Wie werden Unternehmensimmobilien nachhaltig? Darüber sprachen (v.l.n.r.) Wilm Schwarzpaul, geschäftsführender Gesellschafter, Ecoparks, Tobias Kassner, Leiter Research, Garbe Industrial Real Estate, Maximilian Stark, Geschäftsführer, e.Mobility.Hub, und Stefanie Lütteke, Head of Property Companies, Drees & Sommer, und Roswitha Loibl, Senior Management Programm, Immobilien Manager Verlag. (Bild: Crenet)
Wie werden Unternehmensimmobilien nachhaltig? Darüber sprachen (v.l.n.r.) Wilm Schwarzpaul, geschäftsführender Gesellschafter, Ecoparks, Tobias Kassner, Leiter Research, Garbe Industrial Real Estate, Maximilian Stark, Geschäftsführer, e.Mobility.Hub, und Stefanie Lütteke, Head of Property Companies, Drees & Sommer, und Roswitha Loibl, Senior Management Programm, Immobilien Manager Verlag. (Bild: Crenet)

Nachhaltigkeit & ESG

29. November 2021 | Teilen auf:

Stromlieferant zum Aufkleben

Gratis imPlus-Beitrag: Wie werden Unternehmensimmobilien nachhaltig? Ideen für das Corporate Real Estate Management, präsentiert bei der Crenet-Jahreskonferenz. Von Roswitha Loibl

Die Innovation klebt an der Fassade. Die Folienbahnen sind schwarzblau und produzieren Strom. Garbe Industrial Real Estate experimentiert mit Photovoltaikzellen zum Aufkleben, um auf mehr Flächen als bisher die Energie der Sonne ernten zu können. Tobias Kassner, Leiter Research bei Garbe, präsentierte diese recycelbaren Module bei der Jahreskonferenz von Crenet, dem Netzwerk für Corporate Real Estate. „Noch sind sie teuer und nicht sehr effizient“, berichtete Kassner. Davon lässt sich das Unternehmen aber nicht abschrecken auf seinem Weg zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes.  

Beim Panel zum Thema „Wie werden Unternehmensimmobilien nachhaltig?“ ging es um unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema, das die ganze Branche umtreibt. Stefanie Lütteke, Head of Property Companies bei Drees & Sommer, wies auf die großen Einsparpotenziale beim Betrieb von Immobilien hin. Vieles würde sich schnell amortisieren – zum Beispiel der Einbau von LEDs, der sich schon nach einem Jahr bezahlt macht. Und warum passiert das nicht längst? Höflich verzichtete Lütteke auf eine Antwort, merkte aber an: „Ich hoffe, dass die Pflicht zum ESG-Reporting  hier einen Schub gibt.“

„Unterschätzen Sie diesen Faktor nicht“

Im Gegensatz zu Immobilienunternehmen, die ihre Objekte vermarkten müssen, können es sich  Corporates momentan noch leisten, ihre Gebäude nicht auf den neuesten Stand zu bringen. Warum sollten sie es dennoch tun? Neben dem CO2-Argument nannte Lütteke die Außenwahrnehmung: „Unterschätzen Sie diesen Faktor nicht. Immobilien unterstützen das Kerngeschäft und helfen auch im War for Talents.“ Nachhaltigkeits- und Digitalisierungs-Labels steht Lütteke dabei positiv gegenüber: Eine Plakette in der Unternehmenslobby „ist ein einfaches und klares Kommunikationsmittel.“ Das DGNB-System habe zudem den Vorteil, dass es mit den nötigen Reportings synchronisiert sei.

„Nachhaltigkeit entsteht durch eine Mischung der Nutzungsarten.“ Diese Ansicht vertrat Wilm Schwarzpaul, geschäftsführender Gesellschafter von Ecoparks, einem jungen Spezialisten für Industrie- und Gewerbeimmobilien, hinter dem die Landmarken AG steht. Schwarzpaul setzt auf die Umnutzung von ehemaligen Industrieflächen in innerstädtischen Lagen, um daraus gemischte Quartiere zu machen. Dabei müsse das Gewerbe keineswegs aufgeben: „Produktionsprozesse verursachen heute nicht mehr viele Emissionen, sodass sie gut vereinbar sind mit Wohnnutzungen.“

„Ein Gebäude ist ein Mobilitäts-Hub“

Bei größeren Immobilienprojekten verlangen immer mehr Kommunen Mobilitätskonzepte. Darauf legte Maximilian Stark, Geschäftsführer der e.Mobility.Hub GmbH, seinen Schwerpunkt. Jedes Unternehmen braucht Stellplätze für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber wie viele das sind, hängt mit der ÖPNV-Anbindung und der Fahrradnutzung ab. „Ein Gebäude ist ein Mobilitäts-Hub, wo sich Verkehre bündeln lassen“, betonte Stark. Bündeln kann heißen, dass sich hier Fahrgemeinschaften finden, aber auch, dass unterschiedliche Verkehrsträger zur Wahl stehen. „Mit Mobilitätsangeboten können Unternehmen sehr schnell ihre CO2-Emissionen reduzieren.“

Ansatzpunkte gibt es viele – gerade auch bei der Autonutzung. Für Dienstwagen kann in der hauseigenen „Car Policy“ festgehalten werden, dass es nur kleine Elektroautos gibt für den normalen Gebrauch, die großen Limousinen aber für längere Dienstreisen reserviert sind. Ein Anreiz für Fahrgemeinschaften könnte auch sein, dass sie diejenigen Parkplätze bekommen, die näher am Firmeneingang liegen. Wer allein kommt, muss weiter gehen. Weniger Autos heißt mehr Platz auf dem Firmengelände. Davon könnte die Belegschaft profitieren und Grünflächen mit Sitzgelegenheiten bekommen.

Ein Beitrag von Roswitha Loibl.

zuletzt editiert am 29.11.2021