Die Flächen für neue Immobilienprojekte in der Hauptstadt sind knapp. Das könnte die Entwicklung neuer Projekte am weltbekannten Zentrum der City Ost beschleunigen. Doch kaum eine Immobilienentwicklung am Alex kommt voran.
Die Dynamik Berlins ist beeindruckend. Das führt dazu, dass die Büroflächen im Bau bei weitem nicht ausreichen, um die Nachfrage in den nächsten Jahren zu decken. Wie schnell neue Angebote absorbiert werden, zeigt die Europacity am
Hauptbahnhof. Ähnlich sieht es in der Mediaspree aus, dem zweiten wichtigen Entwicklungsgebiet der letzten Jahre.
Natürlich schließt sich sofort die Frage an, wo es noch Bereiche gibt, die zu neuen Impulsgebern werden können?
Mit an erster Stelle zu nennen ist in diesem Zusammenhang sicherlich der Alexanderplatz. Er ist nicht nur der bekannteste Platz in Berlin, sondern seit jeher auch ein prominenter Treffpunkt. Mit dem Bahnhof Alexanderplatz stellt er eine zentrale Schnittstelle für den gesamten ÖPNV dar, mit mehr als 360.000 Fahrgästen beziehungsweise Passanten pro Tag. Bessere Voraussetzungen für einen zentralen Top-Standort mit unterschiedlichen Nutzungen kann man sich kaum vorstellen.
Elf neue Hochhäuser möglich
Im Einzelhandel wurden in den vergangenen Jahren mit dem Shopping Center „Alexa“ und dem Geschäftshaus „Die
Mitte“ bereits neue Weichen gestellt. Trotzdem bietet der Alexanderplatz noch jede Menge Potenzial, das genutzt werden könnte und sollte. Dies gilt auch vor dem Hintergrund des vorliegenden Masterplans von Professor Hans Kollhoff aus
1993, der in diesem Jahr noch einmal angepasst wurde. Er sieht unter anderem den Rückbau der überdimensionierten
Straßenräume sowie die Kombination von Blockstruktur und Hochhäusern vor.
Insgesamt könnten nach aktuellen Planungen elf Hochhäuser entstehen. Um den Charakter und die Einmaligkeit
des städtebaulichen Ensembles nicht komplett zu verändern, wurden darüber hinaus einige Objekte, wie das Haus des
Berliner Verlags oder das Haus des Reisens, unter Denkmalschutz gestellt.
Obwohl also sowohl die markt- als auch planungsseitigen Voraussetzungen grundsätzlich bestehen, machen viele der
prinzipiell geplanten Projekte keine Fortschritte in Richtung Realisierung. Lediglich bei zwei Hochhausplanungen, einem
circa 150 Meter hohen Wohn- und Hotelhochhaus nach Plänen von Frank O. Gehry und einem ebenso hohen Einzelhandels- und Büroturm, der direkt an das Alexa anschließen soll, gibt es fortgeschrittene Planungen.
Darüber hinaus wird das denkmalgeschützte „Pressehaus am Alexanderplatz“ ab Mitte 2017 umfangreich renoviert. Das kürzlich von Tishman Speyer erworbene, rund 27.500 Quadratmeter große Objekt , wird zur Aufwertung des Alexanderplatzes als Bürostandort wesentlich beitragen.
Insgesamt geht die Entwicklung aber nur sehr zögerlich voran. Gerade in der heutigen Zeit, wo Berlin wirtschaftlich
Fahrt aufnimmt und Flächen fehlen, wäre es aber wünschenswert, das Potenzial schneller umzusetzen. Trotz teilweise
unterschiedlicher Interessenslagen bei Stadt, Investoren und Bevölkerung würde es der Hauptstadt gut tun, schnell an
einem Strang zu ziehen, um die Chancen zu nutzen und damit die Wettbewerbsfähigkeit Berlins weiter zu stärken.
Autor: Jan Dohrwardt ist Gechäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH und Berliner Niederlassungsleiter.
Dieser Artikel ist zuerst in der gedruckten Edition Berlin im Nomvember 2016 erschienen.
