News 2019-12-13T00:00:00Z Weihnachten unter dem ESG-Stern: E-Scooter, Scheidungen & Glühwein

Traditionell erscheint am 13. Dezember, dem Santa Lucia Tag in Schweden, der Weihnachtsmarkt-Tracker von Catella Research.

Machen wir uns nichts vor, das alljährliche Weihnachtsfest kommt für viele wieder schneller als erwartet. Dabei lassen sich die Vorzeichen bereits Ende September (gefühlter Hochsommer) kaum übersehen, bieten die etablierten Lebensmitteleinzelhändler des Vertrauens doch die Weihnachtsleckereien an.

Noch sagt das Kleinhirn „nein, Spekulatius und Makronen nur bei Schneefall oder zumindest Temperaturen um die Null Grad“. Doch wenn wir die Vorzeichen des Klimawandels richtig deuten, ist der vielgescholtene Retailsektor quasi Trendsetter: Früher und wärmer geht immer. Rotwein aus Finnland und ganzjähriges veganes Käsefondue aus der „mietgedeckelten urban gardening“ Kolchose in Berlin. Natürlich ist auch dem Weihnachtsmann und seinen Helfern die derzeitige Situation nicht entgangen. Proteste wie die „Fridays for Future“ Bewegung, wo junge Menschen um die Zukunft unseres Planeten kämpfen, berühren den Weihnachtsmann besonders tief im Herzen. Auch Investoren habe diese Liebe seit der EXPO Real zuhauf entdeckt. Aber auch sein hoher Bekanntheitsgrad und die in den letzten Jahrhunderten aufgebaute Reputation spielen keine unerhebliche Rolle bei seiner regen Beteiligung bei den Aktivistischen Klima Kämpfern (AKK). Auch wenn er sich in den vielen Jahren immer wieder neu erfunden hat und fragwürdige B2B-Beziehungen eingegangen ist, man denke zuletzt an den Werbedeal, den er mit einer allseits bekannten Getränkemarke im Jahr 1931 geschlossen hat, dessen Farben Rot & Weiß er heute noch trägt – jetzt setzt sich der Weihnachtsmann für ein nachhaltiges Wirtschaften ein. Sie merken schon, die große Investmentchance der kommenden Dekade – ESG – hat auch Einzug gehalten in die Welt um Weihnachten. Green Bond oder Green Baum – Hauptsache frei von negativem CO2-Branding und mit allseits gutem Gewissen bei den internationalen Vielfliegern. ESG, Environment, Social und Governance – nicht mal mehr die himmlischen Heerscharen entkommen diesen drei zukunftsweisenden Buchstaben. Anhand etlicher primärempirischer Analysen, zeigt der diesjährige Catella Weihnachtsmarkt-Tracker, wie sich Weihnachtsmann & Co. KG für mehr Bewusstsein bei der Umsetzung der ESG-Kriterien einsetzt. Aber: Die Soziale Komponente des Weihnachtsmannes („Kinder & Tiere gehen immer beim Xmas Charity“) werden wir nur an einer Stelle näher erläutern. Leider mit einer eindrücklichen Warnung – zumindest, wenn Sie ein männlicher Leser unseres Werkes sind. Bei Governance & Environmental, haben wir uns dafür richtig argumentativ-analytisch ausgetobt.

Santas‘ Nachhaltige Unternehmensführung (Governance)
Wo die Weihnachtswerkstätten dieses Jahr ihren Platz finden, überrascht nicht wirklich: Im Zuge der aktuellen Dynamik von Co-Working Spaces verlagert auch der Weihnachtsmann seine diesjährigen Werkstätten dorthin, wo das Netzwerken und Miteinander sein, von großer Bedeutung ist. Einerseits erreichen den Weihnachtsmann so von außen viele neue kreative Ideen und Lösungen. Andererseits erhalten die Menschen Einblicke in das Tagesgeschäft des Weihnachtsmannes und seiner Helfer-Elfen beim „Bier nach Vier“. Gerade in den Metropolstädten sieht er optimale Standorte, denn auch für die Weihnachtsproduktionsstätte gilt nur eins: Lage, Lage, Lage – das ist das A und O. Nur so kann die perfekte Routenplanung für Heiligabend umgesetzt werden. Für die Herstellung, Verpackung und anschließende Vorbereitung zum Versand, werden im Schnitt insgesamt zehn Co-Working-Werkstätten pro Land benötigt (das heißt 1.800 weltweit). Die Berechnung von Catella Research basiert auf unserem bekannten Rechenweg:

Catella
Quelle: Catella Research 2019

Durch die Nutzung der Co-Working-Werkstätten wird zum Erfreuen der Anbieter eine hundertprozentige Auslastung garantiert. Die durchschnittliche Auslastung liegt derzeit bei rund 60 Prozent. Die Co-Working Anbieter haben ihre Flächen auch im Hinblick auf die benötigten Weihnachtswerkstätten deutlich hochgeschraubt. Die Gesamtzahl liegt derzeit bei rund 20.500. Auch für die kommenden Jahre plant der Weihnachtsmann seine Produktions- und Vertriebsstätten unter dem Motto „sharing economy“ zu erweitern, sodass wir insgesamt mit einer weiter steigenden Flächenausweitung rechnen, der Zielwert bis Ende 2020 liegt bei rund 26.300.

Sogenannte Co-Working-Hotels, die derzeit einen Trend in der Hotelszene darstellen (Catella Market Tracker: Europäischer Hotelmarkt 2019/2020), bieten optimale Schlafstätten für die fleißigen Helfer-Elfen, die nach einem harten Arbeitstag ihren Feierabend genussvoll und genügsam zusammen im Hotel ausklingen lassen können. Die freundlichen Helfer-Elfen sind in geräumigen Zwei-Zimmer Suiten, 28 Quadratmeter (HoHoHo) (weltweit 55.000) untergebracht, wodurch nicht zuletzt die Hotelbranche spürbar profitiert. Zur Finanzierung der Co-Working- und Hotelkosten werden natürlich ausschließlich nachhaltige Investments herangezogen, wobei der Großteil durch die Emission von Green Bonds getragen wird. Aber auch ESG Fonds, die vorwiegend in Sozialimmobilien („Kita & Co“) investieren, und andere alternative Finanzierungsformen kommen zum Einsatz. Zuletzt wird auch ein nicht geringer Anteil durch Spenden (letzte verbliebene legalisierte Steueroptimierungsstrategie) finanziert. Auch die Sicherstellung der nachfolgenden Elfen-Generationen ist durch kostenlose Elfen-Kitas und Ganztages-Baby-Elfen-Betreuung gewährleistet. Hier wird der Nachwuchs bereits spielerisch an die Produktion und Verpackung von Geschenken herangeführt. Daneben können sich die Eltern-Elfen über stets saftige Weihnachtszuschläge und Boni erfreuen.

Außerdem erhalten alle Elfen ein Apfel-Handy. Hier nutzen sie neben ihrer alltäglichen Geschenkeeingangsmeldungs-App auch gerne andere: Die beliebteste App der Elfen ist ganz klar WhatsElf, dort können sie mit ihren engsten Elflein in Kontakt bleiben. Über Elfbook tauschen sich die befreundeten Elflein rege aus (sehr viele Katzenvideos übrigens!), wenn sie auf der Suche nach neuen Kontakten sind, ist die Elfinder App genau das Richtige für sie. Die neusten Influencer Trends & Tipps erhalten sie über Elfgram, während linkedElf eine Mischung aus Elfinder und Elfbook für Business-Elfen darstellt. Insgesamt garantiert der Weihnachtsmann seinen Elfen somit eine ausgeglichene und moderne Work-Life-Balance.

Catella2
(Quelle: Catella Research 2019, hootsuit)

Santas’ Nachhaltige Geschenk- Offensive (Environment)
Noch immer führt der Weihnachtsmann seine Geschenkeausfuhr mit dem traditionellen Schlitten und seinen Rentieren durch und greift nicht auf die Hilfe automatisierter Spritschlucker zurück. Durch den steigenden „Weihnachtskonsum“ in den letzten Jahren ist auch eine höhere Auslastung des Schlittens zu Stande gekommen. Wenn der Weihnachtsmann und seine Helfer die optimale Tour wählen, um so viele Kinder wie möglich auf der Welt zu besuchen, muss er eine Strecke von 7,5 Millionen Kilometern zurücklegen. Dabei hält er sich stets an die gif-Prämisse – Geschenke im Flow zu halten. Der Vergleich zwischen Rentieren (neun an der Zahl) und einem konventionell angetriebenen Schneemobil zeigt den positiven ökologischen Fußabdruck des Weihnachtsmannes. Man muss nicht über die Basisintelligenz eines Immobilienanalysten verfügen, um die vorteilhafte Klimabilanz zu erkennen.

Doch wie wird es in den nächsten Jahren mit dem Weihnachtsmann weitergehen? Heutzutage nutzen viele Menschen auf der Welt das Online-Shopping, so auch in der Weihnachtszeit. Da stellt sich die dringliche Frage: Wird der Weihnachtsmann bald durch Amazon ersetzt?

Knallharte Marktanalyse: Prognosen für das Weihnachtsfest 2019
Die Verkaufszahlen sprechen schon mal für sich. Dass die Menschen ihre Produkte mehr und mehr online bestellen, ist allseits bekannt. Dieses Jahr wird für das Weihnachtsgeschäft ein Online-Umsatz von 14,7 Milliarden Euro erwartet, was einen Anteil von 14,4 Prozent am Gesamtumsatz darstellt. Im Vergleich zu 2007 (3,2 Prozent) stellt sich bei einer gleichbleiben Entwicklung die Frage, ob der Weihnachtsmann auch zukünftig noch eine Daseinsberechtigung besitzt.

Börsen: Endjahresrallye
Hat die alljährliche Weihnachtsendjahresrallye an den Börsen etwas mit dem Kaufrausch zu tun? In den vergangenen 50 Jahren (1961 bis 2010) kletterte der Dax im Dezember durchschnittlich um 1,78 Prozent. Kein anderer Börsenmonat konnte das innerhalb dieser Periode toppen.

Zu Weihnachten werden alle 60 Sekunden Geschenke im Wert von 124.593 Euro online gekauft. Das E-Commerce Weihnachtsgeschäft (67 Prozent) wird erstmals vor dem stationären Einzelhandel liegen (65 Prozent). Nicht nur beim Verkauf spielt das Internet eine große Rolle, auch bei der Ideenfindung: 47 Prozent der Befragten gaben an, Anregungen für Geschenke im Internet und bei sozialen Medien zu finden. An den Festtagen können sie sich auf Gesamtausgaben von rund 490 Euro freuen.

Catella4
(Quelle: Deloitte)

Auch zwischen 1955 – der deutsche Aktienmarkt steckte noch in den Kinderschuhen – und 2010 lag der Dezember-Dax mit 2,0 Prozent im Schnitt vor den anderen Monaten, hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) errechnet.

Ein wenig Hoffnung ist noch im traditionellen Tannenbaum­verkauf zu sehen. Schätzungen zufolge wird davon ausgegangen, dass rund 23 bis 25 Millionen Menschen in Deutschland in diesem Jahr einen Weihnachtsbaum aufstellen. Künstliche Bäume gewinnen Jahr für Jahr an Bedeutung (12 Prozent). Auch der Online-Weihnachtsbaumverkauf wächst kontinuierlich (elf Prozent) und bereitet dem noch ambitionierten traditionellen Baum mächtig Konkurrenz. Doch wie sieht es eigentlich mit dem Öko-Bilanz Vergleich zwischen einem echten und einem künstlichen Baum aus? Ein Plastiktannenbaum muss mindestens 17 Jahre genutzt werden, damit das Niveau eines natürlichenWeihnachtsbaums erreicht wird. Falls Sie dieses Jahr die Weihnachtsabholung verpasst haben sollten, können Sie gerne mit ihrem Baum an der Weltmeister­schaft im Weihnachtsbaumwerfen im pfälzischen Weidenthal teilnehmen. Hier nimmt Ihr Baum in drei unterschiedlichen Disziplinen teil: Hochwurf über die Latte, Weitwurf und Schleuderwurf.

Catella3
(Quelle: Catella Research 2019)

E-Scooter, Glühwein und MPU: Catellas Führerschein-Prognose
Für manch eine(n) wird der Weg nach einem gelungenen Weihnachtsmarktbesuch per E-Scooter fortgesetzt, vor allem, wenn aufgrund des Nachfrageüberhangs kein flexibles Uber-Gefährt zur Verfügung steht. Der Alkoholkonsum der Deutschen steigt unter anderem „glühwein- und feuerzangenbowle bedingt“ im Dezember um rund 36 Prozent. Angesichts des von uns geschätzten Glühweinabsatzes von 80 Millionen Liter (50 Millionen EZH und 30 Millionen Weihnachtsmärkte) in Deutschland und der alkoholbedingten E-Scooter-Affinität erwarten wir katastrophale Zustände in den deutschen Top-Weihnachtszentren. Basierend auf der Bilanz des Oktoberfests 2019 in München prognostizieren wir eine steigende Zahl von Unfällen mit E-Scootern. Während des zweiwöchigen Volksfestes wurden genau 414 betrunkene E-Scooter-Fahrer angehalten, von denen 254 ihren Führerschein verloren. Steht uns ein glühweinbasiertes E-Scooter-Chaos bevor?

Catella5
(Quelle: HDE, IfH Köln)

Während dem Oktoberfest 2019 wurden 7,3 Millionen Liter Bier verköstigt. Umgerechnet auf den geschätzten Glühweinabsatz auf den Weihnachtsmärkten in Deutschland ergibt das – wohlwollend zu Gunsten der Angeklagten abgerundet – eine Zahl von 1.044 Führerscheinentzügen, ohne Berücksichtigung des deutlich höheren Alkoholgehalts. Es bleibt also spannend, wie viele Führerscheine durch den ein oder anderen Glühwein zu viel am Ende eingesackt werden müssen. Und ob eventuell die Zahlen des diesjährigen Oktoberfests geknackt werden können – wir sind hier optimistisch.Übrigens: Nebeneinandergestapelt reichen die voraussichtlich im Jahr 2019 veräußerten (zehn Liter) Glühweinkanistern zweimal durch ganz Deutschland (Nord-Süd-Durchquerung).

Zum vollständigen Weihnachtsmarkt-Tracker 2019 gehts hier .

zuletzt editiert am 31. Mai 2021
Newsletter