Branchenverbände kritisieren den Entwurf des Nationalen Gebäuderenovierungsplans und die geplanten BEG-Kürzungen.
Die Deutsche Allianz für Serielle Sanierung (DASS) begrüßt den Entwurf des ersten Nationalen Gebäuderenovierungsplans (NBRP) grundsätzlich als wichtigen Schritt zur strategischen Planung der Wärmewende, kritisiert aber zentrale Lücken. Zwar wird der hohe Sanierungsbedarf benannt, konkrete Fahrpläne, Umsetzungsinstrumente und Zusicherungen für eine langfristig stabile Förderung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fehlen jedoch.
Besonders problematisch ist aus Sicht der DASS, dass die serielle Sanierung im Plan nicht als eigenständige Kategorie auftaucht – obwohl sie zu den wenigen Methoden zählt, die die notwendige Skalierung zur Erreichung der Klimaziele tatsächlich erlauben. Der Entwurf stellt dar, dass im Wohngebäudebestand derzeit rund 710.000 Renovierungen pro Jahr stattfinden, von denen nur 30.000 als umfassende energetische Modernisierungen (Kategorie Deep) gelten. Konkrete Zielquoten für 2030, 2040 und 2045 sind noch nicht festgelegt.
Gleichzeitig identifiziert der NBRP-Entwurf rund 9,5 bis 11,5 Millionen Wohngebäude – etwa 43 Prozent des Bestands – als sogenannte „Worst Performing Buildings“, also Gebäude mit der geringsten Gesamtenergieeffizienz. Gerade diese Gebäudeklasse profitiert in besonderem Maße von seriellen Fassaden- und Dachsanierungen, dennoch bleibt die Strategie an dieser Stelle aus Sicht der DASS unvollständig.
Der Entwurf beschreibt die zentralen Herausforderungen – Fachkräftemangel, hohe Kosten, divergierende Anreize zwischen Vermietern und Mietern sowie eine unzureichende Sanierungstiefe – setzt aber hauptsächlich auf allgemeine Ansätze wie Stadtteilkonzepte, zentrale Anlaufstellen und Sensibilisierungskampagnen. Die serielle Sanierung löst genau diese Hemmnisse strukturell: Sie reduziert den Fachkräftebedarf durch industrielle Vorfertigung, senkt Kosten durch Skaleneffekte und minimiert die Belastung der Mieter durch kurze Baustellenzeiten.
DASS-Sprecher Alexander Fuchs betont: Serielle Sanierung sei keine Nischenlösung, sondern die Antwort auf die Frage, wie Millionen von Gebäuden in kurzer Zeit wirtschaftlich, sozialverträglich und wirkungsvoll saniert werden können. Voraussetzung dafür sei eine langfristig stabile BEG-Förderkulisse samt Bonus für serielle Sanierungen – genau hierzu schweigt sich der NBRP-Entwurf bislang aus.
Serielles Sanieren braucht verlässliche BEG-Förderung
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW ordnet serielles Sanieren in den Kontext einer sozial tragfähigen Wärmewende ein und warnt mit Nachdruck vor den bekannt gewordenen Plänen, die Förderung für klimafreundliches Heizen und energetische Gebäudesanierung deutlich zu kürzen. Aus Sicht der sozial orientierten Wohnungswirtschaft wäre ein solcher Schritt ein schwerer Rückschlag für Klimaschutz, bezahlbares Wohnen und die dringend notwendige Sanierung des Gebäudebestands.
GdW-Präsident Axel Gedaschko macht deutlich: Jeder Euro Förderung entlastet die Mieterhaushalte; jede Kürzung bei der Gebäudeförderung belaste am Ende direkt die Mieterinnen und Mieter. Besonders kritisch bewertet der GdW die geplante Absenkung der Förderung für Maßnahmen in Mehrfamilienhäusern, in denen ein großer Teil der Mieterinnen und Mieter in Deutschland lebt. Größere Wohnungsbestände, die bezahlbare Wohnungen bewirtschaften und gleichzeitig in Klimaschutz, Bestandserhalt, altersgerechtes Wohnen und bezahlbare Mieten investieren müssen, würden strukturell schlechter gestellt.
Hinzu kommt die zeitliche Dimension: Die BEG-Förderung soll ohnehin neu aufgesetzt werden. Zusätzliche, kurzfristige Kürzungen schaffen aus Sicht des Verbandes massive Planungsunsicherheit. Viele Wohnungsunternehmen planen Sanierungen über Jahre, kalkulieren Fördermittel ein, stimmen Finanzierungen ab und müssen Maßnahmen sozialverträglich gestalten. Ad-hoc-Kürzungen werfen diese Planungen über den Haufen und bremsen Investitionen aus.
Positiv bewertet der GdW geplante zusätzliche Impulse für Worst-Performing-Buildings und serielles Sanieren, hält sie aber für nicht ausreichend. Kritisch ist insbesondere, dass der Bonus für serielles Sanieren nur auf den KfW-Effizienzhaus-70-Standard ausgeweitet werden soll. Für einen echten Markthochlauf des kostengünstigen seriellen Sanierens fordert der Verband eine Erweiterung auf den KfW-Effizienzhaus-85-Standard. Erst dadurch ließen sich breite energetische Sanierungen mit echten Einspareffekten für viele Mieterhaushalte und sichtbare Fortschritte beim Erreichen der Klimaziele im Mehrfamilienhausbereich realisieren.
Für den GdW steht fest: Einzelne punktuelle Verbesserungen können Einschnitte in der Breitenförderung nicht kompensieren. Entscheidend sei eine verlässliche, auskömmliche und langfristig planbare Förderung gerade im Mehrfamilienhausbestand, wo die meisten Mietwohnungen betroffen sind. Klimaschutz im Gebäudebestand könne nur gelingen, wenn Wohnungsunternehmen investieren können, ohne die Bezahlbarkeit des Wohnens zu gefährden.
ZIA: Schritt in die richtige Richtung
Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA), Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, nimmt die geplanten Änderungen der BEG vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage zur Kenntnis, warnt aber vor einem drastischen Rückgang des Fördervolumens. Nach den Plänen sinkt das Volumen von rund 15,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 9,985 Milliarden Euro im Jahr 2030 – ein Rückgang von rund 35 Prozent innerhalb von fünf Jahren; allein zwischen 2025 und 2027 beträgt die Kürzung bereits 18 Prozent.
Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan betont, Investitionen in die Transformation bräuchten langfristige Planbarkeit und Verlässlichkeit. Auch wenn sich Förderung an Marktgegebenheiten anpassen müsse, sei ein dauerhaft ausreichendes Fördervolumen nötig, um breite und wirksame Sanierungsimpulse in den relevanten Marktsegmenten zu setzen.
Mit Blick auf serielles Sanieren setzt der ZIA positive Akzente: Der Verband begrüßt ausdrücklich die Einführung eines Bonus für Maßnahmen an Worst-Performing-Buildings sowie die Ausweitung des Bonus für serielles Sanieren – explizit auch für den Nichtwohngebäudebereich. Beides seien sinnvolle Impulse, da sie bei den energetisch schwächsten Gebäuden des Bestands ansetzen. Angesichts des enormen Sanierungsbedarfs falle das finanzielle Gewicht dieser Maßnahmen jedoch bislang zu gering aus.
