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Schritt für Schritt müssen Unternehmen vorgehen, wenn sie Proptech-Lösungen erfolgreich einführen wollen. (Foto: Geerati/istock)

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14. May 2018 | Teilen auf:

Schritt für Schritt

Damit die digitale Euphorie nicht in einer tiefen Enttäuschung endet, müssen Unternehmen bei der Einführung neuer Proptech-Lösungen strukturiert vorgehen.

Proptechs, technologieorientierte Unternehmen mit Fokus auf die Immobilienwirtschaft, sprießen wie Pilze aus dem Boden. Diese Dynamik hat ihre Ursache maßgeblich in der Push-Pull-Strategie. Die Push-Strategie wird von neu gegründeten IT-affinen Unternehmen mit Investorenkapital angewendet, die mit ihren innovativen Lösungen in der Immobilienwirtschaft Neuland besetzen und einen Nutzen durch bisher unbekannte digitale Geschäftsmodelle generieren möchten.
Der Pull-Mechanismus dagegen wird durch die etablierten Akteure der Branche bedient: Immobilienunternehmen, die ihre eigenen Geschäftsprozesse optimieren wollen und digitale Unterstützung suchen. Dieser Pull-Effekt wird zudem durch Presse, Verbände oder die Verleihung spezifischer Awards und Auszeichnungen verstärkt.
Grundsätzlich sind die Effekte aus diesen kombinierten Push- und Pull-Strategien für die Immobilienwirtschaft positiv und führen zu einem in dieser Branche lange überfälligen Digitalisierungsschub. Eine langfristige Effizienzsteigerung ist zu erwarten. Aber nicht jede Idee und jedes neu gegründete Proptech-Unternehmen werden einen nachhaltigen Beitrag leisten. Früher oder später wird sich zeigen, welche Geschäftsmodelle tatsächliche innovative Potenziale für die Prozessoptimierung bieten.

Aufwand bei der Integration granularer Anwendungen
Die Vielfalt der Proptech-Unternehmen ist groß. Die Lösungen umfassen die gesamte Wertschöpfungskette vom Investment zum Facility Management und schließen auch die Bau- oder Versorgungsbranche mit ein. Die Palette reicht von operativen Bewirtschaftungsthemen wie der Schlüsselverwaltung oder dem Energie-Monitoring, über Applikationen, welche die Vermietung unterstützen, bis zu Algorithmen, die Investitionsentscheidungen erleichtern. Im Einsatz sind unterschiedliche Technologien wie die künstliche Intelligenz, der 3D-Druck, Blockchain und die Sensorik, welche die Daten- und Dokumentenbewirtschaftung erleichtern und die Kommunikation von Kunden und Mitarbeitern fördern.
Bei all der Vielfalt, die diese Proptech-Lösungen bieten, haben sie in der Regel eines gemeinsam: Sie unterstützen ausgewählte, in sich abgeschlossene Geschäftsprozesse. Diese Gemeinsamkeit hat ihren Preis. Die Granularität der Lösungen erfordert von den Immobilienunternehmen einen besonderen Integrationsaufwand. Speziell fünf wesentliche Handlungsfelder sind dabei zu nennen (siehe Kasten). Die oben dargestellten Aspekte geben einen Einblick in die mögliche Komplexität einer Proptech-Anwendung. Mit Blick in die Zukunft wird der Aufwand nicht allein beim den Immobilienunternehmen verbleiben. An dieser Stelle unterstützen sie etablierte Anbieter von ERP- und BI-Systemen, die im Rahmen ihres eigenen digitalen Angebots innovative, prozessbezogene Lösungen entwickeln und vor allem in die Integration von externen Applikationen investieren. Somit erhält der Kunde ein integriertes System mit einer Kombination aus individuellen, für ihn passenden Services.
Bestrebungen dieser Art zeigen sich beispielsweise durch die Entwicklung von SAP Fiori im Bereich der ERP-Systeme oder für das BI-System RE-VC von IRM. Visionär arbeitet der Anbieter des Portfoliomanagementsystems an einem Serviceund App-Store, wodurch der Kunde frei aus verschiedenen Dienstleistern und Applikationen wählen kann.
Diese Entwicklung treibt auch die gif e.V. mit ihren aktuellen Maßnahmen voran. Nach der inhaltlichen Schnittstellendefinition arbeitet der Branchenverband aktuell an der technischen Umsetzung und entwickelt Lösungen auf Basis von APIs zur Echtzeitkommunikation zwischen den Applikationen. Für den Nutzer hat diese Erweiterung elementare Vorteile. Die Systeme sind bereits am Markt erprobt, der Integrationsaufwand ist reduziert und die Investitionssicherheit erhöht.
Damit die Immobilienwirtschaft den vollen Schub des Digitalisierungseffektes für sich nutzen kann, sind alle drei Parteien gefragt: Proptechs, die im Sinne der Push-Strategie neue, innovative Lösungen auf den Markt bringen. Immobilienunternehmen, die den Market-Pull simulieren, aktiv nach digitalen Lösungen fragen und bereit sind, einen eigenen Beitrag zur Datenstandardisierung in der Branche zu leisten. Und last but not least die etablierten IT-Systemanbieter, die ihre bestehenden Systeme durch innovative Konzepte erweitern, externe Services anbinden und damit dem Kunden eine integrierte, digitale Produktpalette anbieten.

Autoren: Professor Dr. Marion Peyinghaus und Professor Dr.-Ing. Regina Zeitner leiten das Competence Center Process Management Real Estate in Berlin.