Immobilienfinanzierer übernehmen eine Schlüsselposition hinsichtlich der Reduktion von CO2-Emissionen – ein Kommentar von Sascha Klaus.
„Zuverlässige Regeln sind die Kinder einer zuverlässigen Erfahrung, die in der Tat die Mutter sämtlicher Wissenschaften und Künste ist.“ So sah es schon der große Vordenker Leonardo da Vinci und das zurecht. Einige könnten sich, in ihrer unternehmerischen Handlungsfreiheit eingeschränkt fühlend, über eine solche Sicht der Dinge aufregen. Denn Freiheit bedeutet doch, dass man den größten unternehmerischen Handlungsspielraum hat. Dieser soll dann zum größtmöglichen ökonomischen Erfolg führen. So ist es zumindest, wenn man der Chicagoer Schule glaubt.
Doch wenn man schon mittels ökonomischer Schulen argumentiert, ist zu bedenken, dass der enorme CO2-Austoß der letzten Dekaden eine Konsequenz unzureichender Einpreisung von Externalitäten war (und leider immer noch ist). Daher war die EU-Kommission gezwungen, klare Regeln in Form einer Taxonomie zu erlassen. Diese Regeln ermöglichen es, privates Kapital zu lenken, um damit die Transformation in der Immobilienwirtschaft zu finanzieren. Das schaffen Sie, weil sie allgemeinverbindliche Rahmen setzen, innerhalb derer sich Unternehmen bewegen. So geschehen kürzlich durch die delegierte Verordnung zur EU-Taxonomie.
Wenn aus Regeln Taten werden
Die Umsetzung der EU-Taxonomie läuft auf Hochtouren und jedes Institut schafft für sich seine eigenen Regelwerke, zur sinnvollen Integration der Anforderungen der Taxonomie im Geschäftsalltag. Gerade die Immobilienbranche steht hinsichtlich der Reduktion von CO2-Emissionen vor einer enormen Herausforderung. Das zeigt die Tatsache, dass die Branche nach wie vor für einen sehr großen Anteil an den CO2-Emissionen verantwortlich ist. Gerade die Immobilienfinanzierer nehmen hier eine Schlüsselposition ein, denn: Immobilienbanken lenken Investitionen und somit Kapitalströme und sind daher in der Lage gezielt Einfluss auf die Realwirtschaft zu nehmen.
Diese Schlüsselrolle hat auch die EU erkannt, weshalb sie die bereits erwähnte Taxonomie verabschiedete. Die Umsetzung der neuen Regulatorik ist auch für die Berlin Hyp eine strategische Aufgabe. Der Immobilienfinanzierer aus der Hauptstadt hat dazu am 7. April 2022 sein neues Sustainable Finance Framework (SFF) veröffentlicht. Das Framework ermöglicht es, das neue Produktportfolio der Green Loans (Taxonomie-Kredit, Energieeffizienz-Kredit und Transformationskredit) gezielt am eigens entwickelten Framework auszurichten. Das fördert eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit und somit Wachstum innerhalb des von der EU aufgespannten Rahmens. Da könnte einem doch glatt das ordoliberale Herz aufgehen.
Regeln sind gut für die Gesellschaft – und für’s Geschäft
Dass eine solche Taxonomie Wirtschaftsaktivitäten nachhaltiger machen wird, ist unbestritten. Ein seit Jahrzehnten näher an den 1. Januar rückender Earth-Overshoot-Day zeigt die Notwendigkeit einer großflächigen Transformation. Externalitäten müssen kurz- bis mittelfristig eingepreist werden und langfristig konsequent vermieden werden. Diese Transformation muss und wird nun von der EU aktiv beschleunigt.
Im ersten Moment ist die Umsetzung neuer auf Verordnungen basierender Rahmenbedingungen für die einzelnen Unternehmen sicherlich eine Herausforderung. Auch wenn die Umsetzung zunächst kostspielig scheint, werden sich diese Investitionen in die Zukunft mehr als amortisieren. Streng nach Keynes: „Anything we can do, we can afford“ - auch wenn es angesichts des Klimawandels weniger ein „Können“ als ein „Müssen“ ist. Die Umsetzung der Taxonomie ist aber nicht nur eine Investition im ökologischen Sinne, sondern auch eine im ökonomischen. Ökologische und soziale Nachhaltigkeit wird zukünftig unmittelbar wirtschaftlichen Erfolg bedingen. Da diese Regeln nun ein branchenweiter Standard sind, sind sie fair. Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg ist dann die konkrete und möglichst effiziente Umsetzung durch passende Produkte, die wiederum in Frameworks zu definieren sind.
Die Berlin Hyp ist davon überzeugt, dass ihr Sustainable Finance Framework, als übergreifendes Rahmenwerk, bestmöglich unterstützt, um ihre nachhaltigen Finanzierungsprodukte ganzheitlich einzuordnen. Zudem ist hier die EU-Taxonomie-Verordnung bereits verankert. Es ist auch zu begrüßen, dass Finanzinstitute individuelle Frameworks erarbeiten, mittels derer sie die Taxonomie dann umsetzen. Nur so schaffen es Banken, sich aus sich selbst heraus zu transformieren. Abgesehen davon verhindern konkrete, transparente und überprüfbare Regeln im Allgemeinen Greenwashing. Das ist auch ratsam, denn für Greenwashing bleibt der Branche keine Zeit mehr und das würde der erwähnten Schlüsselrolle der Banken nicht gerecht.
