'ESG ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil bei Immobilieninvestments geworden', sagt Lahcen Knapp von Empira. (Bild: Pixabay)
"ESG ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil bei Immobilieninvestments geworden", sagt Lahcen Knapp von Empira. (Bild: Pixabay)

Investment

23. November 2021 | Teilen auf:

Umfrage: Nachhaltiges Investieren hat sehr hohe Bedeutung

Fast 70 Prozent der institutionellen Investoren sehen eine sehr hohe Bedeutung von ESG-Kriterien bei Immobilieninvestments.

ESG-Kriterien sind für fast 70 Prozent der institutionellen Investoren von hoher oder sehr hoher Bedeutung bei ihren Investitionen. Attraktiv sind auch Artikel-8- und Artikel-9-Fonds: 55 bis 60 Prozent der Investoren wollen darin bis Ende 2022 investieren. Artikel-6-Fonds werden dagegen zum Auslaufprodukt: Nur noch 26 Prozent wollen darin investieren. Die Mehrheit der aktuell verfügbaren Fondsprodukte sind jedoch noch nach Artikel-6 klassifiziert und verfolgen noch keine Nachhaltigkeitsziele. Dies sind Ergebnisse der Umfrage „Empira Institutional Trends“ von Empira. Befragt wurden institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Pensionskassen, Versorgungswerke, Versicherungen sowie Stiftungen und Family Offices. Die Befragung erfolgte durch das Analysehaus bulwiengesa.

„ESG ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil bei Immobilieninvestments geworden – sowohl bei Transaktionen als auch im laufenden Management. Die Bedeutung wird weiter zunehmen. Die Auswirkungen auf Immobilienakteure sind dabei erheblich und reichen von regulatorischen Themen bis hin zur strategischen Planung und Unternehmenssteuerung“, erklärt Lahcen Knapp, Verwaltungsratsvorsitzender der Empira Gruppe.

Hohes Interesse an Projektentwicklungen für den Bestand

Im Kontext von Equity Investments planen 56 Prozent der befragten Investoren in den kommenden 18 Monaten die Volumina ihrer Immobilieninvestments teils deutlich zu steigern. Nur elf Prozent wollen ihre Investitionen eher reduzieren. Bis Ende 2022 planen 37 Prozent der Befragten Immobilieninvestments in Europa (außerhalb Deutschlands) und immerhin 22 Prozent in den USA.

Ein besonderes Interesse zeigen Investoren an Investments in Projektentwicklungen für den eigenen Bestand.  Zwei Drittel der Befragungsteilnehmer haben an dieser Investmentstrategie Interesse und stehen einem frühen Einstieg in die Projektentwicklung aufgeschlossen gegenüber. Kaum einer der Befragten schließt dies gänzlich aus. „In den Metropolen gibt es weiterhin einen hohen Nachfrageüberhang. Projektentwicklungen in A-Städten sind ein stabiles und langfristiges Investment für sicherheitsorientierte Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen. Investoren profitieren dabei von attraktiveren Renditen“, sagt Knapp.

Wachstum bei Kreditfonds setzt sich fort

Die befragten Investoren sind zu jeweils 22 Prozent in Aktien und Immobilien (Equity) investiert sowie zu 15 Prozent in Kreditfonds. Den Bereich Immobilienfinanzierung wollen die Investoren weiter ausbauen. So wollen 22 Prozent der institutionellen Investoren ihre Investments in Immobilienfinanzierungen erhöhen, nur elf Prozent wollen sie zurückfahren. 33 Prozent sind dabei aufgeschlossen für Investments in Mezzanine-Kreditfonds, während Whole-Loan-Kreditfonds für knapp jeden fünften Investor (18 Prozent) von Interesse sind. Allerdings: 40 Prozent der Befragten schließt die Geldanlage in Kreditfonds bei Mezzanine-Finanzierung vollkommen aus.

Auf die Frage, welche Strukturierung Investoren unter den geltenden regulatorischen Vorgaben bevorzugen, antworteten 41 Prozent der Befragten mit Direktinvestments in Immobilien. Geringe Kosten und die alleinige Entscheidungshoheit seien hier die wesentlichen Vorteile. Offene Spezialfonds und Club-Deals werden von 33 Prozent als präferierte Struktur angesehen. Fungibilität und der geringe eigene Managementaufwand stehen hier im Vordergrund. Geschlossene Spezial-AIF wünscht nur jeder neunte Investor. Viele institutionelle Investoren haben ihre Immobilienquote bereits erreicht und können keine weiteren Ankäufe mehr tätigen.

Auf die Frage nach Strukturierungen, die ein Anrechnen auf die Immobilienquote unnötig machen, zeigte rund ein Drittel der Investoren Interesse, allerdings reagierte jeder Zweite eher ablehnend. „Eine interessante Möglichkeit sind Anleihen. Sie lassen sich als börsengelistete Wertpapiere klassifizieren und werden als solche nicht der Immobilienquote laut Anlageverordnung zugeordnet. Mit einer fixen Verzinsung über eine festgelegte Laufzeit und einem Investment-Grade-Rating bieten diese Strukturen oftmals ein solides und kalkulierbares Rendite-Risiko-Profil“, erläutert Knapp.

zuletzt editiert am 23.11.2021