Deloitte: Notleidende Kredite steigen auf knapp 50 Mrd. Euro. Banken verschärfen Kriterien – Debt Fonds und Private Credit werden wichtiger.
Die neue Deloitte‑Studie „Kreditmarkt‑Insights 2026“ dokumentiert einen spürbaren Anstieg notleidender Kredite in Deutschland und einen strukturellen Wandel im Kreditmarkt. Notleidende Forderungen (NPLs) kletterten seit Anfang 2023 von rund 32 Mrd. Euro auf knapp 50 Mrd. Euro. Parallel stieg der Anteil der Stage‑2‑Kredite – Kredite mit erhöhtem Ausfallrisiko – von etwa 6 Prozent (2020) auf rund 16 Prozent.
Datenlage und betroffene Segmente
Besonders betroffen sind Gewerbeimmobilien, mittelständische Unternehmen und Konsumentenkredite. Rund jeder siebte Kredit‑Euro steht inzwischen unter erhöhter Risikobeobachtung. Die Studie basiert auf einer Befragung im Mai 2026 von Führungskräften und Kreditexperten aus 118 Instituten sowie zwölf Debt‑Fonds.Marktstimmung und Kreditvergabe56 Prozent der befragten Institute bewerten die wirtschaftliche Lage Deutschlands als schlecht oder sehr schlecht. Etwa drei Viertel planen, ihre Kreditvergabekriterien weiter zu verschärfen. Deloitte weist darauf hin, dass zusätzliche regulatorische Anforderungen den Eigenkapitalbedarf der Institute erhöhen – was die Risikopositionen weiter beeinflusst.
Die Zinslast für neue Finanzierungen hat deutlich zugenommen: Neuverträge werden vielfach zu Zinssätzen über 4 Prozent abgeschlossen, während bis 2022 zwei von fünf Unternehmenskrediten im Schnitt bei 1,7 Prozent lagen. Die anstehende Erneuerung zahlreicher Kredite aus der Niedrigzinsphase erhöht Druck auf Margen und steigert das Ausfallrisiko, insbesondere im Mittelstand und im Immobiliensektor.
„Die Studie zeigt: Der deutsche Kreditmarkt steckt in einem strukturellen Wandel“, erklärt Christoph Roessle, Partner bei Deloitte und Studienautor. „Die Herausforderung der nächsten Jahre ist weniger fehlendes Kapital, sondern vielmehr der Zugang zu bezahlbarer Finanzierung. Denn dieser wird anspruchsvoller und teurer.“
imAward 2027: Transaktionen – Finanzierungen – Strukturen
Wir suchen herausragende Projekte und Strategien, die den Zugang zu Kapital, die Strukturierung von Finanzierungen oder die Wirkung nachhaltiger Investments auf ein neues Level heben. Bewerben Sie sich noch bis zum 13. Dezember 2026 für den immobilienmanager-Award in der Kategorie Kapitalstrukturierung & Finanzierung ! Einmal angelegt, können Sie Ihre Bewerbung bis zu diesem Zeitpunkt jederzeit anpassen.
Der europäische Markt für Private Credit wächst dynamisch: Das jährliche Finanzierungsvolumen stieg von rund 8 Mrd. Euro (2015) auf etwa 62 Mrd. Euro. Debt Fonds werden verstärkt als flexible Alternative zur Bankenfinanzierung genutzt – etwa bei Infrastruktur‑, Energie‑, Mittelstands‑, Restrukturierungs‑ und Immobilienfinanzierungen.
„Private Credit entwickelt sich von einer Nischenlösung zu einem festen Bestandteil der Unternehmensfinanzierung in Deutschland“, so Roessle weiter. Banken stehen dadurch vor der strategischen Frage, ob sie Debt Fonds künftig als Wettbewerber, Partner oder durch eigene Angebote in ihr Geschäftsmodell integrieren wollen.
Auswirkungen für die Immobilienwirtschaft
Für die gewerbliche Immobilienwirtschaft bedeuten schärfere Bankkriterien und teurere Refinanzierungen: gesteigerte Anforderungen an Sicherheiten, selektivere Kreditentscheidungen und mögliche Finanzierungslücken. Gleichzeitig eröffnen Debt Fonds und Private‑Credit‑Anbieter alternative Finanzierungswege – insbesondere für Cashflow‑starke Bestandsobjekte und Projekte mit stabilen Ertragsprofilen.
Deloitte rät Unternehmen, frühzeitig Refinanzierungspläne zu erstellen, Finanzierungsquellen zu diversifizieren und alternative Kapitalgeber in die Finanzierungsstrategie einzubeziehen. Für Banken und Investoren gelten abgestimmte Risiko‑ und Partnerschaftsstrategien als Schlüssel, um Chancen aus dem Marktstrukturwandel zu nutzen.
