsere Klimastrategie.

Nachhaltigkeitsberichterstattung

Wie eingangs bereits beschrieben, betrachten wir Nachhaltigkeit als Herausforderung, welche das gesamte Unternehmen dauerhaft betrifft.

Die Herausforderungen sind dabei vielseitig. Sie beziehen sich nicht nur auf den Klimaschutz, sondern beispielsweise auch auf den Klimawandel, den Umweltschutz, die Digitalisierung, den Fachkräftemangel, die zunehmende Regulierung der Branche und natürlich den Bedarf an kostengünstigem und bezahlbarem Wohnen.

2022 wollten wir daher systematisch und detailliert das Thema Nachhaltigkeit bei der Stadtbau Aschaffenburg bewerten. Wichtig für uns: Ein branchenübergreifender Transparenzstandard für die Berichterstattung unternehmerischer Nachhaltigkeitsleistungen. Wir entschieden uns für den Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Die Berichterstattung sahen wir nicht als notwendiges Übel. Immerhin haben wir die DNK Entsprechenserklärung freiwillig abgebeben.

Das Geschäftsmodell kommunaler Wohnungsbauunternehmen ist ein grundsätzlich nachhaltiges Geschäftsmodell und in einer großen Nachhaltigkeitsdebatte durchaus auch erwähnenswert. Nicht nur das Geschäftsmodell ist grundsätzlich nachhaltig. Ebenfalls ist es der geschäftliche Alltag und das Engagement in Sachen Klimaschutz – das ist nicht neu.

Ohnehin war 2021 und 2022 bereits absehbar, dass es ergänzend zur finanziellen Berichterstattung eine weitergehende Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung geben wird.

Doch nicht alles ist so einfach…

Wir waren also der Meinung, dass alle Dokumente vorliegen, unser Geschäftsmodell nachhaltig ist, wir Nachhaltigkeit im Alltag leben und es lediglich noch ein Strukturieren und Vereinheitlichen von Daten und Abläufen benötigt und schon ist der Bericht fertig. Es stellte sich heraus, dass „lediglich“ doch etwas naiv formuliert ist.

Wie zu Beginn schon erwähnt, haben wir sehr früh begonnen, Klimaneutralität und die übergeordnete Nachhaltigkeit als Unternehmensentwicklung zu sehen.

Eine Chance für die Unternehmensentwicklung?

Energiekrise, zunehmende Regulatorik, Lieferkettenprobleme - um nur einige Punkte zu nennen – kamen erschwerend auf die Branche in einer unglaublich dynamischen Gleichzeitigkeit hinzu. Wir sind derzeit sehr stolz darauf, dass die Stadtbau Aschaffenburg es geschafft hat, mit all diesen Herausforderungen in einem sehr guten Tempo erfolgreich umzugehen. Etablierte Strukturen können bei dieser zunehmenden Dynamik aber an ihre Grenzen gelangen – vor allem dann, wenn die Krisensituation zum Normalfall wird.

Die vielen neuen Herausforderungen zeigten sehr konkret auf, wo wir uns noch entwickeln können. Diesen Entwicklungen stellen wir uns mit der Zukunftswerkstatt, die wir Ende 2022 initiiert haben. Die Zukunftswerkstatt der Stadtbau Aschaffenburg ist ein auf Mitarbeiterpartizipation ausgerichtetes Format der Unternehmensentwicklung, in dem auch Elemente der Aufbau- und Ablauforganisation weiterentwickelt werden. Zudem werden Bereiche von New Work, Digitalisierung und Kommunikation in interdisziplinären Teams des Unternehmens er- und bearbeitet.

Im Rahmen dieses Projektes haben wir begonnen, Prozesse zu verändern – sozusagen als Reaktion auf die dynamische Gleichzeitigkeit und die Veränderung des Marktumfelds.

Nachdem wir diese Entwicklung begannen, stellten wir fest, dass wir sehr schnell auf Themengebiete wie Personalentwicklung und Unternehmenskultur stoßen, die man ebenfalls ganzheitlich und im Prozess betrachten muss.

Unternehmensentwicklung – ja, aber nur wenn…!

Selbstverständlich müssen Mitarbeiter in regelmäßigen Veranstaltungen informiert werden – es geht nur gemeinsam - und so zeigt sich in Aschaffenburg nach rund drei Jahren, dass in der Überschrift der Nachhaltigkeitsberichterstattung eine große Chance für die Unternehmensentwicklung besteht. Zugegebenermaßen ist das durchaus anspruchsvoller als „mal eben…“

Unser Fazit: Nachhaltigkeitsberichterstattung – ja. Aber bitte, nur so viel wie wirklich notwendig, ohne am guten Kern der Nachhaltigkeit vorbeizuschliddern! Zudem sollte der gesamte Themenkomplex dazu genutzt werden, Unternehmen in der Zeitenwende zu entwickeln.

Wer sich für unseren Nachhaltigkeitsbericht inklusive unserer Roadmap interessiert – findet ihn hier:

STBA-NB-2023-5-MB.pdf (stadtbau-aschaffenburg.de)

zuletzt editiert am 10. November 2023
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