Am Freitag will die Große Koalition ein Maßnahmenpaket gegen den Klimawandel präsentieren. Pünktlich zu diesem Datum hat der ZIA nun eine Studie zur Bepreisung des CO2-Ausstoßes vorgelegt.
Der Gebäudesektor wird stark in die Pflicht genommen werden bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes in Deutschland. Wie wird sich seine Bepreisung auf Immobilien, ihre Nutzer und Eigentümer auswirken? Mit dieser Frage befasst sich ein Gutachten der Universität zu Köln, das vom ZIA in Auftrag gegeben wurde.
Bei seiner Präsentation sprach sich Thomas Zinnöcker, Vizepräsident und Vorsitzender des ZIA-Nachhaltigkeitsrats, klar für einen Zertifikatehandel und gegen steuerliche Maßnahmen aus. „Ein nationales Handelssystem verspricht die schnellste Wirkung“, sagte Zinnöcker, denn man könne nicht auf ein europäisches oder globales warten. Es sollte sektoral in den Gebäude- und den Verkehrsbereich unterteilt sein; andernfalls bestünde die Gefahr, dass der Vekehrsbereich, der schneller reagieren kann, den Zertifikatemarkt „leerkauft“. Das hätte hohe Belastungen für die Immobilienwirtschaft zur Folge.
Die Einnahmen aus dem Handel sollten nach Zinnöckers Ansicht nur zur Hälfte direkt an die Nutzer zurückgeführt werden – und dort primär an soziale Härtefälle. Die andere Hälfte sollte in Investitionsförderprogramme für Immobilieneigentümer gesteckt werden. So könnten beide Ziele unterstützt werden: dass einerseits Mieter sparsam mit Energie umgehen und andererseits Vermieter ihre Gebäude optimieren.
Ein Kernproblem für die Immobilienbranche bleibt das Investor-Nutzer-Dilemma: dass der Eigentümer investiert, die Früchte dieser Ausgaben aber der Mieter erntet. Es sei nicht komplett zu lösen, heißt es in der Studie. Aber es lohne sich vor allem, „transparente Contracting-Modelle und smarte Warmmieten“ zu prüfen und weiterzuentwickeln.
Das Resümee der Kölner Wissenschaftler (Energiewirtschaftliches Institut und Finanzwissenschaftliches Forschungsinstitut) fällt skeptisch aus: Die Klimaneutralität des Gebäudebestands sei bis 2050 auch mit weiteren, heute prinzipell schon einsetzbaren Instrumenten kaum zu realisieren. „Deshalb spielt die langfristige Forschung und Entwicklung zukunftsträchtiger Technologien wie synthetischer Power-to-X-Brennstoffe eine zentrale Rolle“, lautet ihr Ausblick.