Beim TDI 2025 standen Baupolitik, Digitalisierung und Proptechs im Mittelpunkt – mit klaren Forderungen und konkreten Beispielen für Fortschritt. Von Angelika Polle-Valder
Am 4. Juni 2025 hat der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) zum 17. Mal zum Tag der Immobilienwirtschaft (TDI) in den Berliner Friedrichstadtpalast geladen. Unter dem Motto „Starke Wirtschaft. Starkes Land“ kamen rund 2.500 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verbänden und der Immobilienbranche zusammen, um zentrale Themen der wirtschaftlichen und baupolitischen Entwicklung zu diskutieren.
ZIA-Präsidentin Iris Schöberl eröffnete die Veranstaltung mit einem klaren Appell an die Politik: „Was wir brauchen, ist Tempo. Verlässlichkeit. Struktur.“ Sie forderte unter anderem eine Novelle des Baugesetzbuchs, eine gesetzliche Verankerung des Gebäudetyps E, steuerliche Anreize für den Neubau sowie einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen, etwa im Mietrecht und beim Gebäudeenergiegesetz. Gleichzeitig betonte Schöberl den Gestaltungswillen der Branche: „Ja, wir wollen bauen. Ja, wir werden gebraucht. Und ja, wir nehmen Verantwortung ernst – für unser Land, für unsere Städte, für unsere Zukunft.“
Den zweiten Veranstaltungsblock eröffnete Kanzleramtsminister Thorsten Frei MdB mit einer politischen Keynote. Frei stellte klar: Es gelte nun, zentrale Herausforderungen wie Bürokratieabbau, hohe Baukosten, beschleunigte Genehmigungsverfahren (Bauturbo) sowie den Klimaschutz entschlossen anzugehen. Alles, was wichtig sei, müsse „so schnell und so umfassend wie möglich“ umgesetzt werden. Sein Fazit: „Was wir brauchen, ist Optimismus und die Zuversicht, dass die Investition in den Standort Deutschland lohnend ist. Weil unser Land Zukunft hat.“
Bundesbauministerin sieht Potenzial in privatem Kapital und Gebäudetyp E
Am Nachmittag setzte Bundesbauministerin Verena Hubertz MdB mit einer weiteren politischen Keynote Impulse. Sie skizzierte eine aktive Baupolitik entlang der drei Leitbegriffe Tempo, Technologie und Toleranz – als klares Signal für Veränderung und Zusammenarbeit. Ziel sei es, den Wohnungsbau wieder anzukurbeln und dabei sowohl öffentliches als auch privates Kapital zu mobilisieren. „Wir müssen miteinander günstiger bauen und die Eigentümerseite unterstützen, zu investieren“, so Hubertz.

Besonderes Potenzial sieht sie im Gebäudetyp E sowie in einem pragmatischeren Umgang mit Standards und Vorgaben. Ihr Appell lautete: „Wo eine Herausforderung ist, da ist auch ein Weg – und da ist ein Wille.“ Zu den weiteren politischen Gästen zählten die Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (NRW), Boris Rhein (Hessen) und Peter Tschentscher (Hamburg) sowie Sabine Verheyen, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments.
Neue Auszeichnung für Landesbauordnungen
Erstmals hat der ZIA im Rahmen des TDI eine Auszeichnung für besonders gelungene Landesbauordnungen verliehen. Der neue Wettbewerb „Ausgezeichnet geregelt“ würdigt gesetzgeberische Ansätze, die Genehmigungsverfahren vereinfachen, Planungssicherheit schaffen und Investitionen erleichtern. Die prämierten Bundesländer überzeugten in verschiedenen Bereichen – etwa beim Bürokratieabbau, der Digitalisierung, beim Bauen im Bestand oder mit innovativen Verfahren. Damit soll der Blick auf konstruktive Lösungen gelenkt werden, die den Wohnungsbau praxisnah voranbringen und den interregionalen Austausch fördern.
Die Fachjury würdigte dabei ausdrücklich die Qualität und Wirkung einzelner landesrechtlicher Regelungen. Barbara Ettinger-Brinckmann, Juryvorsitzende und Präsidentin der Bundesarchitektenkammer a. D., erklärte: „Gute Gesetzgebung findet die Balance zwischen Kontrolle und Gestaltungsfreiraum.“ ZIA-Präsidentin Schöberl lobte die Bundesländer, die sich auf den Weg gemacht haben: „Wenn Regulierung notwendig ist, dann sollte sie praxisorientiert, innovativ und zukunftstauglich sein.“
Besonders hervorgehoben wurde Baden-Württemberg für die flächendeckende Einführung eines digitalen Bauantragsverfahrens. Grundlage ist die novellierte Landesbauordnung von 2023. Über die Plattform ViBa BW können bereits rund 80 Prozent der Bauämter im Land vollständig digitale Verfahren anbieten – von der Antragstellung bis zur Bescheidübermittlung. Die Jury lobte den regulatorischen Vorbildcharakter: „Baden-Württemberg setzt ein starkes Signal für eine zukunftsfähige, effiziente Bauverwaltung.“
KI-Plattform Syte als Proptech of the Year ausgezeichnet
Ebenfalls im Rahmen des TDI verlieh der ZIA zum vierten Mal den „Proptech of the Year“-Award, unterstützt von CBRE. Ausgezeichnet wurde das Start-up Syte das mit einer KI-gestützten Software Potenzialanalysen für Gebäude in Echtzeit liefert. Die Plattform bewertet unter anderem Bebauungsoptionen, Sanierungsbedarf, Fördermöglichkeiten und ESG-Risiken, bei bis zu 90 Prozent weniger Analyseaufwand. CBRE-Digitalchefin Dr. Susanne Hügel nannte Syte „ein herausragendes Beispiel für den datenbasierten Wandel der Branche“.
Auch ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan unterstrich die Bedeutung digitaler Innovation: „Proptechs gestalten die Zukunft der Immobilienwirtschaft aktiv mit – als Antwort auf Klimawandel, Energiekrise und Nachhaltigkeitsdruck.“
Mit neuen Formaten wie dem Wettbewerb um die innovativsten Bauordnungen und der Auszeichnung wegweisender Technologien rückte der ZIA gezielt konkrete Fortschritte in den Mittelpunkt. Politik und Wirtschaft signalisierten Dialogbereitschaft, Reformwille und Innovationsfähigkeit.