Der Stromausfall in Berlin zeigt: Moderne Gebäude sind störanfällig – für Vermieter entstehen neue technische, rechtliche und wirtschaftliche Risiken. Von Johannes Fritz
Der großflächige Stromausfall in Berlin war mehr als eine kurzfristige Störung des Alltags. Innerhalb weniger Stunden wurde sichtbar, wie fragil selbst hochentwickelte Städte funktionieren, sobald die Energieversorgung ins Stocken gerät. Für Eigentümer und Vermieter markiert dieses Ereignis einen Wendepunkt. Denn es verdeutlicht, dass Stromausfälle längst kein abstraktes Szenario mehr sind, sondern konkrete Auswirkungen auf Gebäude, Mieter und Immobilienwerte haben können.
Insbesondere zeitgemäße Wohn- und Gewerbeobjekte reagieren empfindlich, weil sie in nahezu allen Bereichen auf eine kontinuierliche Stromzufuhr angewiesen sind. Je stärker Technik, Digitalisierung und Elektrifizierung vorangeschritten sind, desto schneller entwickeln sich Ausfälle zu ernsthaften Problemen.
Technischer Fortschritt mit Schattenseite
Moderne Gebäude gelten als effizient, komfortabel und nachhaltig. Gleichzeitig erhöht ihre technische Komplexität die Anfälligkeit bei längerem Strommangel. Heizung, Warmwasser, Lüftung, Zugangssysteme und Sicherheitstechnik hängen oft vollständig von elektrischer Energie ab. Fällt diese weg, ist nicht nur der Betrieb eingeschränkt, sondern unter Umständen auch die Bausubstanz bedroht.
Was früher mit einfachen, mechanischen Lösungen überbrückt werden konnte, erfordert heute funktionierende Steuerungen, Sensoren und Pumpen. Genau hier liegt ein zentrales Risiko für Vermieter, das bislang häufig unterschätzt wurde.
Heiztechnik im Fokus: Wenn die Wärme komplett ausbleibt
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Wärmepumpen. Ohne Strom stehen sie nicht nur still, sondern können bei niedrigen Temperaturen erheblich Schaden nehmen. Umwälzsysteme setzen aus, Bauteile frieren ein, und empfindliche Komponenten können dauerhaft beschädigt werden. Bei neueren Anlagen mit Propan als Kältemittel verschärft sich die Situation zusätzlich. Materialversagen kann hier sicherheitsrelevante Folgen haben, die weit über einen bloßen Defekt hinausgehen.
Für Eigentümer bedeutet das im Ernstfall den vollständigen Austausch der Anlage. Lange Lieferfristen, fehlende Heizleistung über Wochen oder Monate sowie Kosten im hohen fünfstelligen Bereich sind realistische Konsequenzen, insbesondere bei größeren Objekten.
Schäden, die sich im ganzen Haus ausbreiten
Ein Stromausfall wirkt sich jedoch nicht isoliert auf die Heizung aus. Bleibt die Energieversorgung länger unterbrochen, geraten auch Rohrleitungen, Trinkwassersysteme und Flächenheizungen in Gefahr. Gefrorene Leitungen können beim Wiederanlaufen platzen und großflächige Wasserschäden verursachen. Die Folge sind umfangreiche Reparaturen und Sanierungen, die den Betrieb eines Gebäudes über lange Zeit unmöglich machen.
In solchen Situationen geht es für Vermieter nicht mehr um einzelne Beschwerden, sondern um vollständige Nutzungsausfälle. Wohnungen oder Gewerbeflächen sind dann vorübergehend nicht vermietbar, was erhebliche wirtschaftliche Einbußen nach sich zieht.
Alltag ohne Strom: Gebäude verlieren ihre Funktion
Parallel zur technischen Gefährdung verschlechtert sich die Nutzbarkeit moderner Immobilien drastisch. Lüftungsanlagen fallen aus, elektrische Verschattungen lassen sich nicht mehr bewegen, und Tiefgaragen sind nicht zugänglich. Aufzüge bleiben stehen, wodurch Barrierefreiheit und Rettungswege eingeschränkt werden. Besonders in dicht besiedelten Quartieren entsteht so innerhalb kurzer Zeit eine kritische Lage für Bewohner.
Was als temporärer Komfortverlust beginnt, kann sich schnell zu einem ernsthaften Sicherheits- und Organisationsproblem entwickeln, vor allem für ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität.
Mobilität und Erreichbarkeit geraten ins Stocken
Hinzu kommen Einschränkungen außerhalb des Gebäudes. Elektrofahrzeuge lassen sich bei Kälte nicht nachladen, vorhandene Restenergie reicht oft nur begrenzt aus. Gleichzeitig blockieren stromlose Tore die Ausfahrt aus Tiefgaragen. Auch die Kommunikation ist nicht gesichert, da Mobilfunknetze und Internetanschlüsse nur begrenzte Notstromkapazitäten besitzen.
Fällt die Verbindung nach außen weg, verschärft sich die Situation erheblich. Informationen fehlen, Hilfe lässt sich schwer organisieren, und besonders schutzbedürftige Personen geraten schnell in eine isolierte Lage.
Konsequenzen für Vermieter und Immobilienwerte
Im ungünstigsten Fall bleibt Bewohnern nur, das Gebäude ohne Vorbereitung zu verlassen. Kein Fahrzeug, keine verlässlichen Informationen, keine Versorgung mit Wärme oder Wasser – dieses Szenario ist in stark technisierten Neubauten keineswegs ausgeschlossen. Für Vermieter entstehen daraus Haftungsfragen, Imageschäden und langfristige Risiken für den Wert der Immobilie.

Der Berliner Blackout macht deutlich, dass Stromausfälle kein Randthema mehr sind. Sie betreffen die Substanz, die Wirtschaftlichkeit und die Verantwortung von Eigentümern gleichermaßen.
Vorsorgemaßnahmen wie Notstromlösungen, Batteriespeicher oder eine teilweise Eigenversorgung durch Photovoltaik gewinnen damit eine neue Bedeutung. Sie dienen weniger der Effizienz als vielmehr der Schadensbegrenzung.
Resilienz entwickelt sich so zu einem zentralen Kriterium moderner Immobilienbewirtschaftung. Wer Gebäude dauerhaft betreiben und vermieten möchte, kommt nicht umhin, sich mit Szenarien auseinanderzusetzen, die bislang als unwahrscheinlich galten, inzwischen jedoch reale Planungsgrundlagen darstellen.