Fassade eines Wohnhauses. (Quelle: Brandon Griggs/Unsplash)
Die Corona-Pandemie ist einer von mehreren Faktoren, die den Preisanstieg am Wohnungsmarkt deutlich verlangsamen. (Quelle: Brandon Griggs/Unsplash)

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26. October 2021 | Teilen auf:

Wohnungspreise und -mieten entspannen sich

Der deutsche Wohnungsmarkt scheint sich sowohl im Miet- als auch im Kaufsegment erstmals seit Jahren zu beruhigen. Das hat der aktuelle F+B-Wohn-Index ergeben.

Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 3. Quartal 2021 im Vergleich zum Vorquartal nur noch um 0,3 Prozent und im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,3 Prozent. Die mit dem Index gemessene Wachstumsdynamik hat sich also im Verlauf des dritten Quartals 2021 in der Gesamtschau des deutschen Wohnimmobilienmarktes noch weiter abgeschwächt.

Ursachen waren sowohl die deutlich reduzierten Preissteigerungen für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern als auch die Stagnation bei den Angebots- und Bestandsmieten. Damit scheint sich erstmals seit vielen Jahren sowohl im Miet- als auch im Kaufsegment der deutsche Wohnungsmarkt zu beruhigen. „Ob diese Entwicklung die von vielen erwartete Abschwungphase einleitet, kann noch nicht sicher vorhergesagt werden“, sagte F+B Geschäftsführer Dr. Bernd Leutner. Fakt ist, dass offenbar mehrere bremsende Faktoren die Preis- und Mietrallye deutlich verlangsamen:

  • die immer noch nicht vollständig überwundene Corona-Pandemie mit ihren mittlerweileknapp 100.000 Todesopfern,
  • die in Bezug auf die Einwohnerzahl nicht mehr weiter wachsenden Metropolen aufgrundnachlassender Fern- und Binnenwanderung,
  • das aufgrund mehrerer Ursachen gebremste Wirtschaftswachstum (Chip-Mangel, gestörte Lieferketten, Explosion der Energiepreise),
  • die deutlich anziehende Inflation,
  • drohende Belastungen für Haus- und Wohnungseigentümern durch weitere Klimaschutzregulierungen,
  • wirtschaftliche Schwierigkeiten einzelner Kapitalmarkt orientierter Wohnungsunternehmenmit begleitenden negativen Presseberichten sowie Berichte über den kompletten Rückzugeinzelner ausländischer Investoren vom deutschen Markt.

Eigentumswohnungen verteuerten sich mit einem Preisanstieg von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal Q2/2021. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern stagnierten die Preise mit 0,0 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal Q3/2020 lag der durchschnittliche Preisanstieg bei Eigentumswohnungen mit 4,9 Prozent deutlich vor den Ein- und Zweifamilienhäusern, die sich um 3,1 Prozent verteuerten.

„Es deutet sich an, dass die im zweiten Quartal 2021 zu beobachtende anziehende Dynamik bei den Neuvertragsmieten nur von vorübergehender Dauer gewesen ist. So sind diese im Vergleich der Quartale Q3/2021 zu Q2/2021 nur noch um 0,2 Prozent, also nur noch marginal gestiegen“, erklärte F+B-Chef Dr. Leutner. Im Jahresvergleich mit dem dritten Quartal 2020 lag die Wachstumsrate der Angebotsmieten noch bei 1,6 Prozent. Auch die Betrachtung der Top 50-Standorte in Deutschland mit dem höchsten Mietenniveau legt eine ähnliche Interpretation für diese erneute Trendumkehr nahe. Im Vergleich zum Vorquartal sind in 23 der 50 teuersten Städte Deutschlands die Mieten bei der Neuvermietung - wenn auch nur leicht - gesunken, während das im davor liegenden Dreimonatszeitraum noch für zwölf Städte zutraf. Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2020 gab es reale Mietpreisrückgänge nur in sechs der teuersten 50 Städte (im davor liegenden Quartalsvergleich Q2/21 zu Q2/20 traf dies auf elf Städte zu). Dr. Leutner: „F+B hatte im Quartal der Bundestagswahl damit gerechnet, dass in Erwartung einer zukünftig schärfer werdenden bundesweiten Mietregulierung und einer soeben verabschiedeten Mietspiegelreform Mieterhöhungsspielräume bei Neuvermietungen eher ausgereizt würden. Das hat sich allerdings nicht bestätigt.“

Die von F+B auf der Basis langjähriger Datenreihen geschätzten Bestandsmieten verteuerten sich bundesweit mit 0,3 Prozent im Vergleich von Q3/2021 zum Vorquartal ganz leicht oberhalb des Niveaus der Angebotsmieten. Zum gleichen Vorjahresquartal verzeichnete F+B einen Anstieg von 1,2 Prozent. Auf Jahressicht wuchsen im Bundesdurchschnitt die Neuvertragsmieten – wie im langjährigen Mittel – etwas stärker als die Bestandsmieten. Der Verbraucherpreisindex (VPI) erhöhte sich im Zeitraum von September 2020 bis September 2021 um 4,1 Prozent, dem höchsten Wert seit Dezember 1993. Damit zeigt sich, dass sich insbesondere die Angebotsmieten im gleichen Jahreszeitraum um 2,5 Prozentpunkte unterhalb des Verbraucherpreisindexes bewegten.

zuletzt editiert am 26.10.2021