Sie waren Macher und Frontfrauen großer Immobilienunternehmen und stolzer Banken oder aufstrebende Newcomer in der Immobilienwelt. Dann waren sie weg vom Fenster – mal freiwillig, mal unfreiwillig. Wir haben uns gefragt, was aus Niesslein, Rind und Co. eigentlich geworden ist.
Es war ohne Frage eine der ungewöhnlicheren Meldungen, die es bislang in unsere Redaktion geschafft haben. Ende März dieses Jahres vermeldete das Unternehmen Drees & Sommer den Abgang seines Vorstandssprechers Peter Tzeschlock. Dass Führungspersonen ihren Hut nehmen, ist zwar nicht an der Tagesordnung, aber für sich genommen auch nicht wirklich ungewöhnlich.
Außergewöhnlich sind hingegen die Zukunftspläne, die Tzeschlock zugleich verkündete. Er wird sieben Jahre lang die Welt besegeln und sich damit seinen großen Lebenstraum erfüllen. „Ich bin dann mal weg!“
Während wir uns in der Redaktion – zugegeben auch ein wenig neidvoll – gefragt haben, wie das wohl sein muss, seinen Job an den Nagel zu hängen, um die Welt zu bereisen, stand plötzlich eine Frage im Raum: „Was macht eigentlich...?“
Schließlich haben wir einige hochrangige Immobilienmanager in den vergangenen Jahren kommen und gehen sehen. Ersteres immer freiwillig, letzteres nicht immer. Was ist aus ihnen geworden, den Ex-CEOs, den Vorstandssprechern, Machtmännern und Frontfrauen?
Also haben wir nachgeforscht und gefragt: „Was macht eigentlich…“
…Angelika Kunath
26 Jahre lang war Angelika Kunath eine der wenigen Frauen in leitenden Positionen in der Männerbranche Immobilienwirtschaft. Zehn Jahre lang war sie Geschäftsführerin beim Fondsanbieter HGA Capital in Hamburg. Anschließend war sie acht Jahre Geschäftsführerin und Gesellschafterin bei Immobilienwerte Hamburg (IWH) – vormals Fondshaus Hamburg. Ende 2014 zog sie sich zurück, um sich „neuen Aufgaben außerhalb der Berufswelt“ zu widmen. So ganz hat das „außerhalb“ nicht geklappt, denn als Dozentin an der Hochschule Biberach engagiert sie sich noch immer für den Branchennachwuchs und sie ist Partnerin bei der Finanzierungsgesellschaft BNS Real Estate Capital.
…Dr. Gerhard Niesslein
Er gehörte zu den bestbezahlten Managern eines MDax-Unternehmens und steuerte drei Jahre lang eine der größten deutschen Immobiliengesellschaften. Dr. Gerhard Niesslein war Ende 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise angetreten, um die trudelnde IVG Immobilien AG zu sanieren. Zuvor hatte er die Telekom-Tochter DeTe Immobilien geleitet und war Aufsichtsrat bei Sirius Real Estate. Die IVG war unter der Leitung von Niessleins Vorgänger Wolfhard Leichnitz durch kostspielige Bauprojekte wie das aus dem Ruder gelaufene Squaire am Frankfurter Flughafen in Liquiditätsprobleme geraten. Niesslein sollte den Turnaround schaffen und schien auf einem guten Weg. Sein Abgang bei der Bonner AG im Mai 2011 kam kurz vor der Jahreshauptversammlung deshalb auch eher überraschend. „Aus Gründen seiner persönlichen Lebensplanung“ wolle er seinen Ende Oktober auslaufenden Vertrag nicht verlängern, teilte der Konzern den enttäuschten Aktionären damals mit. Diese Lebensplanung sah den Posten als CEO des Projektentwicklers Orascom in der Schweiz vor. Hinter dem Unternehmen steht der ägyptische Millionär Samih Sawiris, der mit Orascom Tourismusressorts mehrheitlich in seinem Heimatland, aber zum Beispiel auch in der Schweiz errichtet. 2014 trennten sich Niesslein und Orascom wieder. Heute ist der Österreicher im Aufsichtsrat der Pure Invest AG und Gesellschafter der Deutschen Reihenhaus AG.
Was macht eigentlich...
…Dr. Wolfhard Leichnitz
Für Niessleins Vorgänger bei der IVG Immobilien AG war der Rücktritt als CEO des Bonner Unternehmens die größte berufliche Niederlage. Im Sommer 2006 war der Bauingenieur in den Vorstand eingetreten und unmittelbar zu dessen Sprecher aufgestiegen. Allerdings verlor die IVG-Aktie während seiner Amtszeit rund 60 Prozent an Wert. Der ehemalige Hochtief-Manager investierte große Mengen Fremdkapital in den Londoner Büroturm Gherkin und das damals noch als Airrail-Center vermarktete Squaire am Frankfurter Flughafen. Am Ende stand eine Verdoppelung der Schulden des Immobilienriesen auf über fünf Milliarden Euro und in der Folge sogar die Insolvenz. Die IVG scheiterte Jahre später vor Gericht mit Schadensersatzforderungen gegen Leichnitz und weitere ehemalige Vorstände des Unternehmens. Leichnitz selbst, der vor seinem IVG-Engagement Vorstandsvorsitzender der Viterra AG war – bis zu deren Verkauf an den Private-Equity-Riesen Terra Firma – wurde 2009 Aufsichtsratsmitglied beim Maschinenbauer Singulus Technologies. Mittlerweile hat er sich aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen, bekleidet bei Singulus aber noch den Posten als Aufsichtsratsvorsitzender.
…Stephan Rind
„Der Bullenreiter“ lautete die Titelzeile auf dem Cover von immobilienmanager im März 2007. Zu sehen ist dort der Kölner Stephan Rind. Der hatte vier Jahre zuvor mit einer Gruppe Investoren den Börsenmantel und die Immobilien der Küppersbusch AG übernommen und daraus die Colonia Real Estate AG geformt. Unter seiner Leitung wurde sie zum drittgrößten Wohnungsunternehmen des Landes. Anfang 2011 übernahm schließlich die TAG Immobilien AG die Colonia Real Estate und Stephan Rind schied aus dem Unternehmen aus. Bis 2016 war er anschließend Aufsichtsrat der OTI Greentech AG, die Produkte und Dienstleistungen für die Maritime-, Infrastruktur-, und die Öl & Gas-industrie anbietet. Im Februar 2015 gründete er in der Schweiz das Investment Office Eureas Holding, über das er sich Ende 2015 als Gesellschafter an der Deutsche Real Estate Funds (DREF), einem Anbieter für Studentisches Wohnen, beteiligt hat. Rind agiert heute auch als Business Angel für Startups.
… Wolf Schumacher
Als Chef der Aareal Bank war Schumacher laut Wirtschaftswoche 2015 der bestbezahlte Bankmanager in Deutschland. Für Außenstehende überraschend hatte der Jurist im Herbst 2015 nach zehn Jahren seinen Posten beim Wiesbadener Institut niedergelegt. Schumacher hatte die Bank erfolgreich durch die Finanzkrise gesteuert. Zwar nahm der Immobilienfinanzierer Staatshilfen an, zahlte sie später aber hoch verzinst zurück und fuhr Gewinne ein. Anfang 2018 wurde bekannt, dass er den Posten als Aufsichtsratschef bei der Bayern LB übernimmt.
…Michael Zimmer
Heute ist Michael Zimmer Gesellschafter und Geschäftsführer der Fair GmbH, einem Immobilieninvestmentunternehmen mit Sitz in der Nähe von Köln. Bekannt wurde er als Vorsitzender der Geschäftsführung der Corpus Sireo Immobiliengruppe, die bei seinem Start 1998 nicht mehr als 40 Mitarbeiter und zehn Millionen Euro Jahresumsatz hatte. Er entwickelte das Unternehmen zu einem der führenden deutschen Immobilien-Asset-Manager mit mehr als 500 Mitarbeitern, 400 Millionen Euro Jahresumsatz und rund 17 Milliarden Euro Assets under Management. In den Folgejahren verkaufte Michael Zimmer seine Unternehmensanteile schrittweise an die Sparkassen Düsseldorf, Köln/Bonn und Frankfurt, bevor er 2009 als Vorsitzender ausschied. Fortan war er selbstständig als Investor und Berater tätig. Zimmer begleitete unter anderem die Börseneinführung der LEG Immobilien AG als Berater und ist seitdem Aufsichtsratsvorsitzender des Wohnungskonzerns.
Die „Was macht eigentlich“-Idee gefällt uns fast so gut, wie eine sieben Jahre dauernde Weltreise. Sollten Sie sich also fragen, was der eine oder andere (ehemals) bekannte Immobilienmanager heute macht, schreiben Sie uns an redaktion@immobilienmanager.de , damit die Fragerei kein Ende nimmt.
