Vorstandsgehälter-Aufmacher
Schöne Aussichten für Vorstände: Immobilien-AGs zahlen ihren obersten Angestellten hohe Gehälter

Unternehmen & Köpfe 2016-05-17T00:00:00Z Vorstandsgehälter: Diese Immobilien-AGs zahlen am besten

Ein gutes Gehalt verdienen alle Vorstandsmitglieder bei deutschen Immobilien-AGs. Aber wer war im vergangenen Jahr der bestbezahlte Vorstand?

Im Dax lässt sich gut verdienen. Bestes Beispiel ist Vonovia-Chef Rolf Buch. Der hat mit dem Aufstieg in die oberste Börsenliga sein Gehalt um rund 700.000 Euro auf 4,5 Millionen gesteigert und bleibt damit der Spitzenverdiener bei den deutschen Immobilien-Aktiengesellschaften.

Im Vergleich zu anderen Chefs von Dax-Unternehmen bewegt sich Rolf Buch in der unteren Hälfte. Die dortigen CEOs verdienten im Jahr 2015 durchschnittlich 6,3 Millionen Euro, so die Zahlen der Dr. Heinz Evers Vergütungsberatung.

Immer wieder ein Name: Vonovia
Für einen hat sich der fusionsbedingte Einstieg in den Vonovia-Vorstand besonders gelohnt: Der frühere Gagfah-CEO Thomas Zinnöcker konnte 2015 gut zwei Millionen Euro mit nach Hause nehmen. Bei der Gagfah waren es im Jahr 2014 dagegen knapp 1,2 Millionen Euro gewesen. Was er nun auf seinem neuen Chefposten beim Energiedienstleister Ista verdient, wird nicht öffentlich bekannt gemacht. Denn Ista Deutschland ist eine GmbH und somit nicht zur selben Transparenz verpflichtet wie börsennotierte Aktiengesellschaften.

Einen tiefen Schluck aus der Gehaltspulle durften die Vorstände der Deutsche Wohnen AG (Deuwo) nehmen. CEO Michael Zahn ist mit 2,4 Millionen Euro in neue Höhen vorgedrungen, was vor allem an den variablen Gehaltsbestandteilen lag. Er verdiente gut eine Million Euro mehr als 2014, das ist eine Steigerung von rund 78 Prozent. Gründe für die positive Entwicklung waren die positive Entwicklung der Geschäftszahlen und die langfristigen variablen Vergütungsbestandteile Long Term Incentive (LTI).

Dass Zahns Finanzchef Andreas Segal Ende 2015 rund eine halbe Million Euro mehr auf sein Konto bekam als sein CEO hatte allerdings einen anderen Grund: Er erhielt eine Abfindung von 1,65 Millionen Euro. Zum 1. Januar 2016 wechselte er als CFO zur Buwog AG.

LEG: Hohe Gehälter aus alten Verträgen
Die hohen Gehälter bei der LEG Immobilien gehen auf Verträge mit den Altgesellschaftern des Unternehmens aus dem Jahr 2011 zurück, als es noch nicht an der Börse notiert war. Damals schlossen die Vorstände Verträge ab, aus denen ihnen weiterhin hohe Summen zufließen.

Dieser Long Term Incentive Plan deckt einen großen Teil des Einkommens ab, das CEO Thomas Hegel und CFO Eckhard Schultz im Jahr 2015 zukam. Bei Hegelwaren es 2,1 Millionen Euro, bei Schultz 1,7 Millionen. COO Holger Hentschel dagegen erhielt nur 205.000 Euro aus diesem Topf – wodurch sich der gewaltige Gehaltsunterschied innerhalb des Vorstands größtenteils erklärt.

Bei der Patrizia Immobilien AG wurde der CEO gehaltsmäßig vom CFO und vom COO abgehängt. Dass der (mittlerweile ausgeschiedene) CFO Arwed Fischer und COO Klaus Schmitt mehr Geld in die Tasche bekamen als ihr CEO Wolfgang Egger lag daran, dass ihr jetzt fälliger LTI-Plan über zwei Jahre lief, Egger jedoch zwei über jeweils ein Jahr laufende LTI-Pläne hatte. Also bekam Egger aus dieser Position jedes Jahr Geld, seine Kollegen dagegen erst nach zwei Jahren, dann aber den ganzen Batzen auf einmal.

Eine eklatante Diskrepanz fällt bei den Vergütungen der TLG-Vorstände in unserer Tabelle auf. Die Gesamtvergütung von Peter Finkbeiner und Niclas Karoff liegt weit über der Summe, die sich aus festem und variablem Gehalt errechnet. Die Lösung des Rätsels: Beide haben im Zuge des Börsengangs im Jahr 2014 Erfolgsprämien ausgehandelt, durch die ihnen im Jahr 2015 jeweils 1,16 Millionen Euro aufs Konto geflossen sind. Diese Sonderzahlungen machten also rund zwei Drittel der Gesamtbezüge aus.

Ado Properties: wenig Transparenz beim Gehalt
Die beiden Chefs von Alstria, Olivier Elamine und Alexander Dexne, mussten deutliche Einbußen hinnehmen. Das lag an einem langjährigen variablen Vergütungsanteil: Der LTI 2011 wurde zur Auszahlung fällig, aber die Alstria-Aktie erreichte nicht den dafür nötigen Schwellenwert. Darum kamen nur 60 Prozent des maximal möglichen Betrags zur Auszahlung.

Ein Negativbeispiel in Sachen Transparenz ist die Ado Properties SA. Das Unternehmen, das sich ausschließlich auf Berliner Wohnungen konzentriert, ist – als luxemburgische Gesellschaft – nur dazu verpflichtet, die Vorstandsbezüge pauschal auszuweisen. So gibt der Geschäftsbericht 2015 lediglich die Vergütungen des gesamten Verwaltungsrates plus Senior Management an. Dazu gehören CEO, CFO und COO, darüber hinaus ist CEO Rabin Savion auch Mitglied des Verwaltungsrates.

In absoluten Zahlen konnte Michael Zahn (Deuwo) sein Einkommen von 2014 auf 2015 am stärksten steigern: um 1,071 Millionen Euro. Dahinter folgen Thomas Hegel (LEG) mit 924.000 Euro, Eckhard Schultz (LEG) mit 741.000 Euro, Rolf Buch (Vonovia) mit 662.000 Euro, Klaus Schmitt (Patrizia) mit 593.000 und schließlich Arwed Fischer (Patrizia) mit 540.000 Euro.

Prozentual gesehen stellt sich die Rangliste etwas anders dar und enthält auch andere Namen: Bei Michael Zahn beträgt das Gehaltsplus fast 79 Prozent, bei Klaus Schmitt knapp 76 Prozent, bei Arwed Fischer rund 66 Prozent, bei Lars Wittan (Deuwo) 56 Prozent, bei Thomas Hegel 44 Prozent, bei Eckhard Schultz 42 Prozent, bei Sonja Wärntges (DIC Asset) 34 Prozent – bei Rolf Buch dagegen „nur“ 17 Prozent.

Autor: Roswitha Loibl

zuletzt editiert am 31. Mai 2021