Kommentar: Zu Unrecht steht die Metropolregion Nürnberg im Schatten der großen Immobilienzentren, findet Eva-Maria Zurek, CEO der P&P Group.
Für institutionelle Investoren sind in der Regel Berlin, München, Stuttgart, Düsseldorf, Köln und Frankfurt die Hauptattraktionen, gelegentlich ergänzt durch Leipzig, Dresden und Hannover. Eine Region wird dabei oft und zu Unrecht übersehen: die Metropolregion Nürnberg.
Das ist unverständlich.
Denn Nürnberg bietet eine pulsierende Wirtschaft mit einer Vielzahl internationaler und mittelständischer Unternehmen, eine junge Bevölkerung und eine bemerkenswerte Dichte an Groß- und Mittelstädten – eine Besonderheit, die man in Deutschland nur selten findet. Mit Nürnberg, Fürth und Erlangen grenzen drei erstklassige Wirtschaftsstandorte nahezu nahtlos aneinander.Namhafte Unternehmen wie Bosch, Siemens, Datev, Puma und Adidas haben hier ihren Sitz und verleihen der Region eine zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft. Dennoch rümpfen manche Investoren die Nase, wenn ihnen Gewerbe- oder Wohnimmobilien in Erlangen, Fürth, Nürnberg oder gar Herzogenaurach angeboten werden.
Das ist unverständlich.
Wirtschaftlich stärker als Marokko
Die Region von Coburg über Bayreuth bis Neumarkt ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von 151 Milliarden Euro wirtschaftlich stärker als Marokko. Nürnberg selbst weist eine im Bundesvergleich niedrige Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent auf. Allein die zwölf Hochschulen der Region ziehen jährlich tausende Studierende an – derzeit sind es allein in der Stadt Nürnberg 27.000 – und sorgen für eine vergleichsweise junge Bevölkerungsstruktur. Dies übt Druck auf den Wohnungsmarkt aus. Die Oberbürgermeister von Fürth, Erlangen und Nürnberg haben kürzlich in einem dramatischen Appell zur Vermietung an Studierende aufgerufen. Immobilieninvestoren haben hier die Chance, sich dieser Herausforderung zu stellen und nicht leer auszugehen.
Denn Wohninvestments liegen laut dem Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat Nürnberg bei einer Rendite von drei bis 4,5 Prozent und damit über denen der Top 7. Ein Schwerpunkt dürfte in den nächsten Jahren auf dem Bau von Geschosswohnungen zur Vermietung liegen. Gefragt sind vor allem Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen in zentralen Lagen mit gut nutzbaren Grundrissen.
Die Spitzenrenditen für Core-Büroimmobilien in den zentralen Lagen erreichten 2022 bei 3,25 Prozent. Die der Top 7 bewegten sich im gleichen Zeitraum um 2,8 Prozent. Auch der Einzelhandel profitiert von der hohen Kaufkraft der Region und erzielt mit Spitzenrenditen von 4,15 bis 4,6 Prozent hervorragende Ergebnisse.
Investoren haben somit die Chance, durch ein Investment in den Nürnberger Immobilienmarkt den Renditespread gegenüber risikoarmen Staatsanleihen zu erhöhen. Natürlich geht mit einer höheren Rendite auch ein höheres Risiko einher, das in der Metropolregion Nürnberg jedoch nicht auf strukturelle oder fundamentale Faktoren zurückzuführen ist. Vielmehr liegt die Schwierigkeit darin, ohne regionale Expertise in den Markt einzusteigen und einen attraktiven Exit zu realisieren.
Doch wer sich in der Region auskennt, kann auch abseits der Standorte Nürnberg, Erlangen und Fürth zwischen Coburg und Neumarkt die eine oder andere Perle entdecken.
