Stadt, Einzelhandel und ein Münchner Tech-Unternehmen öffnen Parkplätze nachts für Anwohner – ohne Neubau oder bauliche Eingriffe.
Die Stadt Augsburg erprobt ein neues Modell zur Entlastung des innerstädtischen Parkdrucks. Gemeinsam mit Aldi Süd und dem Münchner Technologieunternehmen Wemolo startet ein Feierabendparken-Programm an vier Standorten im Stadtgebiet. Ziel ist es, bestehende Handelsparkplätze außerhalb der Ladenöffnungszeiten für Anwohnende nutzbar zu machen.
Der erste Standort in der Innenstadt an der Lechhauser Straße 15a ist nach Angaben der Beteiligten bereits buchbar. Weitere Flächen in Oberhausen, Lechhausen und Göggingen sollen im Laufe des Februars folgen. Insgesamt entstehen rund 110 zusätzliche Stellplätze.
Doppelnutzung bestehender Parkflächen
Das Konzept basiert auf einer zeitlich getrennten Nutzung der Stellplätze. Tagsüber stehen die Flächen weiterhin Kundinnen und Kunden zur Verfügung, abends und nachts werden sie digital für Anwohnende freigegeben.
Die technische Umsetzung erfolgt über eine KI-gestützte Kennzeichenerkennung des Proptech-Unternehmens Wemolo. Das System arbeitet ohne Schranken und kommt ohne bauliche Anpassungen der Parkflächen aus. Die Buchung erfolgt über eine Web-App oder QR-Codes vor Ort.
Parkberechtigungen gelten montags bis samstags von 18:30 bis 8:30 Uhr sowie sonntags ganztägig. Nutzerinnen und Nutzer können zwischen Nacht-, Wochen- und Monatstarifen wählen.
Kommune setzt auf Flächeneffizienz
Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber bewertet das Modell als Beitrag zu einer effizienteren Nutzung bestehender Infrastrukturen: „Damit Mobilität in unserer Stadt gut funktioniert, müssen wir neue Lösungen mitdenken. Das Modell Feierabendparken ist ein pragmatischer Ansatz, den ich ausdrücklich begrüße, weil er vorhandene Flächen sinnvoll nutzt.“
Gerade in dicht bebauten Quartieren, in denen abends Anwohnende, Kundschaft und Pendelnde um begrenzte Stellplatzkapazitäten konkurrieren, soll das Modell zusätzliche Entlastung schaffen.
Auch Aldi Süd sieht in der zeitlichen Mehrfachnutzung bestehender Parkflächen Potenziale. Christoph Cleesattel, Director Real Estate bei Aldi Süd, erklärt: „Das innovative Feierabendparken ermöglicht eine nachhaltige und effiziente Nutzung bestehender Parkflächen, die vor allem Anwohnerinnen und Anwohnern spürbare Entlastung bietet.“ Das Modell könne eine sinnvolle Ergänzung kommunaler Mobilitätsstrategien darstellen und dazu beitragen, zusätzliche Flächenversiegelungen zu vermeiden.
Digitale Steuerung des Parkraums
Wemolo setzt bei dem Projekt auf eine vollständig digitale Parkraumbewirtschaftung. Sebastian Pyschik, Key Account Manager Retail bei Wemolo, verweist auf den infrastrukturellen Ansatz: „Augsburg zeigt, wie sich der innerstädtische Parkdruck entschärfen lässt, ohne neue Flächen zu versiegeln. Die Lösung liegt in der intelligenten Nutzung bestehender Parkflächen.“ Nach Unternehmensangaben ist die Technologie bereits auf mehreren Tausend Parkflächen in Europa im Einsatz.
Kommunen und Mobilitätsexperten verweisen seit Jahren auf den Einfluss des Parksuchverkehrs auf die innerstädtische Verkehrsbelastung. Studien gehen davon aus, dass ein relevanter Anteil des urbanen Verkehrsaufkommens auf die Suche nach Stellplätzen zurückzuführen ist.
